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Sonntag, 17. Mai 2026

Wie gehen wir mit Unbekanntem um?

Obacht!

Kerstin Hau / Stella Dreis


  • Altersempfehlung: ab 84 Jahren
  • ISBN: 978-3690380034
  • Erscheinungstermin: 11.02.2026
  • Seiten: 40
  • Verlag:  Nord Süd

Covertext

Eine Geschichte über das miteinander Reden und aufeinander Zugehen

Oh nein, vor der Stadt liegt ein riesiges Tier! Es versperrt den Weg. Eieiei, tönt der Wompf. Oje, stöhnt die Timpe-Ma. Da muss etwas gemacht werden! Und dann machen sie etwas. Sie decken das Tier zu, bauen eine Brücke drüber und eine Straße drum herum. Problem erkannt, Problem gebannt! Nur das Mienchen schüttelt den Kopf, ihm gefällt das gar nicht. Aber wer hört schon auf Mienchen? Da nimmt es sich ein Herz und spricht das Tier einfach an …

Kerstin Hau und Stella Dreis haben ein Bilderbuch geschaffen, das zeitlos und zugleich zeitgeistig ist. Mit Tempo, Humor und klaren Worten zeigen sie, wie wir Unbekanntem begegnen können. Die reduzierten Illustrationen ermöglichen Projektionen: Jede:r kann Mienchen oder Stadtbewohner:in sein. Eine Geschichte über das miteinander Reden, aufeinander Zugehen und voneinander Lernen.

Alles ist unbekannt, bis du es kennenlernst

Rezension  

Der Titel dieses Bilderbuches von Kerstin Hau spricht das aus, was viele von uns angesichts einer unerwarteten Veränderung oder neuen Situation instinktiv denken: Obacht! Jetzt ist Vorsicht geboten, am besten bleibt man erst einmal misstrauisch. Dieses Verhalten kann uns zwar einerseits vor Schaden bewahren, hindert uns gleichzeitig jedoch daran, offen auf Neues und Unbekanntes zuzugehen.

So ergeht es auch den lustigen Bewohnern eines kleinen Ortes, als eines Tages ein riesiges Tier vor den Toren der Stadt liegt und schläft. Sofort sind alle in Alarmbereitschaft und überlegen fieberhaft, was zu tun ist. Es wird eine Decke über das Tier gelegt, eine Brücke darüber gebaut und schließlich sogar eine Straße um das Tier herum angelegt. Doch keine dieser Lösungen stellt die Bewohner zufrieden, denn sie löst sich sprichwörtlich in Luft auf, sobald das Tier sich bewegt. Dadurch erscheint es den Stadtbewohnern zunehmend bedrohlicher.

Währenddessen beachtet niemand das kleine Mienchen, das immer wieder schüchtern vorschlägt, einfach mit dem Tier zu sprechen. Ob dies letztlich die Lösung ist und das Tier sich vielleicht sogar einen anderen Schlafplatz sucht?

Der Umgang mit Neuem und Unbekanntem, also dem „Anderen“ und „Fremden“, der Mut eines vermeintlich kleinen Mitglieds der Gesellschaft sowie die wunderbare Kraft der Kommunikation bilden die zentralen Themen dieses gelungenen Buches.

Mittels eines einfach strukturierten Textes, der sich auf das Wesentliche beschränkt und dadurch leicht verständlich bleibt, wird der Inhalt nachvollziehbar und eindrücklich transportiert. Der Text arbeitet mit Wiederholungen und kurzen Ausrufen der Protagonisten, wodurch deren Emotionen ohne viele Worte verdeutlicht werden. Ähnlich wie in einem Comic werden zudem Geräusche verschriftlicht („Peng“, „Kling“, „Kawumms“), die die jeweiligen Situationen besonders prägnant vermitteln.

In perfekter Ergänzung zur Geschichte hat Stella Dreis künstlerisch anspruchsvolle, humorvolle und zugleich aussagekräftige Illustrationen geschaffen. Die Bilder sind vor allem in Mimik und Gestik der Figuren sehr detailreich gestaltet, verzichten jedoch auf unnötige Elemente und überfordern die Betrachtenden dadurch nicht.

Besonders gelungen finde ich die Farbgebung, die sich auf Schwarz-, Weiß- und Grautöne, Cremeweiß sowie kräftiges Orange beschränkt. Die Figuren sind allesamt sehr individuell gestaltet, wobei die Grenze zwischen Mensch und Tier teilweise verschwimmt und keine Figur der anderen gleicht. Darüber hinaus lässt sich in der bildlichen Darstellung keine klare Trennung zwischen Fantasie und Wirklichkeit erkennen, da surreale Elemente mit realistisch wirkenden Situationen verschmelzen.

