Dienstag, 29. September 2026

Interessantes, unterhaltendes und wichtiges Buch

Stunden wie Tage

Shelly Kupferberg
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • ISBN: 978-3257073485
  • Erscheinungstermin: 25.03.2026
  • Seiten: 172
  • Verlag: Diogenes

Covertext

Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.

Rezension  

Ein altes Mietshaus in Berlin-Schöneberg und alte, oft auf wahren Tatsachen beruhende Geschichten aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts veranlassten Autorin Shelly Kupferberg zu ihrem Roman Stunden wie Tage. Sie beschreibt die Lebensgeschichte von Martha, die auch im hohen Alter noch dieses Haus bewohnt, durch den Kiez streift und um die sich viele Erzählungen ranken. Sie soll angeblich Millionärin sein und ihr Reichtum auf Beziehungen zu den Nazis beruhen. Doch war es tatsächlich so?

Ihre etwas eigene, jedoch stringente Art bringt der jungen Martha weit vor dem Zweiten Weltkrieg eine Stelle als Hausbesorgerin in dem Haus ein, welchem sie sich lebenslang verbunden fühlt. Sie kümmert sich fortan um alle Belange der Mieter und baut auch eine Beziehung zu den Hausbesitzern Berkowitz auf, einem jüdischen Geschäftsmann mit Familie. Mit dem Erstarken der Nationalsozialisten werden die Lebensumstände für alle anders, aber für Herrn Berkowitz wird die Lage lebensbedrohlich. Gelingt eine rechtzeitige Flucht?

Seine Adoptivtochter Liane, die für Martha wie eine Tochter und nicht jüdischen Glaubens ist, schließt sich dem Widerstand an. Trotz des tobenden Krieges erlebt Liane ihre erste Liebe und Martha unterstützt sie stets. Immer schlimmer ziehen der Krieg und die Schikanen der Nazis ihre Kreise, sodass Martha Entscheidungen treffen, Emotionen und Verluste verarbeiten sowie im Nachhinein Dinge akzeptieren muss. Dieser Roman umfasst ein ganzes, langes Leben mit all seinen Dramen und Höhenflügen, die nachdenklich, betroffen, einsichtig und ein Stück weit auch demütig machen.

Shelly Kupferberg beschreibt in 56 Kapiteln sehr unterschiedlicher Länge nicht nur das Leben der Protagonistin Martha, sondern in wechselnder Intensität auch das ihrer Mitmenschen. Gleichzeitig ist der Roman ein Zeugnis der Zeit, in der er hauptsächlich spielt (vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg). Dabei geht Kupferberg nicht immer chronologisch vor, sondern bedient sich vor allem im zweiten Teil des Buches auch Rückblenden. Dadurch werden einige Ereignisse der Handlung deutlicher und nachvollziehbarer.

Die Kapitel erzählen nicht durchweg die Handlung, sondern sind mitunter kleine Geschichten von Begebenheiten mit größerem Zeitabstand, die zum Verständnis des großen Ganzen beitragen oder einzelne Details bzw. Geschehnisse beschreiben, durch welche die Leserschaft einen intensiven Eindruck von den Emotionen und Beziehungen einzelner Personen bekommt.

Der Schreibstil Kupferbergs sowie ihre Art, die Handlung aus den einzelnen Geschichten der Kapitel zusammenzusetzen, haben mir sehr gefallen. Die Profilierung der Hauptcharaktere ist gelungen und ihre Gefühle, Stimmungen sowie Beweggründe sind gut nachvollziehbar. Der Roman wartet mit einer sich stetig steigernden Spannung und einigen unerwarteten Wendungen auf, wodurch er sich rasch lesen ließ.

Es ist nicht unbedingt ein außergewöhnliches, aber dennoch interessantes, unterhaltendes und auch wichtiges Buch, welches einmal mehr verdeutlicht, welche Höhen und Tiefen in der Biografie jedes Einzelnen stecken und wie schwer die Last von Entscheidungen wiegen kann. Ich empfehle das Buch allen interessierten Lesenden ab ca. 16 Jahren.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Rundum gelungen, vor allem zum Vorlesen

Wir Kinder vom Bolzi

Veronika Wiggert / Susanne Göhlich
  • Altersempfehlung: ab 5 Jahren
  • ISBN: 978-3458645931
  • Erscheinungstermin: 27.04.2026
  • Seiten: 128
  • Verlag: Thienemann

Covertext

Jeden Tag treffen sich Mika, Cem, die Zwillinge Lilli und Sophie, Samira, Luis, Tafari, Yael, Timon, Milan und Ella auf ihrem geliebten Bolzplatz. Hier sind sie ein Team – auch wenn sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch als Oskar und seine Bande auftauchen und die Jüngeren vertreiben wollen, ist klar: Jetzt zählt nur noch Zusammenhalt! In einem großen Match zeigen die Kinder vom Bolzi, was echte Freundschaft und Fairness bedeuten – und dass ihr Bolzplatz für alle da ist.

Rezension  

Für viele Kinder, die Fußball mögen, ist der Bolzplatz ein beliebter Treffpunkt und Zentrum eines gemeinsamen Miteinanders. Doch nicht nur die Liebe zum Spiel wird hier geteilt, sondern auch Zwischenmenschliches spielt sich auf dem „Bolzi“ ab. Da werden Freundschaften geschlossen, sportliche Kämpfe ausgetragen, Erfolge gefeiert, aber auch Niederlagen verkraftet und Streitereien geschlichtet.

Diese Themen hat Autorin Veronika Wiggert in ihrem Buch aufgegriffen und erzählt in 12 Kapiteln die Geschichten der Kinder vom Bolzi. Dabei ist jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen Kindes geschrieben. Da ist z. B. Mika, der super gut spielen, aber schlecht verlieren kann und oft Stress mit seinem Bruder hat. Oder die Zwillinge Sophie und Lilli, die sich in Geheimsprache verständigen und ihr Umfeld auch gern mal mit ihrem ähnlichen Aussehen verwirren. Muska ist erst seit Kurzem in Deutschland und noch etwas schüchtern, doch schnell wird sie, wie in ihrer Heimat Afghanistan, Teil des Fußballteams.

