Freitag, 20. Februar 2026

Außergewöhnlichen Illustrationen

Alles verändert sich

Laïla Koubaa Inge Bogaerts
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3968430621
  • Erscheinungstermin: 10.07.2025
  • Seiten: 48
  • Verlag: Carl Auer Kids

Covertext

Wie jedes Jahr zu Beginn des Sommers geht Tunja in die Stadt und kauft sich ein Buch. Auf der Rückfahrt schläft sie im Zug ein. Sie verpasst ihre Haltestelle und fährt bis zur Endstation. Dort passiert etwas Überraschendes: Tunja wird von einem Gecko in Empfang genommen.
Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach ihrem Zuhause. Sie reisen vorbei an Wäldern, Flüssen und Feldern, bis zum Meer. Auf dem Weg treffen sie andere verirrte Tiere, und alle zusammen beschließen sie, die Natur von all dem Müll zu befreien …
Eine inspirierende Geschichte, die Lust macht, die Ärmel hochzukrempeln und gemeinsam für eine gesunde Natur und eine bessere Welt zu kämpfen. Denn wenn alle anpacken, macht es doch gleich viel mehr Spaß.

Rezension  

Dieses Bilderbuch fällt sofort durch mehrere Aspekte ins Auge: das große Format, das leuchtend pinkfarbene Cover und dessen reduzierte Gestaltung. Zu sehen ist lediglich die Protagonistin Tunja, die in einen grellpinken Kaugummi tritt. Damit beginnt die Geschichte, in der sowohl der Kaugummi als auch die Farbe Pink eine zentrale Rolle spielen.

Tunja ist auf dem Weg, sich ein Buch zu kaufen, als der Kaugummi an ihrem Schuh kleben bleibt. Er begleitet sie beim Kauf genau jenes Buches, das die Lesenden in den Händen halten, und haftet auch auf dem Heimweg in der U-Bahn weiterhin an ihr. Immer mehr Müll bleibt daran hängen, und der Rückweg wird zunehmend kurios. Als Tunja in der U-Bahn einschläft, begegnet sie auf der Suche nach dem Heimweg pinken Tieren, die sie auf Umweltverschmutzung aufmerksam machen. Gemeinsam durchstreifen sie verschiedene Orte, an denen die Verschmutzung sichtbar wird. Tunja fasst den Entschluss, etwas zu verändern – denn der Müll muss weg, am besten mit vereinten Kräften.

Was zunächst wie die bibliophile Geschichte eines Mädchens beginnt, entwickelt sich zu einem surrealen Abenteuer mit deutlicher Umweltbotschaft. Die Grundidee gefällt mir sehr gut. Allerdings musste ich das Buch mehrfach lesen, um die Intention vollständig zu erfassen. Ab dem Moment, in dem Tunja einschläft und ihre traumähnliche Reise beginnt, wurde die Handlung sehr abstrakt. Auch mein siebenjähriger Zuhörer verlor hier den Anschluss.

Der Bezug zur Ausgangssituation tritt in den Hintergrund, und zentrale Fragen bleiben offen: Woher kommen die Tiere? Träumt Tunja? Kehrt sie zurück? Jüngere Kinder erschließen sich die Botschaft vermutlich nicht ohne Begleitung. Die kurzen, einfachen Texte sind stellenweise zu knapp, um inhaltlich vollständig schlüssig zu wirken. Einige Seiten kommen sogar ganz ohne Text aus, was zusätzlichen Klärungsbedarf erzeugen kann.

Sehr gelungen sind die außergewöhnlichen Illustrationen von Inge Bogaerts. Wiederkehrende Elemente, verschiedene Perspektiven und Techniken sowie das dominierende Pink schaffen eine eindrucksvolle Bildwelt. Die großflächigen, häufig doppelseitigen Illustrationen laden zum Entdecken ein und machen visuell viel Freude.

Wer das Buch zu Hause, in der Kita oder in der Grundschule einsetzen möchte, sollte die Lektüre inhaltlich begleiten, um das Verständnis der Kinder zu sichern.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Eine zauberhaft-magische Parallelwelt

Winona und der Ruf der Wiccas

Mina Teichert
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • ISBN: 978-3522509565
  • Erscheinungstermin: 27.09.2025
  • Seiten: 320
  • Verlag: Planet!

Covertext

Nach ihrem zwölften Geburtstag geschehen merkwürdige Dinge in Winonas Leben. Zuerst besucht sie ein schwarzer Vogel, der spricht. Dann bekommt sie ein geheimnisvolles Geschenk, das sie und ihre Klassenkameradinnen Ophelia, Lilly und Grace in ein Land namens Turmalin stolpern lässt. Und zu allem Überfluss sitzen sie dort erst mal fest. Denn der Jadewald ist faszinierend und düster, die Blumen haben eine eigene Meinung, die Pilze sind viel zu groß und die Bewohner des Waldes führen die vierin die Irre. Was hat es mit den verlorenen Wiccas, den guten Hexen des Waldes, auf sich? Was führt die Herrscherin der Spiegelstadt im Schilde? Und was tut man, wenn man von fliegenden Waschbären entführt wird? Schnell wird klar, dass Vertrauen, Mut und echte Freundschaftdie Schlüssel zum Sieg sind. Und dass man manchmal dem Ruf von Wiccas folgen muss, um über sich hinauszuwachsen.