Die weich gezeichneten Illustrationen umfassen teilweise ganze Doppelseiten, während sich an anderen Stellen mehrere Bilder auf einer Seite befinden. Sowohl thematisch als auch gestalterisch empfinde ich dieses Buch als sehr gelungen.

Ich empfehle es sowohl für zu Hause als auch für den pädagogischen Bereich, insbesondere wenn Themen wie der Umgang mit neuen Situationen, der Mut des Einzelnen sowie das Potenzial eines kommunikativen Miteinanders im Mittelpunkt stehen sollen.

Die Geschichte eignet sich durch ihre Aufbereitung bereits ab einem (Vor-)Lesealter von etwa vier Jahren, wobei an einigen Stellen möglicherweise noch zusätzliche Lesebegleitung sinnvoll ist. Umfangreiche Impulse zur Arbeit mit dem Buch bietet zudem der NordSüd Verlag auf seiner Homepage an, die über einen im Buch enthaltenen QR-Code erreichbar ist.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Mittwoch, 7. Januar 2026

Für den Einsatz im Kunstunterricht

Selma,du machst das falsch

Tini Malina

  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3314107368
  • Erscheinungstermin: 13.08.2025
  • Seiten: 48
  • Verlag: NordSüd

Covertext

Selma ist keine gewöhnliche Spinne. Die meisten Spinnen machen  Netze, um Fliegen zu fangen. Aber Selma ist anders. Sie will die Pracht des Universums einfangen.  
Also macht sie sich auf den Weg ... Für alle, die das Unmögliche wagen wollen. 

Rezension  

Die kleine Spinne Selma ist anders als ihre Verwandten und Freunde. Das erkennt man auf Anhieb an ihrer Kopfbedeckung, vor allem aber an den künstlerischen Netzen, die sie spinnt. Während andere Spinnen ihre Netze weben, um Fliegen zu fangen, verfolgt Selma größere Ziele: Sie möchte die Schönheit und Ästhetik ihrer Umgebung einfangen, ja sogar die der Sterne. Dabei entstehen wunderbare, außergewöhnliche Netze. Dennoch bekommt Selma immer wieder zu hören, dass sie alles falsch mache.

Die kleine Spinne lässt sich davon jedoch nicht beirren. Sie möchte ein entferntes Hochhaus erklimmen, um so nah wie möglich am Himmel ihre Netze zu kreieren. Trotz aller Widerstände macht sie sich auf den Weg, um ihre Träume zu verwirklichen.

Die Intention dieses Bilderbuches ist sehr gelungen und möchte kleine wie große Lesende dazu ermutigen, das Unmögliche zu wagen und an den eigenen Zielen festzuhalten. Zudem wird deutlich: Nur weil jemand etwas anders macht, ist es nicht zwangsläufig falsch, sondern eben anders. Die Umsetzung dieser Leitideen hat mich jedoch etwas ratlos zurückgelassen. Zu Beginn werden die wesentlichen Aspekte der Geschichte in Wort und Bild reduziert, verständlich und ansprechend dargeboten. Als Selma jedoch am Hochhaus empor klettert und schließlich von einem Ufo davongetragen wird, um einsam im All ihre Netze zu spinnen, wurde mir das Geschehen zu abstrakt.

Zwar erreicht Selma damit ihr Ziel und gestaltet ihre Netze im Weltraum, um die Pracht des Universums einzufangen, doch sie ist allein und weit entfernt von ihrem Zuhause. Auch die Idee, dass Selma den Mond und die Sterne umsponnt, wirkt sehr surreal. Dies mag im Auge der Betrachtenden liegen, und grundsätzlich bin ich ein Freund der Fantasie, doch für Kinder ab etwa vier Jahren empfinde ich den Ausgang der Geschichte als schwer nachvollziehbar. Ich habe das Buch mit Kindern im Alter von fünf bis sieben Jahren gelesen, konnte sie inhaltlich jedoch leider nicht überzeugen.

Sehr gut kam hingegen das Cover an, das Selmas kunstvolle Netze auf hellblauem Hintergrund erhaben darstellt und die kleine Spinne mit ihrem roten Hut deutlich ins Zentrum rückt. Die Illustrationen von Tini Malina beschränken sich auf das Wesentliche und zeichnen sich durch den Einsatz von Kontrasten, gedeckten Farben und großen Flächen aus, die von feinen Linien durchbrochen werden. Das gefällt mir sehr gut.

