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Samstag, 24. Januar 2026

Vom Aufwachsen zwischen Zuschreibungen, Ausgrenzung und Selbstbehauptung

Kanak Kids. Halb angepasst und voll dazwischen

Anna Dimitrova (Autor*in) 

  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • ISBN: 978-3-03880-225-9
  • Erscheinungstermin: 16.01.2025
  • Seiten: 400
  • Verlag: Arctis

Covertext

Die sechzehnjährige Dessi führt ein Doppelleben: Im Münchner Brennpunktviertel Neuperlach gibt sie mit Jogginghose und Alman-Jokes die Assi-Ausländerin, im Innenstadtgymnasium trägt  Daisy eine blonde Perücke, blaue Kontaktlinsen und spricht Hochdeutsch. Ihre jeweiligen Freund*innen hält sie voreinander geheim. Lieber versucht sie, überall dazuzugehören, als sich angreifbar zu machen. Die Taktik funktioniert – bis sie eines Tages von Bo bei ihrer Verwandlung erwischt wird. Bo ist nicht nur Dessis Nachbar, sondern auch ihr Mitschüler und damit der Einzige, der ihre beiden Persönlichkeiten kennt. Kann Dessi ihn überzeugen, dichtzuhalten? Oder prallen ihre beiden Welten endgültig aufeinander?

Rezension 

„Kanak Kids“ ist ein Buch, das weh tut – und genau deshalb wichtig ist. Die Autorin erzählt von der siebzehnjährigen Dessislava, genannt Dessi oder Daisy, die in Deutschland aufgewachsen ist und sich trotzdem immer wieder fremd fühlen muss. Nicht, weil sie es ist, sondern weil man sie dazu macht.

Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass es hier nicht um Theorie geht, sondern um echte Gefühle. Es geht um Wut, Scham und Erschöpfung, aber auch um Stolz und Zusammenhalt. Die Autorin beschreibt Alltagssituationen, die viele kennen, über die aber selten gesprochen wird: das ständige Erklären der eigenen Herkunft oder das Gefühl, nie gut genug zu sein – egal, wie sehr man sich anpasst.

Besonders bewegend sind die Stellen, in denen deutlich wird, wie sehr Sprache verletzen kann. Das Wort „Kanak“, das häufig als Beleidigung benutzt wird, wird im Titel bewusst neu besetzt. Aus einem Schimpfwort wird ein Zeichen von Stärke.

„Kanak Kids“ liest sich stellenweise schwer, weil es ehrlich ist. Weil es keine einfachen Lösungen anbietet. Doch gerade diese Ehrlichkeit macht das Buch so stark. Es zwingt dazu hinzusehen, zuzuhören und Gefühle auszuhalten, die im Alltag oft verdrängt werden.

Dieses Buch ist eine Stimme für viele, die sonst nicht gehört werden. Es bleibt lange im Herzen, auch nachdem man die letzte Seite gelesen hat. Ich würde es Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren empfehlen, aber es lohnt sich ebenso für junge Erwachsene, denn die Themen Alltagsrassismus, Homosexualität, Freundschaft, Liebe und Selbstakzeptanz betreffen jedes Alter.
 
Für Euch gelesen und rezensiert 
 
 Anna

Sonntag, 11. Januar 2026

Das Buch lädt dazu ein, den eigenen Wert neu zu definieren

People Pleaser

Anna Dimitrova (Autor*in) 

  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • ISBN: 978-3-03880-097-2
  • Erscheinungstermin: 12.03.2025
  • Seiten: 400
  • Verlag: Arctis

Covertext

Nina ist die selbst ernannte Therapeutin ihrer Freundesgruppe. Egal, was die anderen für ein Problem haben: Nina kann es mit einem Deeptalk lösen! Oder zumindest konnte sie das. Schon seit einer Weile macht ihre beste Freundin Teo eine schwere Zeit durch, möchte sich aber partout nicht helfen lassen. Als dann auch noch Aleks als wandelnde „Red Flag“ in ihre Klasse kommt und Teo sich sofort schockverliebt, bleibt Nina keine andere Option: Sie muss Aleks therapieren und zum perfekten Boyfriend machen, bevor sich Teo auf ihn einlässt. Doch hinter Aleks‘ taffer Gym-Bro-Fassade steckt mehr, als Nina ahnt…

Rezension 

„People Pleaser“ ist ein leises, aber ausdrückliches Buch über den Verlust der eigenen Identität im ständigen Bemühen, anderen zu gefallen. Im Zentrum steht Nina, die ihr Leben an Erwartungen ausrichtet, in der Familie, in Freundschaften und in der Liebe. Sie sagt Ja, obwohl sie Nein empfindet, und passt sich an, bis sie sich selbst kaum noch wahrnimmt.

Die Handlung folgt alltäglichen Zuständen und Entscheidungen, in denen Ninas Helfersyndrom zunehmend sichtbar wird; Momente der Überforderung, der Schuld und der inneren Leere prägen die Geschichte. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Buch seine emotionale Wirkung und ermöglicht eine schmerzhafte Identifikation. Ninas innere Entwicklung ist mit einer großen Sensibilität beschrieben. Man zeigt, wie das Bedürfnis nach Anerkennung entsteht und wie schwierig es ist, Gewohnheiten zu verändern. Als Nina beginnt, eigene Grenzen zu erkennen, wird der Konflikt zwischen Angst und Selbstbestimmung deutlich.

Zwar ist Ninas Erzählperspektive prägend für den Roman, doch einige Kapitel werden aus der Perspektive von zwei ihrer Freunde, Aleks und Finn, erzählt. Die beste Freundin und Nachbarin Teo kommt aber nicht selbst zu Wort, obwohl sie die Figur ist, um die sich für Nina alles dreht. Die Sprache ist ruhig und sehr nah. Der Text wirkt wie eine reflektierende Innenschau. Im Mittelpunkt steht kein Lösungsversprechen, sondern das Bewusstwerden der eigenen Bedürfnisse. Das Buch lädt dazu ein, den eigenen Wert neu zu definieren und den Weg zurück zu sich selbst zu beginnen, dass ich Jugendlichen im Alter von 17 Jahren empfehle.

 Für Euch gelesen und rezensiert 
 
 Anna

Eine berührende Second-Chance-Romance über Liebe, Familie, gesellschaftliche Erwartungen und leise Emotionen

Funkenstille Kyra Groh  (Autor*in) Altersempfehlung: ab 16 Jahren ISBN: 978-3-7432-1546-7 Erscheinungstermin: 12.02.2025 Seiten: 464 Verlag...