Mit jedem Kapitel lernen die Lesenden bzw. Zuhörenden die Bolzi-Bande näher kennen und auch die übergeordnete Handlung schreitet weiter voran. Nachdem sich die Gruppe der fußballbegeisterten Kids vergrößert hat und noch ein bellendes Maskottchen namens Pepe dazugekommen ist, bahnt sich Ärger an. Die älteren Jungs machen den Kindern vom Bolzi ihren Platz streitig und ein alles entscheidendes Match steht an. Wer wohl den Bolzi für sich gewinnen kann?

Alle interessierten Fußballfans ab ca. fünf Jahren werden mit diesem tollen Buch zum Vor- und Selbstlesen große Freude haben. Veronika Wiggert hat mit unterschiedlichen, sympathischen Charakteren und lebensnahen Begebenheiten eine authentische Story rund um den Bolzplatz geschaffen, die sich aber nicht ausschließlich auf diesen beschränkt. Auch die Schule, verschiedene familiäre Situationen und eine Menge Emotionen sind zentrale Themen, die im Buch bearbeitet werden. Erfolg und Misserfolg, Angst und Mut, Begeisterung und Traurigkeit sowie viele weitere Gefühlslagen finden sich altersentsprechend formuliert in den Geschichten wieder.

Der Text beschreibt das Geschehen gut verständlich aus einer allwissenden Erzählerperspektive im Präsens, wodurch Handlungen und Emotionen von der jungen Leserschaft angemessen nachvollzogen werden können. Die Kapitel sind mit ca. 8–10 Seiten Text für die Zielgruppe recht umfassend, wobei die farbigen Illustrationen eher sparsam eingesetzt sind und sich daher zurücknehmen.

Die Bilder von Susanne Göhlich erstrecken sich mitunter über eine ganze Seite, oft sind sie jedoch als auflockerndes Element in kleinerer Form zu entdecken. Die Kinder vom Bolzi werden im Vorsatz bildlich und namentlich in Action beim Fußballspiel vorgestellt, sodass man immer wieder nachschauen kann, um wen es im jeweiligen Kapitel geht. Die Illustrationen greifen Szenen aus dem Text auf und sind insgesamt freundlich und bunt gestaltet.

Positiv hervorzuheben ist die Bandbreite an verschiedenen Charakteren, die Wiggert hier erschaffen hat. Kinder mit unterschiedlicher Herkunft, Persönlichkeit und familiärem Umfeld sind auf dem Bolzi anzutreffen und gehen gemeinsam durch dick und dünn. Die bunte Mischung aus Jungen und Mädchen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen macht das Buch besonders, da viele Bücher zum Thema Fußball oft eher für Jungs konzipiert werden.

Ich empfinde Die Kinder vom Bolzi als rundum gelungen, vor allem zum Vorlesen.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Bildhaft, poetisch, märchenhaft

Sie flogen einen Sommer lang

Penelope Farmer /  Barbara Yelin
  • Altersempfehlung: ab 9 Jahren
  • ISBN: 978-3458645931
  • Erscheinungstermin: 19.05.2026
  • Seiten: 156
  • Verlag: Insel Verlag

Covertext

Charlotte und ihre kleine Schwester Emma träumen davon, fliegen zu können. Und tatsächlich wird ihr Wunsch wahr, als sie eines Tages auf dem Schulweg einem Jungen begegnen, der ihnen das Fliegen beibringt. Die beiden sind begeistert, denn mit ein wenig Übung können sie ebenso am Himmel schweben wie die Vögel. Als der Junge sogar ihrer ganzen Klasse das Fliegen lehrt, nimmt der Sommer eine außergewöhnliche Wendung: Gemeinsam fliegen sie alle ans Meer, veranstalten Picknicks und gleiten im Mondlicht über die Wälder. Doch die nachdenkliche Charlotte ahnt, dass der Junge etwas verbirgt. Denn keiner der Erwachsenen kann ihn sehen. Und als der Sommer sich dem Ende neigt, enthüllt der Junge ein Geheimnis, das alles verändern wird …

Rezension  

Den Traum vom Fliegen hat wohl jeder Mensch schon einmal verspürt. Für die Kinder eines kleinen britischen Dorfes wird er in diesem Sommer wahr. Die Schwestern Charlotte und Emma leben mit ihrem Großvater, einer Haushälterin und dem Gärtner in einer alten Villa. Eines Tages begegnen sie einem seltsamen Jungen ohne Namen, den nur die Mädchen sehen können. Er verspricht den Schwestern, dass er ihnen das Fliegen lehrt.

Nachdem Charlotte und Emma tatsächlich durch die Lüfte schweben können, bringt der Junge es auch allen Kindern des Dorfes bei. Eine Bedingung gilt jedoch: Niemand darf von dem Geheimnis des Fliegens erfahren! Bald haben die Kinder nichts anderes mehr im Kopf. Sie tricksen die Erwachsenen aus, treffen sich heimlich und genießen ihre neu erlernte Fähigkeit. Schier endlos liegen die Sommerferien vor ihnen.

Doch schon bald entsteht eine erste Konkurrenz, die Dynamik der Kindergruppe verändert sich und zwei Lager bilden sich. Ein Duell in der Luft soll entscheiden, ob der unbekannte, geheimnisvolle Junge oder ein Junge aus dem Dorf der Anführer der Kinder wird. Gleichzeitig geht es darum, das Geheimnis des fliegenden Jungen zu lüften. Wie wird der Sommer enden?

Dieser Klassiker der britischen Kinderliteratur wurde 1962 von Penelope Farmer geschrieben und nun von Claudia Feldmann neu übersetzt. Der Klappentext sowie das in sommerlichen Farben aquarellartig gestaltete Cover machten mich neugierig und ich wollte gern erfahren, was es mit dieser Geschichte auf sich hat. Das Buch ist in drei Teile mit unterschiedlicher Kapitelanzahl gegliedert, wobei der zweite Teil am umfänglichsten ist.

Der bildhafte Schreibstil der Autorin, welcher sich einer gewählten, teilweise poetisch beschreibenden Ausdrucksweise bedient, erzeugt ab der ersten Seite eine magische Stimmung, ohne zu übertreiben. Die Bilder, welche Penelope Farmer mit ihren Worten erzeugt, transportieren die Stimmung der Personen und Orte sowie die Weite des unendlich scheinenden Sommers und der Freiheit des Fliegens auf eine wunderschöne Weise. Obwohl sich die Geschichte fantastischer Elemente in Form des Fliegens und der Unsichtbarkeit des Jungen bedient, wirkt sie nicht unrealistisch, sondern eher märchenhaft.