Rezension  

Autorin Mina Teichert begeistert in ihrem Buch „Winona und der Ruf der Wiccas“ mit einer fantasievollen Geschichte in einer zauberhaft-magischen Parallelwelt, die das Herz aller Fantasyfans ab etwa zehn Jahren höherschlagen lässt. Mit Winona hat sie eine sympathische und authentische Protagonistin geschaffen, die es den Lesenden leicht macht, sie ins Herz zu schließen.

Kurz nach ihrem zwölften Geburtstag muss Winona den Umzug ihrer besten Freundin verkraften. Als wäre das nicht genug, geschehen plötzlich merkwürdige Dinge: Eine sprechende Dohle nimmt Kontakt zu ihr auf, sie erhält ein geheimnisvolles Kästchen und hört daraus seltsame Rufe. Gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen Ophelia, Grace und Lilly gerät sie bei einem Schulprojekt in ein Abenteuer. Durch einen mysteriösen Baum gelangen die vier Mädchen in das Land Turmalin, wo eine böse Herrscherin das Gleichgewicht der magischen Welt bedroht.

Während ihrer Erlebnisse wachsen die Mädchen eng zusammen, werden Freundinnen und entdecken eine besondere gemeinsame Kraft. Ob sie Turmalin retten und unversehrt zurückkehren können?

Besonders gefallen hat mir die fröhlich-freche Erzählweise, die es leicht macht, in die Geschichte einzutauchen. Neben der fantasievollen Welt steht vor allem das Thema Freundschaft im Mittelpunkt. Winona lernt, alte Beziehungen neu zu bewerten und neue Freundschaften zuzulassen. Die Entwicklung der Figuren und ihrer Gruppendynamik wird überzeugend dargestellt.

Turmalin erinnert stellenweise an Klassiker wie „Alice im Wunderland“ oder „Der Zauberer von Oz“, ohne dabei wie eine Kopie zu wirken. Blechene Zeitwächter, eichhörnchenreitende Flauschwesen oder fliegende Waschbären sorgen für originelle Ideen und viel Lesefreude. Die Spannung bleibt ausgewogen, sodass keine Langeweile aufkommt.

Das mystisch gestaltete Cover stimmt gelungen auf die Geschichte ein. Schade ist lediglich, dass im Inneren – abgesehen von einigen floralen Elementen – keine weiteren Illustrationen enthalten sind. Das Ende ist abgeschlossen, dennoch würde ich Winona und ihre Freundinnen gern noch einmal nach Turmalin begleiten.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Honey Bee

Nur Müll? Von wegen! Mit den Schlammlerchen auf Schatzsuche

 Der Schatzsucher-Club von der Themse 

Die geheime Stadt

Katya Balen
  • Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • ISBN: 978-3423641326
  • Erscheinungstermin: 11.09.2025
  • Seiten: 128
  • Verlag: dtv

Covertext

Heftige Erdbeben erschüttern London, das Wetter spielt verrückt und die Themse scheint plötzlich ein Eigenleben zu haben: Könnte das etwas mit dem seltsamen Ding zu tun haben, das Clem, Zara und Ash – Mitglieder des Schatzsucher-Clubs von der Themse – im Schlamm des Flussufers gefunden haben? Der Fluss und der wahre Besitzer des Gegenstands scheinen danach zu rufen! 
Clem und ihre Freunde müssen sich in das spannendste – und nasseste – Abenteuer ihres Lebens stürzen, um ihre geliebte Heimat zu retten.

Rezension  

Die Themse prägt das Stadtbild Londons auf besondere Weise und birgt in ihren Tiefen so manches Geheimnis. Genau diese verborgenen Schätze möchten Clem und ihre Freunde heben. Wie viele andere sind sie sogenannte „Schlammlerchen“, auf Englisch Mudlarks – also Schatzsuchende, die am Ufer der Themse angespülte Gegenstände sammeln. Jedes Wochenende macht sich ihr Schatzsucherclub auf den Weg, um Neues zu entdecken. Die Funde werden anschließend in einem eigens gegründeten Museum ausgewertet, das von Oswald, einem geheimnisvollen älteren Herrn, geleitet wird.

Eines Tages gerät jedoch alles aus dem Gleichgewicht: Wetter und Fluss spielen plötzlich verrückt, und London droht zerstört zu werden. Ob einer von Clems letzten Funden etwas damit zu tun hat? Oswald weiß Rat, und gemeinsam tauchen Clem und ihre Freunde tief in die Themse hinab, um die Stadt zu retten. Was sie dort entdecken, ist unglaublich und verändert ihren Blick auf den Fluss für immer.

