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Mittwoch, 7. Januar 2026

Sensibel und achtsam das Thema Tod besprochen

Ist Amsel tot?

Oliver Tallec


  • Altersempfehlung: ab 5 Jahren
  • ISBN: 978-3836963305
  • Erscheinungstermin: 30.06.2025
  • Seiten: 40
  • Verlag: Gerstenberg

Covertext

Das Eichhörnchen und sein bester Freund Pok lieben es, der Amsel beim Singen zuzuhören. Aber eines Tages liegt der Vogel auf dem Weg und bewegt sich nicht. Ob er schläft? Zusammen mit Günther überlegen sie, was passiert ist. Irgendwann wird ihnen klar, dass die Amsel tot ist. Die Freunde machen das, was man machen muss, wenn jemand tot ist. Aber was muss man eigentlich machen? Auf jeden Fall braucht die Amsel weiter Schutz. Also bauen die drei einen großen Blätterhaufen mit einem Zapfen ganz oben. Aber reicht das? Nach und nach finden die Freunde ihren ganz eigenen Weg, den Tod des Lieblingsvogels zu bewältigen. Tallec erzählt mit Respekt, Witz und Leichtigkeit – realistisch und ermutigend.

Rezension  

Bei jedem Kind kommt irgendwann die Frage nach dem Tod auf, sei es durch ein Erlebnis im Umfeld oder aus reiner Neugier. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle, zum Beispiel die Fragen, woran man erkennt, dass ein Lebewesen tot ist, oder wie man sich angesichts eines Todesfalls verhält.

Im Bilderbuch „Ist Amsel tot?“ tastet sich Autor Olivier Tallec behutsam und überaus einfühlsam über sympathische Charaktere an dieses sensible Themengebiet heran. Das kleine Eichhörnchen, dessen Name nicht genannt wird, durchstreift gemeinsam mit seinem Freund Pok, einem niedlichen kleinen Pilz, gern den Wald. Am liebsten sitzen die beiden auf der Wiese und lauschen dem bezaubernden Gesang der Amsel. Als sie dies eines Tages wieder tun möchten, finden sie den Vogel nicht. Sie suchen überall und entdecken die Amsel schließlich reglos am Boden liegend.

Zunächst gehen sie davon aus, dass die Amsel schläft. Doch weder langes Warten noch Berührungen oder laute Ansprache helfen, den Vogel zu wecken. Daraufhin holen Eichhörnchen und Pok die Maus Günther zur Hilfe, doch auch sie weiß keinen Rat. Die Freunde erkennen schließlich: Amsel ist tot. Ratlos stehen die drei beisammen und wissen nicht, was sie tun sollen. Jeder von ihnen erlebt andere Emotionen und entwickelt eigene Ideen, wie sie mit der Situation umgehen könnten. Trauer, Wut, Unverständnis und warme Erinnerungen wechseln sich ab, und es bleibt die Frage: Was ist richtig, was ist falsch?

Die Freunde bauen der Amsel eine Art Grab, sprechen ein Gedicht, erinnern sich an den schönen Gesang und benennen schließlich sogar die Wiese, auf der sie ihr einst lauschten, nach dem Vogel. Gern treffen sie sich dort, erinnern sich gemeinsam und lauschen bald darauf dem Gesang eines anderen Vogels.

Bei der Lektüre dieses Buches wird einem ganz warm ums Herz, denn Tränen und Lächeln liegen hier nahe beieinander. Olivier Tallec gelingt es mit wenigen Worten und reduzierten, aber dennoch ausdrucksstarken Illustrationen, ein sensibles Thema kindgerecht für Kinder ab etwa vier Jahren aufzubereiten. Viele Kinder in diesem Alter haben vermutlich schon einmal ein totes Tier am Straßenrand entdeckt und sich Fragen dazu gestellt. Mit der Wahl seiner Protagonisten greift Tallec somit ein Phänomen auf, das Kindern aus ihrer Lebenswelt vertraut ist.