Unterschwellig gelingt es der Autorin, eine sich dezent steigernde Spannung aufzubauen, welche Neugier auf den Ausgang der Geschichte weckt. Dabei schreitet die Handlung nicht rasant voran, sondern lässt Gelegenheit für ein Innehalten und das Entstehen eigener Gedankenbilder. Die wenigen, schwarz-weiß und grau schattierten und nicht in allen Einzelheiten dargestellten Illustrationen von Barbara Yelin nehmen den magischen Charakter der Geschichte auf und lassen ebenso Spielraum für die eigene Fantasie. Die Bilder geben dafür passende Impulse.

Beim Lesen waren die Emotionen innerhalb der Handlung für mich gut nachvollziehbar und schnell zeichnete sich eine leichte Melancholie ab, welche bis zum Ende anhielt. Diese bildet mit dem Inhalt der Geschichte in meinen Augen eine perfekte Einheit, da es thematisch um die kindliche Freiheit und Unbeschwertheit sowie das Erwachsenwerden geht. Das Buch ist ein wunderbares Sinnbild für den Übertritt vom träumerischen Kindsein hin zur Ernsthaftigkeit der Erwachsenenwelt und den damit verbundenen Schmerz bzw. die Vergänglichkeit, die der scheidende Sommer widerspiegelt.

Da vieles nicht ausformuliert ist und Interpretationsspielraum lässt, empfehle ich das Buch erst ab frühestens 10 Jahren und halte es auch für Erwachsene sowie als Klassenlektüre für geeignet.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Für alle kleinen und großen Schnüffelnasen

Kommissar Pfote ermittelt


Katja Reider / Dirk Hennig
  • Altersempfehlung: ab 7 Jahren
  • ISBN: 978-3743221758
  • Erscheinungstermin: 12.03.2026
  • Seiten: 144
  • Verlag: Loewe

Covertext

Was macht ein Polizeihund nach Feierabend?
Ganz klar: Pepper und seine Kollegen lösen als Privatdetektive weitere Fälle. Natürlich auf eigene Faust, äh Pfote. Gerechtigkeit endet schließlich nicht nach Dienstschluss!

Warum trägt Rosies Herrchen seine kleine Zwergpudeldame plötzlich nur noch auf dem Arm herum? Da stimmt doch was nicht. Der alte Charlie, seines Zeichens Polizeihund im Ruhestand und Chef der Detektei mit Wau, pfeift sein Team zusammen. Ob Pepper, Lulu und Harras herausfinden, was da los ist?

Rezension  

Nach 9 erfolgreichen Bänden über Polizeihund Pepper alias „Kommissar Pfote“, in denen dieser mit seinem menschlichen Kollegen Paul Kriminalfälle löst, hat Autorin Katja Reider nun eine weitere Reihe mit dem beliebten Hund ins Leben gerufen. In Kommissar Pfote ermittelt erfahren die jungen Lesenden, was Pepper nach Dienstschluss so treibt. Er arbeitet nämlich mit anderen Polizeihunden gemeinsam an weiteren Fällen in einer eigenen Detektei.

In Band 1 Schnüffler mit Schnauze gehen die lesenden Kinder mit Pepper, Lulu, Harras und Charlie auf Spurensuche. Die vier Hunde haben erfahren, dass in ihrem Viertel einige Hundehalter kaum noch mit ihren Lieblingen rausgehen, sie nicht mehr von der Leine lassen und mit Argusaugen bewachen. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu! Dank ihrer trickreichen Ermittlungen kommen die Hunde einem fiesen Erpresser auf die Spur. Wird es Pepper und seinen Freunden gelingen, ihn zu stellen, damit ihre Freunde wieder frei im Park herumtoben können?

Das Buch unterscheidet sich optisch von den bisherigen Bänden, ist etwas kleiner, dafür aber umfangreicher. Auch der Aufbau ist anders gestaltet, da es weder Kapitel noch einen fortlaufenden Text gibt. Wie bisher werden zunächst die Hauptcharaktere (hier ausschließlich Hunde) steckbriefartig vorgestellt, bevor sich die Lesenden direkt ins Geschehen stürzen.

Kommissar Pfote erzählt die Geschichte wie üblich aus seiner Perspektive, die Beschreibung der Handlung durch ihn erfolgt jedoch nur flankierend. In der Hauptsache besteht der Text nämlich aus den Dialogen der Figuren, was sehr an einen Comic erinnert. Dabei wird zwar nicht mit Sprechblasen und einzelnen Panels gearbeitet, wohl aber mit Schriftart, -größe, Denkblasen, Soundwords und einer lustigen Bildsprache.

Meist erstreckt sich eine Szene über eine Doppelseite, auf welcher die Handlung durch eine gelungene Kombination aus Text und Bild verständlich und mit erkennbarem Spannungsbogen vorangetrieben wird. Mir persönlich fiel es teilweise schwer, die einzelnen, von den handelnden Hunden gesprochenen Texte in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Hier könnte es eventuell zu Orientierungs- oder Verständnisproblemen seitens der Lesenden kommen.

Die Illustrationen von Dirk Hennig dominieren das Buch und verdeutlichen das Geschehen auf gewohnt witzige Weise. Für Kinder ab etwa acht Jahren, die vielleicht nicht gern lesen oder sich von kompakten Volltexten überfordert fühlen, ist dieses motivierende Detektivabenteuer genau richtig. Der Text ist kurzweilig und überschaubar, die Bilder laden zum Suchen und Entdecken ein und letztendlich gilt es für alle kleinen und großen Schnüffelnasen, einen spannenden Fall zu lösen.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

 

Jeder Mensch ist einzigartig

Toto


Hyewon Yum
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3968260648
  • Erscheinungstermin: 11.02.2026
  • Seiten: 48
  • Verlag: von Hacht

Covertext

Was macht man mit einem seltsamen Ding, das einfach so im Wald liegt? Die kleine Maus und ihre Freunde wissen es sofort: Man spielt damit! Aus einem einfachen Karton wird ein Schiff, ein Flugzeug, ein Haus – und noch so viel mehr. Mit Fantasie und Neugier entdecken die Tiere, was alles möglich ist, wenn man gemeinsam träumt. Dieses liebevoll illustrierte Bilderbuch feiert die Kreativität und zeigt, wie aus Alltäglichem große Abenteuer entstehen. Perfekt zum Vorlesen, Staunen und Immer-wieder-Anschauen!