Bereits das leuchtend bunte Cover lädt dazu ein, den Schatzsucherclub auf seiner Entdeckungsreise zu begleiten. Die 20 kurzen Kapitel lassen sich dank eines flüssigen, verständlichen Schreibstils zügig lesen. Durch die dichte Abfolge der Ereignisse kommt keine Langeweile auf, was besonders Lesemuffeln entgegenkommt. Katya Balen gelingt es, auf wenigen Seiten viel geschehen zu lassen. Die Handlung wird zunehmend fantastischer und greift skurrile Elemente auf, die hervorragend zu einer geheimen, unter der Oberfläche existierenden Stadt passen.

In der Gestaltung von Figuren und Schauplätzen beweist die Autorin Einfallsreichtum, Experimentierfreude und Wortwitz. Manche Elemente wirken typisch britisch, was der Geschichte zusätzlichen Charme verleiht. Die Illustrationen von Rachael Dean sind in Schwarz, Weiß und Grau gehalten. Sie lockern den Text angemessen auf, visualisieren zentrale Szenen und unterhalten durch zahlreiche Details. Auch mit Schriftart und -größe wird stellenweise experimentiert, was den Text zusätzlich belebt.

Das Buch eignet sich hervorragend zum (Vor-)Lesen ab etwa acht Jahren und macht Lust auf weitere Abenteuer, die in englischer Sprache bereits erschienen sind.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Klassiker zum Vorlesen

Nils Holgersson

Usch Luhn / Joëlle Tourlonias
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3751207508
  • Erscheinungstermin: 11.07.2025
  • Seiten: 128
  • Verlag: Oetinger

Covertext

In "Klassiker zum Vorlesen. Nils Holgersson" von Usch Luhn wird die bekannte Geschichte des unartigen Jungen Nils, der durch eine magische Verwandlung die Welt aus einer neuen Perspektive erlebt, neu erzählt. Nils, der sich an Tieren vergreift und nicht die freundlichste Person ist, erfährt am eigenen Leib, wie es ist, klein und machtlos zu sein, als er plötzlich auf Daumengröße geschrumpft ist. Diese unerwartete Veränderung führt dazu, dass er mit einer Schar Wildgänse durch Schweden fliegt, was den Beginn eines großen Abenteuers markiert. Auf seiner Reise lernt Nils, die Welt mit anderen Augen zu sehen, und entwickelt Mitgefühl und Verständnis für die Lebewesen um ihn herum. Die Neuinterpretation dieses Klassikers von Selma Lagerlöf durch Usch Luhn macht die zeitlose Geschichte zugänglich und unterhaltsam für Kinder ab fünf Jahren.

Rezension  

Die Geschichte von Nils Holgersson begeisterte bereits Generationen von Kindern und Erwachsenen auf der ganzen Welt und wurde zum Sinnbild für einen respektvollen Umgang des Menschen mit Tieren. Für den kleinen Bauernjungen Nils sind Tiere zunächst nur ein Zeitvertreib. Er respektiert sie nicht, quält sie sogar und setzt seinen Dickkopf ohne Rücksicht auf andere durch. Eines Tages verwandelt ein Wichtel ihn zur Strafe in einen Däumling. Plötzlich steht Nils nicht mehr über den Dingen, sondern muss lernen, sich unterzuordnen.

Mit seinem Gänserich Martin schließt er sich einer Schar Wildgänse an. Deren Anführerin Akka lehrt ihn, was Respekt bedeutet und wie man sich Anerkennung durch gute Taten verdient. Nils erkennt, dass ihm kein guter Ruf vorauseilt, und möchte sich ändern. Durch zahlreiche Abenteuer entwickelt er Mitgefühl und Empathie. Schließlich ist er sogar bereit, seine menschliche Gestalt aufzugeben, um Martin zu retten und bei den Wildgänsen zu bleiben.

In der Reihe „Klassiker zum Vorlesen“ ist im Oetinger Verlag Selma Lagerlöfs „Nils Holgersson“ in einer Nacherzählung von Usch Luhn erschienen. In 16 Kapiteln wurde die Geschichte kindgerecht aufbereitet. Angemessene Kapitellängen und eine verständliche Sprache erleichtern das Vorlesen. Der Inhalt wurde gegenüber dem Original komprimiert, doch zentrale Motive – insbesondere die innere Wandlung vom tierequälenden Tunichtgut zum naturverbundenen, verlässlichen Freund – bleiben erhalten.

Sensible Themen wie Nils’ Streiche, das Schlachten von Tieren oder Gefahren im Tierreich werden altersgerecht dargestellt, ohne beschönigt zu werden. Positiv hervorzuheben ist, dass auf Modernisierungen verzichtet wurde und der ursprüngliche Charakter der Geschichte bewahrt bleibt.

Die in Naturtönen gehaltenen Illustrationen von Joëlle Tourlonias mit ihren typisch kindlich-liebevollen Figuren ergänzen die Erzählung stimmig, wirken stellenweise jedoch etwas düster. Einzelne Motive erscheinen auf den weißen Seiten mitunter etwas verloren.

