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Freitag, 20. Februar 2026

Ein Jugendroman auf Augenhöhe, altersangemessen und zugleich inklusiv gestaltet

Voll behindert, Alter!


Sabine Richter

  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • ISBN: 978-3990821794
  • Erscheinungstermin: 01.07.2025
  • Seiten: 288
  • Verlag: Edition Riedenburg

Covertext

Ausgerechnet tiefster Schwarzwald - geht‘s noch?
Das bedeutete für meinen Bruder und mich einen Sommer am A…. der Welt. Und es kam noch schlimmer. Wir machten dort nämlich keinen Urlaub, sondern zogen für immer ins letzte Kaff. Ganze 23 Häuser. Der Ortskern: ein Zigarettenautomat!
In einer Sache waren Jan und ich uns ausnahmsweise einmal einig: Wir wollten zurück nach Düsseldorf in unser altes Leben. Sofort! Einen Plan hatten wir auch. Nämlich so lange rumzunörgeln, bis unsere Eltern genervt einknickten und wir wieder in die Großstadt durften.
Doch ständig schlechte Laune zu haben, kann einen auf Dauer ganz schön nerven. Und eigentlich waren manche Leute im Dorf ja auch ganz nett. Besonders dieser Chrissi, die muskelbepackte Sportskanone mit dem Beliebte-Leute-Lächeln. Ob ich bei dem eine Chance haben würde? Immerhin fahre ich Treppenlift statt Vespa. Das sagt alles, oder? Ich finde mein Leben gerade jedenfalls echt voll behindert, Alter!
Fazit: Ein überraschend witziger Jugendroman übers Loslassen und Ankommen. Für alle mit Lust auf Porzellankatzen, Lagerfeuer, wilde Kühe, Eimersaufen und allem, was dazugehört.

Rezension  

Der Jugendroman „Voll behindert, Alter!“ erzählt die Geschichte der fünfzehnjährigen Mia. Sie ist eine eher mittelmäßige Schülerin, schreibt leidenschaftlich gern epische Fantasygeschichten auf ihrem Tablet, hat einen nervigen älteren Bruder, lebt mit ihren Eltern in Düsseldorf und sammelt (unfreiwillig) Porzellankatzen. Doch dann bekommt ihr Vater einen neuen Job, und die Familie zieht mitten ins Nirgendwo in den Schwarzwald. Und noch etwas: Mia hat eine Behinderung. Aufgrund einer Spastik ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen. Damit kommt sie grundsätzlich gut zurecht – schwieriger ist oft der Umgang ihres Umfelds mit ihr.

Im Schwarzwald angekommen, möchte Mia zunächst nur eines: zurück nach Hause. Noch ahnt sie nicht, dass sie dort die besten Freunde der Welt finden und einen unvergesslichen Sommer mit ihrer ersten Liebe erleben wird. Eine zentrale Botschaft des Romans lautet dabei: Jeder Mensch ist auf seine Weise besonders, einzigartig und liebenswert – unabhängig von den Voraussetzungen, mit denen er ins Leben startet.

Ich habe das Buch mit großer Freude und in kurzer Zeit gelesen, was vor allem dem lockeren, frechen und zugleich emotionalen Schreibstil aus Mias Ich-Perspektive zu verdanken ist. Durch die direkte Ansprache der Lesenden fühlt man sich unmittelbar ins Geschehen hineingezogen. Mias Beeinträchtigung wird nicht plakativ in den Vordergrund gestellt, sondern ist selbstverständlich Teil ihres Lebens. Gleichzeitig erhalten die Lesenden einen ehrlichen, realistischen und niemals mitleiderregenden Einblick in die Herausforderungen, die ein Leben als Teenager mit Gehbehinderung mit sich bringt.

Die Handlung entwickelt sich stimmig und wirkt zu keiner Zeit konstruiert. Besonders hervorzuheben sind Aufbau und Gestaltung des Buches. Neben dem eigentlichen Roman enthält es eine Version in einfacher Sprache mit stark komprimiertem Inhalt, sodass auch Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen am Leseerlebnis teilhaben können. Darüber hinaus bietet das Buch vielfältige Zusatzmaterialien zur Auseinandersetzung auf unterschiedlichen Niveaustufen – vom Textverständnis über kreative Aufgaben bis hin zu Rätseln oder Backideen.

Damit spricht das Buch junge Menschen in ihrer Vielfalt sehr gut an. Es eignet sich besonders als Klassenlektüre für heterogene Lerngruppen. In eher homogenen Klassen bleibt möglicherweise ein Teil des Materials ungenutzt. Insgesamt ist „Voll behindert, Alter!“ ein überzeugendes Beispiel dafür, wie ein Jugendroman auf Augenhöhe, altersangemessen und zugleich inklusiv gestaltet werden kann – unterhaltsam, abwechslungsreich und motivierend.

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