Rezension  

Jeder Mensch ist einzigartig, sowohl in seinem Wesen als auch hinsichtlich seines Äußeren. Kleine oder größere „Special Effects“ machen uns individuell und zu etwas Besonderem, sei es ein Leberfleck, eine spezielle Haar- oder Augenfarbe, eine Pigmentstörung oder ein abstehendes Ohr.

Doch wie gehen Kinder damit um, wenn sie an sich selbst ein körperliches Extra wahrnehmen, das auch anderen auffällt? Dieses Thema greift die Autorin Hyewon Yum aufgrund persönlicher Erfahrungen in ihrem Bilderbuch Toto auf. Der Titel ist dabei nicht etwa der Name der Protagonistin, sondern der ihres Muttermals. Das namenlos bleibende kleine Mädchen trägt das pink leuchtende, große Mal auf ihrer Stirn und teilt mit den Lesenden ihre Gedanken und Gefühle dazu.

Oft fühlt sich das Mädchen unsicher, teils sogar beschämt angesichts der Reaktionen ihres Umfeldes. Warum starren die Leute sie immer so an? Wieso schauen manche nur auf Toto statt auf sie? Wie sie wohl ohne Toto aussehen würde? Ihre Familie gibt ihr Halt, denn viele vertraute Personen haben wundervolle Erklärungen und Beschreibungen für Toto.

Als das Mädchen eingeschult wird, kaschiert Mama Toto mittels einer neuen Frisur. Dadurch gewinnt die Kleine an Selbstvertrauen und lernt schnell eine Freundin kennen. Die Kinder werden unzertrennlich, doch als die Freundin beim Spielen zufällig Toto entdeckt, kommen Unsicherheit, Angst, Wut und Scham plötzlich zurück. Die Macht der Freundschaft ist jedoch groß und anhand der freundlichen, wohlwollenden und annehmenden Haltung der Freundin wird dem Mädchen klar: Toto gehört zu ihr und macht sie nicht nur besonders, sondern als Mensch unverwechselbar und einzigartig perfekt.

Mit einer interessanten, zum sensiblen Thema passenden Kombination aus einem reduzierten, klar verständlichen Text und ausdrucksstarken Bildern gelingt es der Autorin, eine emotionale Verbindung zur Protagonistin aufzubauen und sich in sie hineinzuversetzen. Obwohl auf jeder Seite nur wenige Sätze oder Fragen zu finden sind, können die Handlung sowie die Gedanken und Befindlichkeiten der Figuren sehr gut nachvollzogen werden. Dies liegt vor allem an den grafischen, in Schwarz-, Weiß- und Grautönen gehaltenen Illustrationen von Hyewon Yum.

Lediglich Toto, das Muttermal, tritt leuchtend pink deutlich in den Vordergrund. Die Bilder transportieren die leisen Zwischentöne, die im Text ungesagt bleiben, und geben viel Spielraum für eigene Gedanken zum Thema. In der schlichten Schönheit des Buches steckt viel Potenzial zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Kindern ab einem Alter von etwa vier Jahren.

Die jungen Menschen erfahren, dass Äußerlichkeiten zuweilen auffällig sein können, eine Person aber nicht ausschließlich definieren. Betroffene Kinder werden dadurch in ihrer Individualität sowie ihrem Selbstbild gestärkt. Das Bilderbuch macht Mut, sich so anzunehmen, wie man ist, und verdeutlicht wunderbar, dass Äußerlichkeiten vor allem in den Augen unserer Lieblingsmenschen keine Rolle spielen.

Ich empfehle dieses behutsame und gleichzeitig starkmachende Buch für alle Kinder, die aufgrund eines vermeintlichen Makels manchmal an sich zweifeln und eine kleine Extraportion Selbstvertrauen brauchen. Zudem können gruppendynamische Prozesse innerhalb einer Kindergruppe (z. B. Hänseleien o. Ä.) sehr gut thematisiert und bearbeitet werden.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Was kann alles aus einem Kraton entstehen

Was ist denn ein Kattonk?


Brigitte Sidjanski /  Bernadette
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN:978-3522462846
  • Erscheinungstermin: 25.02.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag: Thienemann

Covertext

Was macht man mit einem seltsamen Ding, das einfach so im Wald liegt? Die kleine Maus und ihre Freunde wissen es sofort: Man spielt damit! Aus einem einfachen Karton wird ein Schiff, ein Flugzeug, ein Haus – und noch so viel mehr. Mit Fantasie und Neugier entdecken die Tiere, was alles möglich ist, wenn man gemeinsam träumt. Dieses liebevoll illustrierte Bilderbuch feiert die Kreativität und zeigt, wie aus Alltäglichem große Abenteuer entstehen. Perfekt zum Vorlesen, Staunen und Immer-wieder-Anschauen!

Rezension  

Für viele Kinder ist ein leerer Karton oft mehr als das: Sie haben tausend Ideen, was man daraus alles bauen oder womit man spielen kann. Da entstehen Fahrzeuge, Gebäude, Möbel, Tiere und viele weitere kreative Dinge. Ein Karton ist auch zentraler Gegenstand in diesem Bilderbuch, welches von Erfolgsautorin Sabine Bohlmann geschrieben und von Emilia Dziubak illustriert wurde.

Nur wissen die Tiere, die den Karton entdecken, gar nicht, dass es sich bei ihrem Fundstück um einen Karton handelt. Ob Maus, Opossum, Frosch oder Bär: Jedes Tier hat eine andere, ganz eigene Vorstellung davon, was da vor ihm steht. So verwandelt sich der Karton in den Augen der Tiere spielerisch in ein Schiff, ein Flugzeug oder ein Haus. Mit genug Fantasie ist eben alles möglich und das gemeinsame Spiel macht richtig Spaß. Doch dann kommt die kluge Großstadttaube und klärt die Tiere über die wahre Bedeutung des pappigen Gegenstands auf. Wird damit das fantasievolle Spiel der Tiere etwa beendet? Oder lässt sich die Taube davon mitreißen?

Die Idee der Autorin, das kindliche Spiel mit einem leeren Karton thematisch aufzugreifen und auf die Welt der Tiere zu übertragen, finde ich witzig und sehr gut umgesetzt. Der Text vermittelt dem jungen Lesepublikum verständlich die Handlung, wobei vor allem die tierische Diskussion um den nicht ganz einfachen Begriff „Karton“ sehr lustig gestaltet ist. Dieser wird nämlich als Kattonk oder Kattakatong bis hin zum Kawas(?) bezeichnet, während die Taube den Tieren den korrekten Begriff beibringen will. Hier kann man als Vorlesender super mit Stimme und Mimik spielen, um die Kinder zu begeistern.