Das Buch eignet sich zum Vorlesen für Kinder ab etwa fünf Jahren zu Hause, in der Kita oder in der Grundschule.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Streit und Versöhnung

Die Streitsaurier

Annette Langen / Gloria Jasionowski
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3833910739
  • Erscheinungstermin: 31.10.2025
  • Seiten: 32
  • Verlag: Baumhaus

Covertext

Auf einer einsamen Insel mitten im Ozean treffen zwei seltene Urzeitviecher aufeinander: das Miracelrex und der Superosaurus. Sofort entbrennt ein wilder Streit: Wem gehört die Insel? Dem Superosaurus, weil er wild mit den Augen rollen kann? Oder dem Miracelrex, das mit der Zunge bis an die Nasenspitze kommt? Während sich die beiden tollpatschigen Kontrahenten in lustigen Disziplinen messen, merken sie plötzlich: Sie sind nicht allein ... Auf einmal müssen sie zusammenhalten. Und was sie dann finden, ist viel wertvoller als jeder Triumph.

Rezension  

Streit und Versöhnung sind bei Kindern immer wieder Thema. Konfliktlösekompetenz und eine gesunde Streitkultur müssen schließlich erst erlernt werden. Um diese Thematik zu Hause, in der Kita oder in der Grundschule aufzugreifen, eignen sich Bücher besonders gut. Das neue Bilderbuch der bekannten Autorin Annette Langen verspricht eine humorvolle, altersgerechte Auseinandersetzung mit Konflikt und Wettstreit.

Im Mittelpunkt stehen zwei Dinosaurier, der Superosaurus und das Miracelrex, die gleichzeitig aus dem Meer auf eine Insel klettern und diese jeweils für sich beanspruchen. Es beginnt ein Wettstreit in verschiedenen, herrlich verrückten Disziplinen. Immer wieder stellt sich die Frage: Wer ist der Gewinner – und wem gehört somit die Insel? Schließlich erkennen die beiden Urviecher, dass manches anders ist, als es scheint, und dass Zusammenarbeit oft sinnvoller ist als Konkurrenz.

Der Text ist witzig und bereits für jüngere Kinder gut verständlich. Durch implizite Fragen und die direkte Ansprache des Lesepublikums motiviert er zum Zuhören und Eintauchen in das urzeitliche Geschehen. Besonders originell ist die Idee einer eigenen Dinosauriersprache, dem „Urviechisch“. Diese ist nicht immer leicht vorzulesen, sorgt aber für viele Lacher. Variationen in Schriftart, -größe und -farbe lockern den Text zusätzlich auf.

Der Wettstreit der Saurier ist aufgrund der absurden Disziplinen (etwa Augenrollen oder die Zunge an die Nasenspitze stupsen) sehr unterhaltsam. Ein wirklich ernsthafter Streit entsteht jedoch nicht, wodurch das Thema etwas abgeschwächt wirkt. Der Wandel hin zur Annäherung erfolgt recht plötzlich, eine konkrete Konfliktlösung oder Kompromissfindung wird nicht ausdrücklich gezeigt. Hier bietet sich ein anschließendes Gespräch mit Kindern an.

Die Illustrationen von Gloria Jasionowski sind farbenfroh und heiter. Mit naturgetreu dargestellten Dinosauriern haben die Figuren zwar wenig gemein, doch Mimik und Gestik sind sehr gelungen. Insgesamt wirkten die Seiten stellenweise etwas überladen. Positiv hervorzuheben sind das ansprechend gestaltete Cover mit glänzenden Elementen sowie das Zusatzmaterial im Anhang: eine Tabelle mit gängigen Floskeln auf Urviechisch und ein QR-Code mit weiteren Ideen.

Das Buch eignet sich für Kinder ab etwa fünf Jahren, um das Thema Streit anzusprechen, bietet jedoch keine konkreten Lösungsstrategien.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Manchmal entzündet ein kleiner Funke einen großen Streit

Großer Stunk

Julia Friese / Christian Duda
  • Altersempfehlung: ab 5 Jahren
  • ISBN: 978-3407759986
  • Erscheinungstermin: 21.08.2025
  • Seiten: 56
  • Verlag: Beltz & Gelberg

Covertext

Leander möchte Affen malen und lädt sie zu sich ein. Wo Affen sind, gibt’s Streit. Das hat Leander nicht gewusst. Als plötzlich ein Kind in der Tür steht, gibt es richtig Stunk! Und Leander mittendrin. Worüber streiten sie eigentlich?
Ein humorvolles Bilderbuch über kleine Unterschiede und große Gefühle, über Ausgrenzung und Miteinander – brillant von Julia Friese und Christian Duda in Szene gesetzt.

Rezension  

Manchmal genügt eine kleine Initialzündung, um einen großen Streit auszulösen – vor allem dann, wenn jeder auf seinem Recht beharrt. So geschieht es auch im Buch „Großer Stunk“. Eigentlich beginnt alles ganz harmlos: Leander ist Künstler und möchte Affen malen. Da er sich ein lebendes Modell wünscht, lädt er Affen in sein Atelier ein. Viele verschiedene Arten treffen ein, doch jeder Affe behauptet, der einzig richtige Affe zu sein. Die Diskussionen werden immer wilder, die Tiere kritisieren und beschimpfen einander und geraten beinahe aneinander. Auch Leander kann sie nicht beruhigen.

