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Samstag, 8. August 2026

Epische Geschichte mit Tiefgang

Spiegelland

Rebekka Frank


  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • ISBN: 978-3758700439
  • Erscheinungstermin: 22.02.2026
  • Seiten: 560
  • Verlag:  Fischer

Covertext

Wie tief musst du graben, um die Wahrheit zu finden?

Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt ...

Ein unendlich weiter Sommer, ein Vierteljahrhundert zuvor: Nach Jahren der Angst findet Catharina endlich den Mut, aus ihrer Ehe auszubrechen. Mit ihrer Tochter flieht sie in ein altes Haus im Moor. Während der Sonnentau im ersten Licht des Morgens leuchtet und die Rauchschwalben rufen, spürt sie sich zum ersten Mal wieder. Doch nichts ist wirklich sicher. Erst recht nicht, als Catharina im Moor eine Entdeckung macht, die ihren Mann auf ihre Spur bringen könnte.

Rezension  

Moorlandschaften üben mit ihrem mystischen Zauber eine besondere Faszination auf Menschen aus, die einerseits von der Begeisterung für dieses Ökosystem, andererseits von geheimnisvollen Begebenheiten geprägt ist. Dies hat sich Rebekka Frank zunutze gemacht und für ihren zweiten Roman „Spiegelland“ das Teufelsmoor nahe der Künstlerkolonie Worpswede als Schauplatz gewählt.

Vor der Kulisse der Moorlandschaft erzählt die Autorin auf drei Zeitebenen die Geschichte starker Frauen, die sich vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Zeit mit den Herausforderungen einer stark männerdominierten Lebenswelt auseinandersetzen. Zunächst geht es um Cato, die 1999 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttätigen Ehemann ins Moor flieht, wodurch nicht nur der Kampf um ihre Freiheit, sondern auch der um ihre Tochter Kira beginnt. Catos Geschichte spielt auch auf der zweiten Zeitebene im Jahr 2025 eine Rolle, als sie zur Zuflucht für ihren Enkel Elias wird, der körperlich übergriffig geworden ist und nun nicht mehr weiterweiß. Was Aletta, die im Jahr 1756 im Teufelsmoor um ihr Leben kämpft, mit Cato und ihrer Familie verbindet, verknüpft die Autorin so spannend, dass das Buch zeitweise zu einem echten Pageturner wird. Als dann auch noch der Fund zweier Moorleichen das Geschehen verdichtet, wird das nächste Kapitel zum Muss.

Rebekka Frank ist es auch in diesem Roman durch ihre bildhafte Sprache gelungen, eine authentische Atmosphäre zu schaffen und ihre Leserschaft unmittelbar in das Geschehen sowie die Emotionalität ihrer Figuren hineinzuziehen. Szenen und Charaktere werden detailliert dargestellt, die Zeitebenen und Erlebnisse der Protagonist*innen interessant miteinander verknüpft und unterschiedliche Themen geschickt in die Handlung integriert. So arbeitet die Autorin Inhalte wie patriarchale Strukturen, Misogynie, Gewalt gegen Frauen, Erwachsenwerden, Vergangenheitsbewältigung, Schuld, aber auch Naturverbundenheit, Umweltschutz und Kunstkritik so in ihre Geschichte ein, dass man auch nach der Lektüre zum Nachdenken und zur eigenen Positionierung angeregt wird.

Die Handlungen, Gedanken und Emotionen der weiblichen Hauptfiguren stellt Rebekka Frank mitreißend, aber nie überzeichnet dar, wodurch die Geschichte ausgesprochen glaubwürdig wirkt. Besonders beeindruckt hat mich Cato, die gemeinsam mit ihrer Tochter ihrem Martyrium entflieht, sich ihrer eigenen Stärke bewusst wird und trotz aller Widerstände konsequent ihren Weg geht.

Das Buch empfiehlt sich für alle thematisch interessierten Leser*innen, die epische Geschichten mit Tiefgang schätzen.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Dienstag, 26. August 2025

Coming-of-Age-Story vor dem Hintergrund der Weltausstellung 1904

 Wild Song

Candy Gourlay (Autor*in) 


  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • ISBN: 978-3757101947
  • Erscheinungstermin: 28.05.2025
  • Seiten: 320
  • Verlag: Rotfuchs

Covertext

Die Reise in die vielgepriesene Neue Welt wird zur Katastrophe

Die 16-jährige Luki hat ihr ganzes Leben in den Bergen der Philippinen verbracht. Sie ist eine talentierte Jägerin und will Kriegerin werden, doch Mädchen dürfen nicht jagen. Und nun wollen die Stammesältesten, dass sie ihren besten Freund Samkad heiratet. Doch Luki will ihre Freiheit nicht aufgeben. Also beschließt sie, das Angebot von Truman Hunt anzunehmen und nach Amerika zu reisen, um an der Weltausstellung in St. Louis teilzunehmen. Doch nach einer langen und beschwerlichen Reise stellen die Philippinos fest, dass sie für die Besucher der Weltausstellung in einem behelfsmäßigen Dorf wie Tiere gefangen gehalten werden. Und Luki begreift, dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten seine Chancen sehr ungerecht verteilt.