Durch die Erklärung der Taube wird deutlich, dass ein Karton an sich unspektakulär und in seiner eigentlichen Funktion eingeschränkt, wenn nicht sogar fragwürdig ist (er dient dem Transport von Dingen von A nach B und wird dann weggeworfen). Darüber zeigen sich die Tiere enttäuscht. Schließlich stellt die tierische Gemeinschaft fest: Mit Fantasie und kreativem Spiel macht das Leben gleich viel mehr Spaß.

Das Lesen bzw. Vorlesen des Bilderbuches macht viel Spaß und lädt die Kinder ein, selbst einmal darüber nachzudenken, was alles aus einem Karton entstehen kann. Unterstützt wird die Geschichte durch die freundlichen, farbigen Illustrationen. Sie umfassen ein bis zwei Seiten, umrahmen meist den Text und geben den Hauptinhalt bildlich wieder. Text und Bild harmonieren sehr gut miteinander.

Ich empfehle das Buch für ein vergnügliches Lesen zu Hause oder in Kita und Grundschule ab einem Alter von vier Jahren.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Ruhiges, harmonisches Buch

Der Fluß


Brigitte Sidjanski /  Bernadette
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3314107672
  • Erscheinungstermin: 08.04.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag: Nord Süd

Covertext

Manchmal findet sich eine neue Heimat am Wegesrand

Hoch oben in den Bergen plätschert Wasser aus einer Quelle. Aus dem Rinnsal wird ein Bach, der munter zu Tal fließt und fünf Lärchenzapfen auf eine abenteuerliche Reise mitnimmt. Sie überwinden Wasserfälle, durchqueren Täler und Städte, und immer wieder entdeckt einer der Zapfen einen Ort, wo es ihm gefällt und er ein Zuhause findet. Bevor der letzte Zapfen auf das endlose Meer hinaustreibt, spült ihn eine Welle ans Ufer. Was wird er dort erleben?

Rezension  

Als kleines, dünnes Rinnsal entspringt das Wasser zwischen den Felsen im Gebirge und begibt sich auf seine weite Reise talabwärts. Mit jedem Kilometer wird das Wasser mehr, verändert sich, wird vom Bach zum Fluss und mündet schließlich ins Meer. Doch nicht nur das Wasser ist unterwegs: Im Fluss treiben auch fünf Lärchenzapfen. Interessiert folgen sie dem Flusslauf, staunen über die sich wandelnde Landschaft und suchen einen Platz zum Verweilen. Nach und nach findet jeder Zapfen einen Ort, an dem er sich wohlfühlt und bleiben möchte. Ob die Reise für alle Zapfen glücklich endet und sie ein Zuhause finden?

Mit feinfühligen, ausgewählten und gleichzeitig ausdrucksstarken Worten erzählt die Autorin Brigitte Sidjanski von der Reise der Lärchenzapfen im Fluss, die sowohl Aufbruch als auch Ankommen symbolisiert. Dabei zeichnet sie nicht nur die Entstehung und den Verlauf eines Flusses bis zur Mündung ins Meer nach, sondern verleiht dem Ganzen durch die Präsenz der Lärchenzapfen eine dezente Spannung. Einer der Zapfen bleibt z. B. am Bachufer zurück, ein anderer macht es sich am Wasserfall gemütlich.

Poetisch, aber trotzdem altersentsprechend, ermöglicht die Autorin Kindern ab etwa vier Jahren, den scheinbar banalen Vorgang der dahintreibenden Zapfen zu einem Ereignis zu machen. Diese wirken fast ein wenig menschlich, wenn beschrieben wird, dass sie sich an einem Ort wohl oder verloren fühlen. Das Bilderbuch vermag es, den Blick auf die kleinen, nichtig wirkenden Dinge zu richten und darin das zu entdecken, was sie eigentlich sind: wahre Wunder der Natur.

Gegenüber dem Text nehmen die feingliedrigen, detailverliebten und in sanften Farben kolorierten Illustrationen von Bernadette Watts einen großen Raum ein. Die sanft wirkenden, naturnahen Bilder ergänzen harmonisch den Text und lassen viel Spielraum zum Betrachten, Suchen, Entdecken und Träumen. Sogar der Vorsatz gehört bildlich mit zur Erzählung und bildet dadurch eine gelungene Einstimmung bzw. den passenden Ausklang. Auch die Stimmungen, welche Brigitte Sidjanski mit ihren Worten erzeugt, werden in den ein- bis zweiseitigen Illustrationen lebendig.

Inhaltlich bietet das Buch verschiedene Ansätze, mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Einerseits kann das Sachthema Fluss damit begleitet werden, andererseits entstehen Möglichkeiten des Philosophierens über Herkunft, Unterwegssein, Ankommen und Heimat bzw. darüber, ein Zuhause zu finden. Das offen gestaltete Ende lädt besonders dazu ein.

Daher ist dieses schöne Bilderbuch, das bereits 2008 erstmalig erschien, sowohl für den pädagogischen Bereich als auch zum Vorlesen zu Hause geeignet. Mir gefällt dieses ruhige, harmonische Buch sehr gut und ich lese es immer wieder gern.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Die Reise durch die Stockwerke des Waldes gleicht einem Spaziergang

Von der Wurzel bis zum Wipfel


Charlotte Guillain /  Rồng Phạm /      
Vinh Nguyễn
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3833911170
  • Erscheinungstermin: 02.02.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag: Baumhaus

Covertext

Auf deinem Weg durch den Wald bist du von zahlreichen Eindrücken und Geräuschen umgeben. Hast du dich schon einmal gefragt, wo die alle herkommen? Unter der Erde, auf dem Boden, entlang der Baumstämme oder ganz oben über den Baumkronen gibt es zahlreiche Tiere und Pflanzen zu entdecken. Auf der einen Leporelloseite sehen wir den Amazonas-Regenwald, auf der anderen einen gemäßigten Wald und die Pflanzen und Tiere, die in jeder Schicht dieser Wälder leben: von den Pilznetzwerken und Tierhöhlen tief unter der Erde über Sträucher, Insekten und Säugetiere, die auf dem Waldboden leben, bis hin zu Eidechsen, Ranken und Käfern, die in den Stämmen und Ästen zu Hause sind, und schließlich die Vögel, die über den Baumwipfeln gleiten.