Da erscheint die kleine Luzi und bringt alles durcheinander. Sie behauptet nämlich, dass auch sie und Leander Affen seien, da sie zur Familie der Menschenaffen gehören. Leander will das überhaupt nicht akzeptieren – und gemeinsam mit den Affen stürzt er das Atelier ins Chaos. Am Ende beruhigt sich die Situation wieder.

Anhand dieses kleinen, quadratischen Hardcover-Bilderbuchs lässt sich mit Kindern gut erörtern, was passiert, wenn man stur auf seinem Standpunkt beharrt und keine anderen Meinungen zulässt. Der Streit zwischen den Affen zeigt, dass Konflikte oft aus absurden oder wenig sinnvollen Gründen entstehen. Zudem wird deutlich, wie schnell man – je nach Argumentation – von der Täter- in die Opferrolle rutschen kann und umgekehrt. Die Eskalationsspirale wird anschaulich dargestellt, ebenso die Emotionen der Beteiligten.

Allerdings wirken die Affen durch ihren Stunk eher unsympathisch, was mir persönlich weniger gut gefällt. Als das Mädchen erscheint, hätte ich mir eine echte Konfliktlösung gewünscht. Stattdessen eskaliert die Situation weiter, da auch Leander die Beherrschung verliert. Eine tatsächliche Klärung des Streits findet nicht statt; die Lage beruhigt sich lediglich, was den Schluss etwas abstrakt erscheinen lässt. Hier wäre das Aufzeigen konkreter Lösungsmöglichkeiten wünschenswert gewesen – vielleicht können diese jedoch im Anschluss gemeinsam mit Kindern erarbeitet werden.

Der Text ist verständlich und beschreibend verfasst, stellenweise werden Informationen zu den Affenarten und ihren Namen eingeflochten. Die schönen, strichartigen und naturnahen Illustrationen von Julia Friese sind ein großer Pluspunkt des Buches und vermitteln einen anschaulichen Eindruck von der Vielfalt der Affen. Auch darüber lässt sich gut sprechen, etwa darüber, ob Vielfalt ein Streitpunkt sein muss oder als Bereicherung akzeptiert werden kann.

Das Buch bietet somit zahlreiche Gesprächsanlässe zum Thema Konflikte und eignet sich für Kinder ab etwa sechs Jahren sowohl im häuslichen als auch im pädagogischen Kontext.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Ein großformatiges Buch, dass immer wieder begeistert

Wale. Giganten der Meere

Amandine Delaunay
  • Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • ISBN: 978-3836963336
  • Erscheinungstermin: 30.07.2025
  • Seiten: 48
  • Verlag: Gerstenberg

Covertext

In den Tiefen der Meere, fernab von den Menschen, leben die größten Säugetiere der Welt – Wale. Tauchen wir hinab in ihre geheimnisvolle Welt und lernen die vielen verschiedenen Arten kennen, vom kleinen Amazonasdelfin bis zum gigantischen Blauwal. Wie jagen sie ihre Beute, warum schließen manche Wale beim Schlafen nur ein Auge und was hat es mit dem berühmten Walgesang auf sich? Ein atemberaubendes, großformatiges Buch über die Tiere, die uns mit ihrer Schönheit, ihrer Intelligenz und ihrem Sozialverhalten immer wieder aufs Neue faszinieren. Mit fantastischen Illustrationen in ungewöhnlichen Perspektiven und tiefseeblauen Tönen – zum Abtauchen schön.

Rezension  

Es gibt nur wenige Tiere, die den Menschen immer wieder so in ihren Bann ziehen wie die Giganten der Meere – die Wale. Ob ihre enorme Größe, ihr Sozialverhalten oder die vielen weiteren Besonderheiten, die sie auszeichnen: Wale üben eine unglaubliche Faszination aus.

In diesem im wahrsten Sinne des Wortes großartigen – weil großformatigen – Sachbuch dreht sich alles um die Meeressäuger. Autorin Amandine Delaunay hat mit diesem reich bebilderten, sehr kurzweiligen und informativen Werk ein tolles Buch geschaffen, das sich ab etwa acht Jahren zum Selbstlesen oder Vorlesen eignet. Es ist sachlogisch aufgebaut und beleuchtet alle Bereiche vom Beginn bis zum Ende des Wal-Lebens.

Von klassifizierenden Fakten und Erkennungsmerkmalen über verschiedene Arten, Fortbewegung, Ernährung und Fortpflanzung bis hin zu Verbreitung, Kommunikation und sozialen Verhaltensmustern erfahren die Lesenden viele interessante Details. Jedes Thema ist durch zahlreiche Zwischenüberschriften gegliedert, sodass die Texte überschaubar und teilweise nur wenige Sätze lang sind. Dadurch werden auch Lesemuffel nicht überfordert. Die meist in sich abgeschlossenen Abschnitte ermöglichen zudem ein flexibles Hin- und Herblättern.