Daher empfehle ich das Buch vor allem für den Einsatz im Kunstunterricht der Grundschule, etwa wenn Kinder eigene, kunstvolle Netze entwerfen und dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. 📚✨

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Donnerstag, 20. November 2025

Bücher öffnen Welten, nähren Geist und Seele und sind für die kindliche Entwicklung von unschätzbarem Wert

Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume

Katherine Paterson / Sally Deng (Autor*in) 


  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • ISBN: 978-3314107429
  • Erscheinungstermin: 09.07.2025
  • Seiten: 112
  • Verlag: NordSüd

Covertext

Kriegsende 1945. Deutschland liegt in Schutt und Asche. In dieses Land kehrt eine Frau zurück aus dem Exil und findet ihre Lebensaufgabe. Jella Lepman möchte am Aufbau einer besseren, friedlicheren Welt für Kinder mitwirken. 
Sie sammelt Tausende Kinderbücher und legt damit den Grundstein für die Internationale Jugendbuchbibliothek in München. 

Rezension  

Eine starke Frau mit einer außergewöhnlichen, selbstlosen Vision steht im Zentrum des Buches „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“. In einer Zeit, in der die Welt in Trümmern lag, setzte sich Jella Lepman dafür ein, dass Kinder – aber auch viele Erwachsene – ihrem zerstörten Umfeld zumindest für einen Augenblick entfliehen konnten: durch Kinderbücher aus aller Welt. Die Geschichte Lepmans war mir vor der Lektüre unbekannt, bleibt aber durch die Darstellung in diesem Buch eindrucksvoll im Gedächtnis.

Als Tochter aus gutem, gebildetem Hause erlebt Jella die Schrecken des Ersten Weltkrieges und verwitwet früh. Allein mit zwei Kindern erlebt sie erstmals Armut, arbeitet hart als Journalistin, engagiert sich politisch und kandidiert sogar für den Reichstag. Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten ist Jella jedoch gezwungen, ins britische Exil zu gehen. Im Auftrag der Alliierten kehrt sie nach Kriegsende ins zerstörte Deutschland zurück, um beim Wiederaufbau zu helfen und sich insbesondere um die Belange von Frauen und Kindern zu kümmern. Schockiert von den Zuständen im chaotischen Nachkriegsdeutschland erkennt sie schnell, wie dringend vor allem Kinder Unterstützung benötigen. Bildung und psychische Gesundheit stehen für sie im Mittelpunkt.

Sie schreibt Briefe in über zwanzig Länder und bittet um Kinderbücher sowie gemalte Kinderbilder, um sie in einer Ausstellung zu vereinen und den durch den Krieg traumatisierten Kindern ein Stück ihrer Kindheit und Fantasie zurückzugeben. Doch wer möchte der kriegsverursachenden Nation Gutes tun? Unerwartet beteiligen sich dennoch fast alle kontaktierten Länder. Um ihr Projekt umzusetzen, muss sich Jella in einer männerdominierten Welt immer wieder gegen Widerstände behaupten. Auch die Finanzierung stellt eine Herausforderung dar, doch schließlich gelingt es ihr sogar, die First Lady der USA für ihre Idee zu gewinnen.

Die Ausstellung wächst und wird ein großer Erfolg. Für die Kinder, die dort nicht nur Bücher betrachten, lesen oder vorgelesen bekommen, sondern auch selbst kreativ tätig werden können, bedeutet sie einen Ort der Erholung: Hier schöpfen sie Kraft, Zuversicht und können den schweren Alltag für eine Weile hinter sich lassen. Schließlich finden die unzähligen Bücher ein dauerhaftes Zuhause. Jella Lepman wird Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek in München.

Die Lebensgeschichte Jella Lepmans ist beeindruckend und wird von Katherine Paterson für Kinder ab etwa zehn Jahren verständlich und einfühlsam erzählt. Der Text ist sachlich, gut recherchiert und bietet nicht nur Einblicke in Lepmans Leben und die Entstehung ihrer Bibliothek, sondern auch in das Nachkriegsdeutschland jener Zeit. Seine volle Wirkung entfaltet das großformatige Buch jedoch erst durch die Illustrationen von Sally Deng. Die ausdrucksstarken Bilder in unterschiedlichen Formaten lassen die Geschichte lebendig werden. Durch die Kombination mit authentischen Fotos und eine gezielte Farbgebung – mal bunt, mal monochrom – werden Stimmungen eindrucksvoll transportiert und Szenen intensiviert.