Rezension  

Das Ökosystem Wald übt mit seiner Komplexität und dem harmonischen Miteinander von Flora und Fauna schon immer eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Als interessant, spannend, geheimnisvoll, ja sogar magisch und heilsam werden Wälder beschrieben und wir Menschen haben sie noch längst nicht gänzlich erforscht.

Obgleich es bereits zahlreiche Bücher zum Thema Wald gibt, fügt die Autorin Charlotte Guillain ein weiteres, in seinem Aufbau ganz besonderes Buch hinzu. Damit erweitert sie ihre im Prestel Verlag erschienene Reihe von Sachbüchern im Leporelloformat, in denen sie den Himmel, den Erdboden, den Fluss und das Meer thematisierte.

Guillain stellt in Von der Wurzel zum Wipfel zwei verschiedene Arten von Wäldern vor: den tropischen Regenwald am Amazonas und einen Wald der gemäßigten Klimazone in Nordamerika. Zunächst sieht das großformatige, farbige Buch aus wie ein übliches Exemplar seiner Gattung, doch schnell stellen interessierte Lesende fest, dass es hier nicht nur thematisch, sondern auch gestalterisch einiges zu entdecken gibt. Die Seiten aus stabilem Papier lassen sich zu einem 2,50 m langen Leporello ausklappen und sind beidseitig bedruckt, sodass jeder der genannten Wälder in seiner ganzen Pracht über alle seine Schichten hinweg dargestellt wird.

Das Lesen und Betrachten entwickelt sich so zu einer entdeckenden Erfahrung, wobei sowohl bei der Wurzel als auch über den Wipfeln der Bäume oder mittendrin gestartet werden kann. Die kurzen, verständlichen Texte informieren die Kinder mittels direkter Ansprache, impliziter Fragen oder kleiner Denkanstöße über die Vielfalt an Tieren und Pflanzen, deren Zusammenspiel und Besonderheiten sowie zahlreiche weitere Fakten zum Thema. Dabei begegnen dem Lesepublikum nicht nur bekannte Vertreter der Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch außergewöhnliche Exemplare.

Die Reise durch die Stockwerke des Waldes gleicht einem Spaziergang, bei dem es viel zu erfahren gibt, z. B. über das Klima im Wald, die Lebensbedingungen in den einzelnen Schichten oder den Einfluss des Menschen. Im Vorsatz finden die Kinder einen allgemeinen Überblick über die Schichten des Waldes und einen Appell zum Schutz der Bäume und Wälder.

Durch die Integration des Textes in die großartigen Bilder wirkt dieser weniger kompakt bzw. dominant und wird in kleineren Lesehäppchen passend zu den Bildelementen präsentiert. Die naturgetreuen Illustrationen von Rong Pham und Vinh Nguyen machen das Buch durch eine Fülle an Details und eine wunderbare Farbigkeit zu einem Erlebnis für die Lesenden. Sehr ansprechend finde ich das Cover, welches einerseits durch eine einladende Farbgebung, andererseits durch einige erhaben gestaltete Elemente besticht.

Der Wald mit seiner Artenvielfalt als fantastisches Naturwunder sowie dessen herausragende Bedeutung für das Leben auf unserer Erde wird im Buch als klare Botschaft deutlich gemacht. Dieses ansprechende Sachbilderbuch eignet sich zum Vorlesen und Anschauen bereits für Kinder ab vier Jahren, wobei für diese Altersgruppe sicher einige Begriffe zusätzlich erklärt werden müssen. Für wissbegierige Kinder im Grundschulalter ist es absolut passend und macht Lust auf das „Abenteuer Wald“.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Frech gereimte Texte und positive Urlaubsstimmung

Der Reisepudel Archibald


James Krüss /  Günther Jakobs
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3833911170
  • Erscheinungstermin: 02.02.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag: Baumhaus

Covertext

Archibald, der charmante Pudel aus Paris, macht sich eines Donnerstags auf den Weg - in seinem alten Opel, quer durch Europa. Seine Route führt von Paris über Bern und Madrid, vorbei am Petersdom in Rom und der Akropolis in Athen, weiter nach Polen, Ungarn und Österreich. Er kostet Buletten in Berlin, bestaunt die Meerjungfrau in Kopenhagen, verliebt sich in Amsterdam und kehrt schließlich - mit einer Pudeldame an seiner Seite - über London zurück nach Paris, wo er heute mit Frau und zehn Pudelkindern glücklich lebt.

Rezension  

Gerade im Sommer packt uns oft die Sehnsucht nach der Ferne und jeder, der schon einmal verreist ist, kann sicher Interessantes über sein Reiseziel berichten. Auch den Pudel Archibald, der in Paris lebt, packt die Reiselust und er bricht auf zu einer Tour kreuz und quer durch Europa. In allen Himmelsrichtungen ist der Hund unterwegs und erkundet nicht nur fremde Länder und deren Hauptstädte, sondern auch die dazugehörigen Sehenswürdigkeiten, typische kulinarische Genüsse, Traditionen oder Gepflogenheiten. Dabei gibt es viel zu sehen, zu hören und zu staunen, denn der tierische Roadtrip führt z. B. nach Spanien, Griechenland, Ungarn, Dänemark und Großbritannien. Unverhofft trifft Archibald schließlich auf eine Pudeldame, die sein Herz erobert und mit ihm nach Paris zurückkehrt.

Auch nach über 60 Jahren vermag der Sprachspieler und Wortakrobat James Krüss sein Lesepublikum mit dem Bilderbuch über den Reisepudel Archibald zu begeistern. Mit flotten Reimen führt uns Krüss unterhaltend und witzig über den Kontinent, wobei er jedem Land zwei Strophen zu je vier Zeilen widmet. Nebenher vermittelt er in seinen Versen einige interessante Fakten zur jeweiligen Nation. Mancher mag den einen oder anderen Fakt dabei als klischeehaft oder veraltet empfinden, doch hier ist der erwachsene (Vor-)Leser gefordert, für Aufklärung zu sorgen (z. B. Wodkatrinken in Polen oder Stierkampf in Spanien).