Neben allgemeinen Informationen werden häufig exemplarisch Besonderheiten einzelner Arten hervorgehoben. So erhält die Leserschaft einen breit gefächerten Einblick in das Leben der Meeressäuger. Das vermittelte Wissen ist umfassend; dennoch wirken die prägnanten und verständlichen Texte nie überladen oder langatmig.

Besonders eindrucksvoll sind die naturgetreuen Illustrationen. Sie umfassen oft ein bis zwei Doppelseiten, ergänzt durch zahlreiche kleinere Bilder und erklärende Zeichnungen, die teilweise wie Fotografien wirken. Dunkle Blau-, Grau- und Schwarztöne dominieren und spiegeln den natürlichen Lebensraum Ozean wider, was den Bildern eine leicht mystische Atmosphäre verleiht.

Dieses Buch hat mich wirklich begeistert. Ich nehme es immer wieder zur Hand, um darin zu blättern und Neues zu entdecken. Groß und Klein werden von diesem Werk fasziniert sein, da es ein Thema behandelt, das seit jeher eine enorme Anziehungskraft besitzt. Kommt mit und taucht ein in die atemberaubende Welt der Wale!

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Mittwoch, 18. Februar 2026

Miteinander ist das Durcheinander am schönsten

Ete Petete und Tohu Wabohu

Lissa Lehmenkühler / Julia Bierkandt

  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3833910555
  • Erscheinungstermin: 31.10.2025
  • Seiten: 32
  • Verlag: Baumhaus

Covertext

Ete Petete wohnt mit ihrem außerordentlich ordentlichen Pudel Pico Bello in einer außerordentlich ordentlichen Villa. Dort ist vom Keller bis zur Dachpfanne alles sauber, fein und flusenrein. Doch dann kommen neue Nachbarn an - laut und zottelig: Tohu Wabohu und seine Riesenkatze Ramba Zamba. Bei ihnen ist das Durcheinander perfekt! Sie purzeln über Heckenrosen, graben in Etes Beeten nach Piratenschätzen und lassen Kirschkerne hoch zu den Sternen fliegen. Ein ordentliches Donnerwetter liegt in der Luft. Doch als Ete schimpfend und zeternd in Tohus Schatzgräberloch plumpst, ist Tohu tröstend zur Stelle - und bietet gleich noch ein Karacho-Tänzchen an. Und wer kann dazu schon Nein sagen?

Rezension  

Bereits der Titel dieses großformatigen, einladend bunten Bilderbuches gefällt mir sehr gut, denn er bringt auf kreative Weise den Inhalt des Buches auf den Punkt. Gegensätzliche Lebensweisen und Ansichten mit den Begriffen Etepetete und Tohuwabohu zu beschreiben, ist eine tolle Idee der Autorin Lissa Lehmenkühler. Die Namen der Protagonisten Ete Petete und Tohu Wabohu sind also schon ein Volltreffer. Dazu kommen noch die Haustiere der beiden, in denen sich das Gegensätzliche ebenfalls widerspiegelt: Hund Pico Bello und Katze Ramba Zamba.

Zunächst lernen wir Frau Ete Petete und Pico Bello kennen, die es sauber, geordnet und ruhig mögen. Dementsprechend gesittet gestaltet sich ihr Alltag in der Villa mit Garten. Bis eines Tages der chaotische Tohu Wabohu mit Ramba Zamba nebenan in ein Baumhaus zieht und das Leben von Ete und Pico durcheinanderwirbelt. Als Ete sich eines Nachts lauthals beschweren will, fällt sie in ein Loch und wird von Tohu gerettet – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die von der Energie des Gegensätzlichen lebt.

Mit gereimten, kurzen Texten, die angenehmen Wortwitz und das ein oder andere sprachspielerische Element enthalten, lädt Lissa Lehmenkühler dazu ein, zwei besondere Persönlichkeiten kennenzulernen. Die Idee der gegensätzlichen Nachbarn, die sich in Charakter, Lebensstil und Ansichten grundlegend unterscheiden, ist im Kinderbuchbereich nicht neu, wurde hier jedoch sehr ansprechend umgesetzt.

Die Reime auf den meist vollständig illustrierten Seiten lassen sich vereinzelt nicht sofort flüssig vorlesen, bieten den kleinen Zuhörenden jedoch eine schöne Bandbreite an Wortmaterial, das ihnen vielleicht sonst nicht so geläufig ist. Die farb- und detailreichen Bilder von Julia Bierkandt harmonieren hervorragend mit dem Inhalt der Geschichte und setzen wichtige Szenen eindrucksvoll in Szene. Viele liebevoll-kreative Details verleihen der Erzählung zusätzlichen Witz und Nachdruck.

