Aggie und der Geist
Matthew Forsythe
Altersempfehlung: ab 4 Jahren- ISBN: 978-3964510600
- Erscheinungstermin: 09.09.2025
- Seiten: 68
- Verlag: Rotopol
Covertext
Rezension
„Aggie und der Geist“ ist inhaltlich ein außergewöhnliches und amüsantes Bilderbuch, das sowohl zum Nachdenken als auch zum Schmunzeln anregt. Wir lernen Aggie kennen, die sich auf das Alleinsein in ihrem eigenen Haus freut. Leider ist sie jedoch nie allein, denn in ihrem Haus wohnt ein Geist. Dieser ist weniger gruselig als vielmehr nervig. Er macht Unordnung und ist ständig in ihrer Nähe.
Aggie reicht es schließlich. Sie stellt Regeln auf, an die sich der Geist halten soll. Doch das interessiert ihn wenig, und er macht weiter wie bisher. Daraufhin liefern sich Aggie und der Geist ein Duell im „Tic-Tac-Toe“-Spiel, bei dem der Sieger das Haus gewinnen soll. Sie spielen so lange, dass sie schließlich vergessen, warum sie überhaupt spielen. Nach einem weiteren Versuch des Zusammenlebens, der erneut scheitert, zieht der Geist schließlich aus. Unerwartet stellt Aggie fest, dass sie ihn vermisst. Denn auch wenn sie sehr verschieden sind und alles andere als beste Freunde, mögen sie sich doch – irgendwie.
Dieses Buch hat mich in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Zunächst entspricht es thematisch nicht der klassischen „Gegner werden beste Freunde“-Geschichte, die man vielleicht erwarten würde. Aggie und der Geist sind voneinander genervt, können und wollen sich nicht wirklich aufeinander einlassen. Sie reiben sich aneinander und finden keinen gemeinsamen Nenner für ein dauerhaftes Zusammenleben. Als der Geist nach einer erneuten Eskalation geht, entdecken er und Aggie jedoch eine Möglichkeit, eine Art von Freundschaft zu pflegen.
Gerade diese Wendung, dass die beiden sich zwar arrangieren, aber eben keine „Best Buddies“ werden, hat mir besonders gut gefallen, da sie das reale Leben widerspiegelt. Nicht jede Bekanntschaft entwickelt sich zu einer engen Freundschaft, und mit manchen Mitmenschen muss man einfach auf andere Weise auskommen. Dies steht im Gegensatz zu der in vielen Kinderbüchern verbreiteten Beste-Freunde-Thematik, die in der Realität nicht immer zutrifft.
Das Buch zeigt außerdem sehr treffend, dass ein Zusammenleben mit anderen nicht automatisch leicht ist, sondern Regeln erfordert, die von jeder Person unterschiedlich definiert werden. Daraus ergeben sich zahlreiche Gesprächsanlässe zum sozialen Miteinander, die sich gut mit Kindern ab etwa fünf Jahren besprechen lassen. Durch den kurzen, prägnanten Textanteil und die dominante Bildsprache eignet sich die Geschichte besonders dazu, zwischen den Zeilen zu lesen und eigene Gedanken zu den Emotionen und zum Verlauf der Handlung zu entwickeln.
Auch die Illustrationen haben mir sehr gefallen. Autor und Illustrator Forsythe bedient sich einer harmonischen, reduzierten Farbgebung sowie weicher Strukturen und verzichtet bewusst auf überladene oder zu detaillierte Darstellungen. Dennoch sind die Bilder äußerst ausdrucksstark und hinterlassen durch ihren feinen Humor ein Lächeln.
„Aggie und der Geist“ ist ein Bilderbuch, das keine klassischen Klischees bedient und gerade dadurch besonders überzeugt. 📚✨