Perfekt zu den lustigen und für Krüss typischen Reimen passend hat Günther Jakobs das querformatige, große Bilderbuch farbenfroh illustriert. Während sich die Bilder bei einigen Ländern über eine Doppelseite erstrecken, müssen sich andere mit einer Seite begnügen. Dennoch kommt kein Land zu kurz. Bekannte Bauwerke, Landschaften und andere Besonderheiten hat der Illustrator in die fröhlichen Bilder integriert, wodurch es viel zu entdecken gibt.

Die Reiseroute Archibalds findet sich auf der letzten Seite, quasi als Anhang, sodass wir als Mitreisende im Geiste seinen Weg nachvollziehen können. Sehr hochwertig wirkt der leinenartig eingebundene Buchrücken.

Das Bilderbuch hat mich mit seiner Kombination aus frech gereimten Texten und positive Urlaubsstimmung versprühenden Illustrationen sehr begeistert. Es eignet sich für Kinder ab vier Jahren sowohl für das Lesen zu Hause als auch für den pädagogischen Alltag in Kita und Grundschule. Vor allem vor oder nach dem Urlaub bzw. den Ferien macht die Lektüre Spaß, um die Kinder darauf einzustimmen oder von den Ferien erzählen zu lassen.

Steht z. B. in der Schule das Thema Europa an, kann das Buch als lustiger Einstieg genutzt werden. Da Kinder oft leider nur noch wenig Berührung mit Reimen und Sprachspielen haben, stellt der Reisepudel Archibald eine tolle Möglichkeit dar, dies anzuregen und in den Alltag zu integrieren. Darauf aufbauend können auch eigene Strophen zu einem gewählten Land erfunden werden. Das Buch bietet also jede Menge Möglichkeiten, es intensiv zu erleben und imaginär die Reise Archibalds zu begleiten.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Intensität und Spannung im Bilderbuch

Mit dem Sturm um die Wette

rennen

Brian Floca /  Sydney Smith
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3848903344
  • Erscheinungstermin: 27.04.2026
  • Seiten: 48
  • Verlag: Aladin

Covertext

Bevor der Sturm über die Insel zieht, machen sich zwei Geschwister auf den Weg zum Meer. Sie erleben, wie sich der Himmel verdunkelt, der Wind stärker wird und die Wellen gegen die Felsen peitschen. Gemeinsam spüren sie die Kraft der Natur – und als der Regen einsetzt, laufen sie Hand in Hand zurück ins sichere Zuhause. Dort warten Wärme, Geborgenheit und das beruhigende Gefühl, zusammen alles überstehen zu können. Am nächsten Morgen ist die Welt wieder hell und freundlich – und das Abenteuer bleibt als Erinnerung.

Rezension  

Wer kennt nicht das Gefühl, wenn man besorgt in den Himmel schaut, den nahenden Sturm, das Gewitter oder einen Regenguss erwartet und im letzten Moment noch einen rettenden Unterschlupf erreicht? Eine Mischung aus Sorge, Aufregung, Nervenkitzel und schließlich Erleichterung macht solche kurzen Momente besonders und lässt uns die Macht der Natur spüren.

Ähnlich geht es den beiden Kindern im Bilderbuch Mit dem Sturm um die Wette rennen, denn genau das haben die beiden vor. Sie wohnen auf einer Insel am Meer und erahnen den bevorstehenden Sturm. Noch einmal laufen die Geschwister zur Küste, durch den Ort und den Wald, reizen ihren Spaziergang bis zur letzten Minute aus und erfahren dabei die eigenen Grenzen sowie die Kraft des Naturspektakels. Die ängstliche Spannung angesichts des Unwetters, der bange Mut, doch noch weiterzugehen, das ersehnte Ankommen zu Hause und die Magie des neuen Tages nach dem Sturm, an dem neue Abenteuer warten, stehen im Mittelpunkt.

Autor Brian Floca und Illustrator Sydney Smith zeigen mit diesem wunderschönen Bilderbuch, wie faszinierend und herausfordernd vermeintlich normale Naturereignisse in den Augen von Kindern sein können. Diese nehmen die Aufregung des Umfeldes im Vorfeld des Sturmes wahr, kennen die Warnungen, ignorieren diese und erleben dann, nach einem Moment der Angst, das schützende Gefühl und die liebevolle Atmosphäre des Zuhauses.

Für die Lesenden werden dank klarer, verständlich beschreibender Worte und kurzer Sätze sowie imposanter Bilder zu jedem Zeitpunkt die Gedanken und Gefühle der Kinder zugänglich. Von Seite zu Seite entwickelt sich eine ansteigende Spannung und das Lesepublikum darf überlegen, was als Nächstes passiert. Dazu tragen neben den Beschreibungen von Wetter, Umgebung und Emotionen vor allem implizite Fragen, wiederkehrende Textelemente und die Ich-Perspektive bei.

Während der Text im Buch eine nachrangige Rolle spielt, dominieren die großen, flächigen, oft mit dickem Pinselstrich gezeichneten Illustrationen. Durch Aquarell- und Gouachetechnik, eine kräftige Farbgebung und reduzierte Details entsteht eine ausdrucksstarke, diffuse und realitätsnahe Stimmung. Die Bilder erstrecken sich teilweise sehr präsent über eine oder zwei Seiten mit wenig Text, wechseln sich aber interessanterweise mit doppelseitigen, schmalen Bild- und Textstreifen ab, die das Geschehen umfassender darstellen und beschleunigen.

Thematisch bietet das Buch verschiedene Ansatzpunkte, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Da steht beispielsweise die Angst vor Sturm und Gewitter im Mittelpunkt, aber auch Mut und Übermut, kindliche Entdeckerfreude, die Faszination der Natur oder eine enge Beziehung zwischen Geschwistern kommen inhaltlich zum Tragen.

Mit seiner Intensität und Spannung hat mich das Buch sehr begeistert und ich empfehle es für Kinder ab einem Alter von fünf Jahren, da jüngere Kinder aufgrund der teilweise düsteren Stimmung eventuell ängstlich reagieren könnten.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Rundum gelungenes Buch für das gemeinsame herbstliche Vorlesen

Blätter, Blätter, Blätter

Lisa Gastager /  Monika Suska

  • Altersempfehlung: ab 3 Jahren
  • ISBN: 978-3734821523
  • Erscheinungstermin: 16.07.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag: Magellan

Covertext

Ein Kinderbuch zum Vorlesen für alle, die den Wald, das Spielen mit Freunden und das Sammeln lieben.