Das matte Cover mit glänzend gedrucktem Titel lässt durch Farbgebung, Körperhaltung und Gesichtsausdruck der Hauptfiguren bereits erahnen, was sie charakterlich auszeichnet und wie sie zueinanderstehen. Inhaltlich bietet das Bilderbuch zahlreiche thematische Anknüpfungspunkte. Über Nachbarschaft, die Freundschaft scheinbar gegensätzlicher Menschen oder das Zusammenspiel von Ordnung und Durcheinander lässt sich hervorragend ins Gespräch kommen.

Das Buch eignet sich ab einem Alter von etwa vier bis fünf Jahren zum Vorlesen zu Hause sowie für den Einsatz in der Kita und in der Grundschule.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Jahreszeiten, Freundschaft und ein dramatischer Diebstahl

Der Sonnendieb

Alice Hemming / Nicola Slater

  • Altersempfehlung: ab 3 Jahren
  • ISBN: 978-3833910227
  • Erscheinungstermin: 27.06.2025
  • Seiten: 32
  • Verlag: Baumhaus

Covertext

Ein lustiges Bilderbuch über Jahreszeiten, Freundschaft und große Abenteuer

Eben noch liegt das Eichhörnchen gemütlich im Liegestuhl und lässt sich von der warmen Sonne das flauschige Fell wärmen. Doch nur wenige Tage später - zur selben Uhrzeit - erschrickt es beim Zähneputzen: Die Sonne ist weg! Es ist plötzlich dunkel. Wurde die Sonne gestohlen?

Zusammen mit seinem besten Freund, dem schlauen Vogel, begibt sich das Eichhörnchen auf eine witzige und spannende Suche. Die beiden erleben ein überraschendes Abenteuer - voller Spaß, kleiner Rätsel und einer wunderbaren Entdeckung: den Wechsel der Jahreszeiten.

Rezension  

Mit dem Bilderbuch „Der Sonnendieb“ ist mittlerweile der vierte Band der beliebten Blätterdieb-Reihe von Alice Hemming und Nicola Slater erschienen, der auch unabhängig von den Vorgängern gelesen werden kann. Die beiden unterhaltsamen Hauptfiguren Eichhörnchen und Vogel spielen natürlich wieder die Hauptrolle. Auch dieses Mal macht das Eichhörnchen eine spektakuläre, zunächst alles durcheinanderbringende Entdeckung, die Vogel schließlich aufklärt.

Das Eichhörnchen wundert sich nämlich, als der Vogel eines Tages bei hellstem Sonnenschein nach Hause geht, um zu schlafen. Dieser erklärt, dass es im Sommer lange hell ist, aber trotzdem Schlafenszeit sein kann. Nun gut. Ein paar Wochen später fragt sich das Eichhörnchen, warum es plötzlich schon beim Zähneputzen dunkel wird, obwohl noch Sommer ist. Leicht hysterisch wie üblich vermutet es einen Sonnendieb. Vogel kann es beruhigen und erklärt, dass es am Ende des Sommers wieder früher dämmert. Zum Glück geht morgens die Sonne wieder auf. Als es Tage später jedoch auch morgens noch dunkel bleibt, ist für das Eichhörnchen klar, dass hier etwas nicht stimmt. Zum Glück kann Vogel ihm deutlich machen: Die Sonne geht, wenn auch zu veränderten Zeiten, immer wieder auf.

Leicht überdreht, aber sehr lustig ist das Eichhörnchen, das in diesem Buch den Wechsel der Jahreszeiten anhand des unterschiedlichen Sonnenstandes im Übergang vom Sommer zum Herbst entdeckt. Der ruhige, fast elterlich wirkende Freund Vogel erklärt mit einfachen Worten, dass es im Herbst abends früher dunkel und morgens später hell wird. Im Ablauf ähnelt die Handlung den Vorgängern, und auch der Textaufbau ist vergleichbar, da dieser fast ausschließlich aus Dialogen zwischen den Tieren besteht. Nur selten finden sich kurze ergänzende Anmerkungen.

Ganz zum Schluss wird in Form eines kurzen Sachtextes der Wechsel der Jahreszeiten in Abhängigkeit von der Bewegung der Erde um die Sonne sowie um sich selbst erläutert. Auch auf die Fledermaus, die als vermeintlicher Sonnendieb eine kleine Nebenrolle spielt, wird hinsichtlich ihrer Lebensweise erklärend eingegangen.

Mir persönlich hat in diesem Buch ein wenig der Zusammenhang gefehlt, und die Geschichte konnte mich insgesamt nicht vollständig abholen. Das Verhalten des aufgekratzten Eichhörnchens wirkte auf mich etwas zu konfus, das Auftreten der Fledermaus ein wenig konstruiert. Auch eine zufriedenstellende Erklärung dafür, warum es unterschiedlich lange hell oder dunkel ist, liefert die Geschichte nicht. Die sachliche Erklärung im Anhang finde ich als Ergänzung in Ordnung, für jüngere Kinder jedoch zu anspruchsvoll. Wörter wie „Äquator“ werden erläutert, während der Begriff „Hemisphäre“, der mindestens ebenso komplex ist, nicht erklärt wird.