Rezension  

In ihrem Roman "Wild Song" hat die Autorin candy Gourlay nicht nur eine einfache Coming-of-Age-Story geschrieben, sondern eine solche in den interessanten Kontext der Weltausstellung im Jahr 1904 gesetzt und mit vielen wichtigen Themen verknüpft.
 Die lesenden lernen die 16-jährige Luki kennen, die einem indigenen Stamm im philippinischen Hochland angehört. Luki bestreitet ihr Leben dort als Waise und gerät aufgrund ihres starken Charakters und Freigeistes immer wieder in Konflikte mit den Regeln der Dorfgemeinschaft. So liebt sie die Jagd, träumt von eigener Stärke, Freiheit und einer Rolle, die ihr als Frau nicht zugedacht ist. Als Lukis Freund ihr einen Heiratsantrag macht, ergreift sie die Flucht, indem sie sich freiwillig als Teilnehmerin für die in St. Louis (USA) stattfindende Weltausstellung meldet.
Angelockt von den Versprechungen der Amerikaner und das Abenteuer vor den Augen bricht Luki gemeinsam mit weiteren Mitgliedern ihres Stammes sowie fremder Stämme zu einer fast sechsmonatigen Reise per Fuß, Schiff und Zug unter der Obhut von Truman Hunt nach Amerika auf. Luki wird schnell mit Problemen konfrontiert, da ihr Gewalt, Hunger und plötzlich auch noch ihr verschmähter Bräutigam begegnen.
Als unter den Reisenden erste Todesfälle auftreten, Luki zum ersten Mal spürt, was Kälte bedeutet und sie von den Amerikanern teilweise feindselig begafft werden, wird langsam deutlich, dass diese Reise nicht das ist, was sich Luki erhofft hat. Sie stellt zunehmend fest, dass die vermeintlichen Beschützer sowie die amerikanische Gesellschaft insgesamt nur solange freundlich zu ihnen sind, wie die zur Schau gestellten Menschen aus aller Welt das tun, was von ihnen erwartet wird. Luki erfährt schmerzlich, was Rassismus bedeutet und wie tief dieser in der westlichen Welt verwurzelt ist. Sie muss sich letztendlich entscheiden: spielt sie die von der Gesellschaft aufgezwungene Rolle der zivilisierten Ureinwohnerin in Amerika oder kehrt sie in ihr Land und zum Stamm zurück? 
Ich habe diesen Roman mit Spannung gelesen, da ich den geschichtlichen Hintergrund der Weltausstellung sehr interessant und gleichzeitig auch erschütternd fand. Für derartige Ereignisse wurde eben auch vor über 120 Jahren schon ungeheuerlicher Aufwand betrieben, um die Menschen zu unterhalten und zu amüsieren. Heute ist es z.B. bei einer WM oder dergleichen nicht anders. Auf die Bedürfnisse der Menschen, die mitunter gezwungen sind mitzuarbeiten, nimmt keiner Rücksicht. Damals war es "normal", dass sich die sogenannte kultivierte Gesellschaft vor dem Hintergrund rassenideologischer Vorstellungen über fremde Kulturen hinweg setzte und diese ausbeutete. 
 
Durch Lukis eindringliche Geschichte erhalten die jungen lesenden einen emotionalen und realistischen Eindruck von den damaligen Umständen und dem Weg, den Luki gehen muss, um sich selbst zu finden. Der Schreibstil aus der Perspektive Lukis, die ihrer verstorbenen Mutter von den Ereignissen berichtet, mutet tagebuchähnlich an und wirkt fast wie ein gedanklicher Dialog. Dadurch lassen sich Lukis Gedanken und Handlungen sehr gut nachvollziehen. 
 
Der Roman ist für lesende ab 14 und älter geeignet, die auf der Suche nach einem besonderen Buch sind. Das Erwachsenwerden wird hier geschickt und einmal ganz anders mit Themen wie Vertrauen, Freundschaft, Abenteuer, Herkunft, Rassismus, Verlust, Erwartungen anderer und dem Finden der eigenen Stimme verbunden. Ich kann es Jugendlichen und Erwachsenen empfehlen, die mit rosaroten Romanzen nicht viel anfangen können, aber trotzdem Coming-of-Age-Storys mögen. 

