Wild Song
Candy Gourlay (Autor*in)
Altersempfehlung: ab 14 Jahren- ISBN: 978-3757101947
- Erscheinungstermin: 28.05.2025
- Seiten: 320
- Verlag: Rotfuchs
Covertext
Die Reise in die vielgepriesene Neue Welt wird zur Katastrophe
Die
16-jährige Luki hat ihr ganzes Leben in den Bergen der Philippinen
verbracht. Sie ist eine talentierte Jägerin und will Kriegerin werden,
doch Mädchen dürfen nicht jagen. Und nun wollen die Stammesältesten,
dass sie ihren besten Freund Samkad heiratet. Doch Luki will ihre
Freiheit nicht aufgeben. Also beschließt sie, das Angebot von Truman
Hunt anzunehmen und nach Amerika zu reisen, um an der Weltausstellung in
St. Louis teilzunehmen. Doch nach einer langen und beschwerlichen Reise
stellen die Philippinos fest, dass sie für die Besucher der
Weltausstellung in einem behelfsmäßigen Dorf wie Tiere gefangen gehalten
werden. Und Luki begreift, dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
seine Chancen sehr ungerecht verteilt.
Rezension
In ihrem Roman "Wild Song" hat die Autorin candy Gourlay nicht nur eine einfache Coming-of-Age-Story geschrieben, sondern eine solche in den interessanten Kontext der Weltausstellung im Jahr 1904 gesetzt und mit vielen wichtigen Themen verknüpft.
Die lesenden lernen die 16-jährige Luki kennen, die einem indigenen Stamm im philippinischen Hochland angehört. Luki bestreitet ihr Leben dort als Waise und gerät aufgrund ihres starken Charakters und Freigeistes immer wieder in Konflikte mit den Regeln der Dorfgemeinschaft. So liebt sie die Jagd, träumt von eigener Stärke, Freiheit und einer Rolle, die ihr als Frau nicht zugedacht ist. Als Lukis Freund ihr einen Heiratsantrag macht, ergreift sie die Flucht, indem sie sich freiwillig als Teilnehmerin für die in St. Louis (USA) stattfindende Weltausstellung meldet.
Angelockt von den Versprechungen der Amerikaner und das Abenteuer vor den Augen bricht Luki gemeinsam mit weiteren Mitgliedern ihres Stammes sowie fremder Stämme zu einer fast sechsmonatigen Reise per Fuß, Schiff und Zug unter der Obhut von Truman Hunt nach Amerika auf. Luki wird schnell mit Problemen konfrontiert, da ihr Gewalt, Hunger und plötzlich auch noch ihr verschmähter Bräutigam begegnen.
Als unter den Reisenden erste Todesfälle auftreten, Luki zum ersten Mal spürt, was Kälte bedeutet und sie von den Amerikanern teilweise feindselig begafft werden, wird langsam deutlich, dass diese Reise nicht das ist, was sich Luki erhofft hat. Sie stellt zunehmend fest, dass die vermeintlichen Beschützer sowie die amerikanische Gesellschaft insgesamt nur solange freundlich zu ihnen sind, wie die zur Schau gestellten Menschen aus aller Welt das tun, was von ihnen erwartet wird. Luki erfährt schmerzlich, was Rassismus bedeutet und wie tief dieser in der westlichen Welt verwurzelt ist. Sie muss sich letztendlich entscheiden: spielt sie die von der Gesellschaft aufgezwungene Rolle der zivilisierten Ureinwohnerin in Amerika oder kehrt sie in ihr Land und zum Stamm zurück?
Ich habe diesen Roman mit Spannung gelesen, da ich den geschichtlichen Hintergrund der Weltausstellung sehr interessant und gleichzeitig auch erschütternd fand. Für derartige Ereignisse wurde eben auch vor über 120 Jahren schon ungeheuerlicher Aufwand betrieben, um die Menschen zu unterhalten und zu amüsieren. Heute ist es z.B. bei einer WM oder dergleichen nicht anders. Auf die Bedürfnisse der Menschen, die mitunter gezwungen sind mitzuarbeiten, nimmt keiner Rücksicht. Damals war es "normal", dass sich die sogenannte kultivierte Gesellschaft vor dem Hintergrund rassenideologischer Vorstellungen über fremde Kulturen hinweg setzte und diese ausbeutete.
Durch Lukis eindringliche Geschichte erhalten die jungen lesenden einen emotionalen und realistischen Eindruck von den damaligen Umständen und dem Weg, den Luki gehen muss, um sich selbst zu finden. Der Schreibstil aus der Perspektive Lukis, die ihrer verstorbenen Mutter von den Ereignissen berichtet, mutet tagebuchähnlich an und wirkt fast wie ein gedanklicher Dialog. Dadurch lassen sich Lukis Gedanken und Handlungen sehr gut nachvollziehen.
Der Roman ist für lesende ab 14 und älter geeignet, die auf der Suche nach einem besonderen Buch sind. Das Erwachsenwerden wird hier geschickt und einmal ganz anders mit Themen wie Vertrauen, Freundschaft, Abenteuer, Herkunft, Rassismus, Verlust, Erwartungen anderer und dem Finden der eigenen Stimme verbunden. Ich kann es Jugendlichen und Erwachsenen empfehlen, die mit rosaroten Romanzen nicht viel anfangen können, aber trotzdem Coming-of-Age-Storys mögen.
Für
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