Das Buch ist für historisch interessierte Kinder, aber auch für erwachsene Buchliebhaber eine große Freude. Vor allem Lepmans Botschaft ist aktueller denn je: Bücher öffnen Welten, nähren Geist und Seele und sind für die kindliche Entwicklung von unschätzbarem Wert.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dienstag, 11. November 2025

Ein wunderbares Buch

Mahlzeit!

Larysa Maliush (Autor*in) 


  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3314107375
  • Erscheinungstermin: 13.08.2025
  • Seiten: 32
  • Verlag: Nord Süd

Covertext

Wölfe fressen Hasen. Oder?
Als Wolf Grauschnauz ein kleines Häschen findet, ist klar: Er muss es jetzt fressen. Das sagen die Wolfsregeln. Aber sein Gewissen sagt, das Häschen ist dafür zu niedlich. Und jetzt hat Familie Hase auch noch ein Festmahl versprochen, wenn man ihr Kind sicher nach Hause begleitet. Soll er sich an die Regeln halten oder seinem Bauchgefühl folgen?

Rezension  

Im Leben gibt es für alle möglichen Dinge Regeln. Sie sorgen dafür, dass alle wissen, was zu tun ist, bieten Orientierung und erleichtern (meistens) unser Zusammenleben. Doch was ist, wenn eine Regel etwas von uns verlangt, das uns zweifeln lässt? Was tut man, wenn eine Regel plötzlich falsch erscheint?

Mit diesem Dilemma setzt sich auf wunderbar kindgerechte Weise das Bilderbuch „Mahlzeit“ von Larysa Maliush auseinander. Die Geschichte bedient sich des klassischen Klischees vom gefräßigen Wolf und einem kuscheligen Häschen im nächtlichen Wald – ein Szenario, das schon den Kleinsten bekannt ist und dadurch leicht verständlich bleibt. Und auch die Regel der Wölfe in so einem Fall ist keine Überraschung: Natürlich muss das schnuckelige Häschen gefressen werden.

Doch ach … es ist ja so niedlich! Und satt wird man davon auch nicht. Aber die Regeln gelten nun einmal für alle Wölfe. Was soll der Wolf also tun? Die Entscheidung wird nicht leichter, als dem Häschen ein Zettel aus der Tasche fällt. Darauf steht, dass der Finder des kleinen Ausreißers ein Festmahl erhält, wenn er es zu seiner Familie zurückbringt. Der Wolf gerät immer mehr ins Grübeln und als auch noch die anderen Wölfe auftauchen, ist die Bedrängnis groß.

Letztendlich trifft der Wolf eine Entscheidung und lernt, dass in manchen Situationen nicht nur das blinde Befolgen von Regeln zählt, sondern dass Entscheidungen auch mit Herz und Verstand getroffen werden sollten. Denn sowohl die Welt des Wolfs und des Häschens als auch unsere eigene sind nicht einfach nur schwarz oder weiß – sondern liegen oft irgendwo dazwischen.

Ich mag dieses Buch sehr, da es enormes Potenzial für Gespräche mit Kindern bietet. Themen wie Regeln, Moral (in kindgerechter Form), Vorurteile, Entscheidungen, Gut und Böse oder Freundschaft und Feindschaft können mit dieser Lektüre wunderbar besprochen werden. Kindern ab etwa vier Jahren fällt bestimmt einiges ein, wenn man sie fragt, welches Verhalten sie vom Wolf erwarten und wie sie selbst handeln würden. So entsteht eine tolle Grundlage für Diskussionen in Kita oder Grundschule.

Die Geschichte ist dank des verständlichen und humorvollen Textes sowohl zum Vorlesen als auch zum Selbstlesen bestens geeignet. Die Illustrationen begleiten und unterstützen den Text auf treffende Weise. Durch sie werden Witz, Emotionen und Situationen oft noch besser transportiert, als es der Text allein vermag. So können die kleinen Leser:innen und Betrachter:innen leicht eine Beziehung zum niedlichen, vertrauensseligen Häschen und zum etwas groben, aber im Kern liebenswerten Wolf aufbauen.

Besonders schön ist, dass die Geschichte bildlich bereits im Vorsatz beginnt und auch dort endet – es gibt also viel zu sehen und zu entdecken. Larysa Maliush hat ein wunderbares Buch geschaffen, das kleinen und großen Leser:innen gleichermaßen Freude bereiten wird. 🐺🐰📖✨

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Charmante Friends-to-Lovers-Romance mit viel Humor

  Josh + Hazel´s guide to not Dating Christina Lauren  (Autor*in)  Altersempfehlung: ab 16 Jahren ISBN:  978-3-7373-7547-4 Erscheinungsterm...