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Eine Fülle teilweise schwieriger Themen

Nach dem Sommerregen


Kristina Pfister (Autor*in)


  • Altersempfehlung: ab 18 Jahren
  • ISBN: 978-3596711239
  • Erscheinungstermin: 25.06.2025
  • Seiten: 352
  • Verlag: Fischer

Covertext

So unbeschwert wie ein Sommertag, so ernst, wie das Leben manchmal sein kann.

Früher haben sie fast jedes Wochenende im alten Ferienhaus der Familie verbracht, heute treffen sie sich dort nur noch zu besonderen Anlässen: Cecilia, Jonas und Marika Ritter wohnen in alle Winde verstreut, leben ihre eigenen Leben, versuchen, ihre eigenen Krisen zu bewältigen.

Als die Eltern sich trennen, das Haus verkaufen wollen und damit ihr sicherer Hafen wegzubrechen droht, wollen sie ein paar letzte Wochenenden gemeinsam dort verbringen. Zwischen Loslassen und Festhalten, im Versuch, sich als Familie neu zu finden, stellen sich die drei der Frage, wer sie eigentlich sind, ohne das Ferienhaus an der alten Mühle.

Rezension  

Auf der Suche nach einer sommerlichen Lektüre sticht der Roman „Nach dem Sommerregen“ von Kristina Pfister mit seinem schönen Cover ins Auge und verspricht ein sonniges Lesevergnügen. Da mir bereits die beiden bisher erschienenen Romane von Pfister gut gefallen haben, hatte ich dementsprechende Erwartungen an dieses Buch.
Im Mittelpunkt steht die Familie Ritter und ihr Sommerhaus, die „Ritterburg“. Dort trifft man sich alljährlich, um zu feiern, in diesem Jahr Walthers 70. Geburtstag. Er und Marianne sind ewig verheiratet und ihre drei Kinder Jonas, Cecilia und Marika kommen mit Kind und Kegel zu Besuch.
Doch jedes der inzwischen erwachsenen Ritter-Kindern hat seine ganz eigenen Probleme, Sorgen und Geheimnisse, die ihr Leben bestimmen und mit denen sie zum Fest anreisen. Auch die Eltern haben sich auseinandergelebt und verkünden ihrer überraschten Familie die Trennung. Eine umfängliche Geschichte nimmt ihren Lauf, die nicht so sommerlich leicht dahinplätschert, wie man vielleicht erwartet hat. 
Ungeplante Schwangerschaften, Wunschkinder, eingefahrene Partnerschaften, überfordernde Elternschaft, scheiternde Beziehungen und neue Lieben werden ebenso thematisiert wie verstrichene Chancen, goldene und verschüttete Erinnerungen, Abschiede und Neuanfänge. 
Das Buch ist in vier größere Abschnitte unterteilt, in welchem je ein Kind der Familie im Mittelpunkt steht. Zu Beginn jedes Kapitels findet sich immer ein Ausschnitt eines Telefonats, eine Chatnachricht, eine E-Mail oder ein Brief, meist aus der Vergangenheit, der die Puzzleteile der Geschichte zusammenführt und Lücken füllt. So wird dem Lesepublikum schnell deutlich: hier ist nicht alles so, wie es zunächst scheint. Dieses Stilelement hat mir sehr gut gefallen. 
Insgesamt war der Roman dicht bepackt mit allerlei Themen, was an einigen Stellen etwas überladen und gewollt wirkte. Es fehlte mir an Tiefe, da vieles nur oberflächlich
angesprochen wurde. Keine der Figuren war mir durchgängig sympathisch und dich konnte deren Emotionen und Handlungen manchmal nicht so gut nachvollziehen. 
Die Fülle der teilweise wirklich schwierigen Themen überdeckte das Sommergefühl beim Lesen, so dass die Geschichte phasenweise eher Schwermut verbreitete. Ich bin auf das nächste Buch von Kristina Pfister gespannt, welches vielleicht thematisch etwas abgespeckter, dafür aber tiefgründiger und stimmungsvoller daherkommt.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Von Rassismus, Zugehörigkeit und der schwierigen Suche nach einer Heimat zwischen zwei Welten

Girls like me Bibi Fatima Musavi   (Autor*in) Altersempfehlung: ab 14 Jahren ISBN: 978-3-551-58692-...