Insgesamt ist die Geschichte witzig und führt vor allem jüngeren Kindern vor Augen, dass sich Sonnenauf- und -untergang im Jahreslauf mit dem Wechsel der Jahreszeiten verändern. Als Themeneinstieg oder wenn Kinder von selbst Fragen dazu stellen, kann die Geschichte durchaus hilfreich sein. Das Buch ist unterhaltsam, aber nicht ganz so stimmig wie seine Vorgänger.

Die bunten, mit witzigen Details versehenen und großflächigen Illustrationen untermalen die Geschichte sehr gut und verdeutlichen deren Inhalt, der ohne die Bebilderung nur schwer verständlich wäre. Als Vorlesende muss man teilweise überlegen, in welcher Reihenfolge die Texte gelesen werden, da sie stellenweise etwas verstreut in den Bildern angeordnet sind. Das Buch bietet jedoch viel Potenzial, die Rollen von Eichhörnchen und Vogel beim Vorlesen schauspielerisch zu interpretieren, was Kindern sicherlich Spaß macht. Ich empfehle das Buch für Kinder ab etwa fünf Jahren.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Ein kindlicher Roadtrip

Sommer mit Krähe

Frida Nilsson

  • Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • ISBN: 978-3407813923
  • Erscheinungstermin: 17.07.2025
  • Seiten: 166
  • Verlag: Gulliver

Covertext

Ebba und Krähe sind beste Freunde. Krähe ist vorlaut und draufgängerisch, Ebba schüchtern und vorsichtig. Aber Ebba hat Krähe fest in ihr Herz geschlossen und versteht, dass Krähe seine verloren gegangenen Eltern suchen will. Eine aufregende Reise durch Schweden beginnt. Ein Kinderabenteuer zum Mitfiebern, das mit Wärme und Humor von der Suche nach einem Zuhause und einer besonderen Freundschaft erzählt.

Rezension  

Die schwedische Autorin Frida Nilsson hat mit ihrem Buch „Sommer mit Krähe“ einen lustigen, abenteuerlichen und verrückten Roadtrip für Kinder geschrieben. Dieser führt durch Schweden und hat die schwedisch-norwegische Grenze als Ziel, denn dort vermutet Krähe ihre vor langer Zeit verlorenen Eltern. Das Mädchen Ebba, Krähes beste Freundin, bricht eines sommerlichen Morgens mit dem Vogel auf. Sie haben einen vagen Plan, kein Geld, aber jede Menge Motivation im Gepäck. Über die Tatsache, dass ein Kind eine sprechende Krähe als Freund hat, habe ich mich weniger gewundert als über die waghalsigen Erlebnisse der beiden.

Das Reisen per Anhalter, Draisine oder Floß, die Mitfahrt bei zwielichtigen LKW-Fahrern, das Übernachten auf Parkbänken oder im Luxushotel (mit anschließendem Prellen der Zeche), ein nächtlicher Einbruch ins Restaurant und ein kurzer Trip im Tourbus einer Band sind nur einige der Kuriositäten, die den Lesenden begegnen. Ob Ebba und Krähe ihr Ziel erreichen und Krähes Eltern nach vielen Jahren wiederfinden? Wer Lust auf ein ungewöhnliches, sommerliches Leseabenteuer hat, sollte die beiden Freunde unbedingt durch Schweden begleiten.

Die Geschichte im Taschenbuchformat ist dank eines unkomplizierten, verständlichen Schreibstils und kindgerechter Kapitel­längen (ca. 12 Seiten) angenehm zu lesen. Erzählt wird aus Ebbas Sicht, wobei nicht nur die Handlung, sondern auch die Emotionen sehr gut transportiert werden. Von den Charakteren Ebba und Krähe erhält man ein umfassendes Bild, sodass sie dem Lesepublikum schnell ans Herz wachsen. Durch die Reise wird die Intensität ihrer Freundschaft deutlich, die zugleich das zentrale Thema des Buches ist.

Der kindliche Roadtrip ist zwar nicht vollständig realistisch, sondern enthält einige fantastische Elemente (etwa die sprechende Krähe) und zahlreiche skurrile Begegnungen. Auch manche bildhaft beschriebenen Situationen sind pädagogisch möglicherweise fragwürdig (Mitfahren per Anhalter, Einbruch, Hotel ohne Bezahlung verlassen) und sollten gegebenenfalls besprochen werden. Wer sich darauf einlässt, erlebt jedoch ein lustiges und am Ende sehr emotionales Abenteuer zweier besonderer Freunde.

Illustriert wurde die Geschichte mit skizzenartig gestalteten, humorvollen Bildern von Anke Kuhl, die die Erzählung zusätzlich auflockern. Das Buch eignet sich für die Freizeitlektüre oder auch als unterhaltsame Klassenlektüre ab etwa acht bis neun Jahren.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Der alles entscheidende Coup

Die Schule der Meisterdiebe J. J.  Arcanjo (Autor*in) Altersempfehlung: ab 10 Jahren ISBN:  978-3-505-15330-3 Erscheinungstermin: 27.01.202...