Durch das langsame Erkennen des Todes der Amsel und den behutsamen Umgang der Freunde wird deutlich: Dem toten Tier gebührt Respekt, und alle Gefühle, die im Trauerprozess entstehen, sind erlaubt. Die Erkenntnis, dass es im emotionalen Umgang mit dem Tod eines geliebten Wesens weder richtig noch falsch gibt und jeder Mensch anders mit Verlust umgeht, wird in diesem Buch sehr gelungen vermittelt. Ohne zu erschrecken, mit einer Prise Humor und einem hoffnungsvollen Ausblick vermag es Tallec, die Scheu vor dem Tod ein Stück weit zu nehmen und ihn als Teil des Lebens begreifbar zu machen. Die großformatigen Bilder in warmen, herbstlich anmutenden Farben veranschaulichen Situationen und Emotionen eindrucksvoll. Ich mag dieses Buch sehr und empfehle es allen Eltern und Pädagoginnen, die mit Kindern sensibel und achtsam das Thema Tod behandeln möchten.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Samstag, 20. September 2025

Eine ganz besondere Großeltern-Enkel-Geschichte

Opas Herz

Judith Burger (Autor*in) 


  • Altersempfehlung: ab 7 Jahren
  • ISBN: 978-3836963381
  • Erscheinungstermin: 30.06.2025
  • Seiten: 48
  • Verlag: Gerstenberg

Covertext

So lange hat Hans darauf gewartet, dass sie endlich wieder zu Opa und Oma fahren! Und immer haben ihn Mama und Papa vertröstet. Doch jetzt haben sie ganz schnell gepackt und sind losgefahren. Weil etwas passiert ist: Opas Herz hat gestottert! Hans weiß nicht, wie das ist, wenn ein Herz stottert. Aber er weiß: Erst ist man klein, dann groß. Erst ist man krank, dann wieder gesund. Weil es so ist! Jedenfalls sagt Opa das immer. Und Hans weiß: Opa hat recht. Eine warmherzig erzählte Geschichte einer ganz besonderen Beziehung, einfühlsam bebildert von Julie Völk. Zum Vorlesen und ersten Selberlesen.

Rezension  

Für Kinder ist es oft eine einschneidende, schwer einzuordnende Erfahrung: mit fortschreitendem Alter der Großeltern treten zum Teil schwere Erkrankungen auf, die das Leben der Familie aus dem Takt bringen. Mit einem Mal ist vieles anders als gewohnt und das kann bei den Jüngsten Verwirrung, Unsicherheit und Angst verursachen. Um derartige Ereignisse behutsam mit Kindern zu thematisieren, eignet sich das Kinderbuch „Opas Herz“ von Judith Burger. Hauptfigur der Erzählung ist der kleine Hans, der mit den Eltern überstürzt zu den Großeltern fährt, weil etwas passiert ist. Der geliebte Opa musste ins Krankenhaus, weil sein Herz gestottert hat. Mama ist besorgt und weint sogar, auch Papa ist bedrückt und im Haus der Großeltern fühlt  ich plötzlich alles anders an, sogar die Oma. Hans erinnert sich überall an den Opa, dessen Gewohnheiten, Sprüche und Ideen. Daher weiß er auch, dass alles gut wird, denn das sagt Opa immer. Hans hat große Sehnsucht nach ihm und vertreibt sich die Tage mit Spaziergängen im Dorf und neuen Freunden, bis er endlich mit ins Krankenhaus darf und Opa schließlich heimkommt.

Selten habe ich eine so anrührende, feinfühlige Geschichte über dieses Thema gelesen wie diese. Die Erzählerperspektive wird gekonnt mit der kindlichen und dennoch weisen Sicht des kleinen Hans auf seine Umwelt kombiniert, wodurch die Geschichte einen ganz eigenen Charme und tollen Humor bekommt. Dadurch wird dem eigentlich ernsten Thema eine gewisse Leichtigkeit verliehen und ich habe öfter geschmunzelt. Sehr schön werden Stimmungen und Ereignisse in einer ungewohnten, vielleicht zunächst erschreckenden Situation beschrieben und erklärt, so dass Kinder diese verstehen und besser verarbeiten können. Auch Alltagssituationen und andere Themen wie z.B. Freundschaft finden sich in der Erzählung wieder und lockern so die Geschichte auf. Autorin Judith Burger gelingt es hervorragend, die warmherzige, intensive Beziehung zwischen Hans und seinem Großvater sowie den unschätzbaren Wert gemeinsamer Erinnerungen darzustellen. Die zauberhaften, zarten Illustrationen von Julie Völk begleiten sanft den Text und haben mich absolut begeistert. Passender konnte dieses Kinderbuch nicht bebildert werden. Ich freue mich sehr über diesen Schatz im Bücherregal und empfehle das Buch allen, die Kindern ab etwa 5 Jahren das Thema Krankheit der Großeltern, speziell Herzinfarkt, näher bringen möchten, aber auch denjenigen, die eine ganz besondere Großeltern-Enkel-Geschichte (vor-)lesen möchten.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Magie, Gletscher und große Gefühle

Ice Guardians. Der magische Eissplitter Anna Maria Praßler   (Autor*in)  Altersempfehlung: ab 10 Jahren ISBN:  978-3-7512-0432-3 Erscheinun...