Im bunten Herbstwald raschelt und knistert es ganz wunderbar. Denn überall liegen sie verstreut: Blätter! Für den kleinen Bären Bo und seine Freunde gibt es nichts Schöneres, als mit den Schätzen zu spielen. Wenn nur nicht der Winter käme und damit das Ende der gemeinsamen Blätter-Spielzeit! Da hat Bo einen Traum …

Die Geschichte zeigt Jungen und Mädchen im Kindergartenalter, dass das größte Glück in den kleinen Dingen steckt und dass Träume wahrwerden, wenn man nur an sie glaubt. Alles, was man dafür braucht, sind Fantasie, gute Freunde und ein Blatt. Oder zwei. Oder drei. Ein augenzwinkerndes Geschenk für alle, die wie Bo die Sammelleidenschaft packt und die gerne in der Natur sind.

Rezension  

Sie faszinieren uns jedes Jahr mit ihrer herbstlichen Farbenpracht und laden zum Basteln, Toben und Staunen ein: die bunten Blätter, die sich an den Laubbäumen färben und im Wind umherwirbeln. Nachdem sich Lisa Gastager und Monika Suska in jeweils einem Buch bereits den Stöcken und Steinen gewidmet haben, stehen nun also die Blätter im Zentrum ihrer neuen Geschichte.

Das Laub in jahreszeitlich typischen Farben strahlt uns bereits kräftig vom Hardcover des großformatigen Bilderbuchs entgegen, in dessen Mittelpunkt der Protagonist im Blätterregen hüpft. Bo, der kleine Bär, liebt Blätter über alles und wir erfahren zunächst, was er mit ihnen alles erlebt. Da wird im Laubhaufen getobt, durch den Blätterregen getanzt und allerlei Tolles gebastelt.

Doch der Herbst bringt neben all den schönen Dingen immer kälteres Wetter mit sich und bald heißt es für Bo und einige seiner tierischen Freunde: Der Winterschlaf naht. Bo bedauert, in dieser Zeit nicht mit ihnen zusammen sein zu können. Eines Nachts hat der kleine Bär einen Traum: Er will Tausende Blätter sammeln, daraus ein gemütliches Schlaflager bauen und die Zeit des Winterschlafs gemeinsam mit den Freunden verbringen. Mutig macht sich Bo ans Werk, aber die Umsetzung seiner Idee gestaltet sich schwieriger als gedacht. Ob aus seinem Traum Wirklichkeit wird?

In fröhlichen Reimen präsentiert uns Autorin Lisa Gastager eine heitere und gemütliche Herbstgeschichte, welche an die kindliche Lebenswelt anknüpft und all das impliziert, was Kinder am Herbst mögen. Gastager beschreibt in wohlklingenden Paarreimen verständlich und für Kinder ab vier Jahren gut nachvollziehbar den Handlungsverlauf, wobei der Text in Versform und kleiner Schriftgröße auf den einzelnen Seiten eher zurückhaltend auftritt.

Deutlich im Vordergrund stehen die großflächigen, strahlend bunten Illustrationen von Monika Suska, die sich meist über eine Doppelseite erstrecken. Die im Text beschriebenen Situationen werden hier in lustigen, mit liebevollen Details versehenen Szenen dargestellt. Durch die „Vermenschlichung“ der tierischen Figuren auf den Bildern können die Kinder das Geschehen auf eigene Erfahrungen beziehen und sich gut in die Handlung einfühlen.

Inhaltlich bietet das Buch allerlei, da man sich einerseits über die schönen Seiten des Herbstes mit den Kindern unterhalten kann, andererseits auch über Themen wie den Winterschlaf, Freundschaft, die Verwirklichung von Träumen oder die Anstrengungsbereitschaft, etwas für andere zu tun.

Wie auch in den vorhergehenden Büchern der „Sammelglück“-Reihe (Stöcke, Steine) gefällt mir auch hier besonders der Fokus auf vermeintlich unscheinbare, beliebige Naturmaterialien (Blätter) und deren Potenzial, wenn man sich darauf einlässt, näher hinzuschauen. Dieser spezielle Blick geht im Alltag oft verloren und kann durch die schöne Geschichte wieder neu geschärft werden.

Ich empfehle das rundum gelungene Buch für das gemeinsame herbstliche Vorlesen und Betrachten zu Hause, in der Kita und in den unteren Klassen der Grundschule.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Ein lustiges, kreatives Herbstbuch

Stock und Stein


Anne-Kathrin Behl


  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3833911453
  • Erscheinungstermin: 03.08.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag:  Baumhaus

Covertext

Stock und Stein haben es sich in ihrer Jackentasche so richtig schön gemütlich gemacht. Da staunen sie nicht schlecht, als unter ihrer Taschentuchdecke plötzlich eine mies gelaunte Stimme zu hören ist. Der Neuankömmling stellt sich als Kastanie vor, und ihr passt es so gar nicht, dass sie in der Jackentasche gelandet ist. Schließlich war sie zu viel Größerem bestimmt!Ein Einhorn, ein Igel oder gar ein Drache wollte sie sein. Statt verbastelt zu werden, schrumpelt sie nun vor sich hin! Doch Stock und Stein haben kaum Zeit, Kastanie zuzuhören, denn - schwuppdiwupp - füllt sich die Tasche immer weiter - mit Eicheln, Zapfen und Blättern.So hatten sich die beiden Freunde das nicht vorgestellt!

Rezension  

Was ist der Herbst doch für eine aufregende Jahreszeit für kleine Jäger und Sammler! Da gibt es nicht nur die üblichen Stöcke und Steine zu finden, sondern allerlei andere Dinge wie Kastanien, Eicheln, Bucheckern und mehr. Stück für Stück wandert in die kindliche Jackentasche und was die herbstlichen Fundstücke dort erleben, das erfahren kleine Bilderbuchfreunde ab vier Jahren in dem neuen Band von Stock & Stein.

Der Untertitel Eine Tasche voller Herbst und das jahreszeitlich perfekt passende Cover lassen es bereits erahnen: Die beiden Protagonisten Stock und Stein bleiben in der gemütlichen Jackentasche, die sie bewohnen, nicht lange allein. Als sie unter ihrer Decke liegen, die eigentlich nur ein Papiertaschentuch ist, und in Erinnerungen schwelgen, stößt eine Kastanie zu ihnen. Die mag es gar nicht in der Jackentasche und hat ständig Angst zu verschrumpeln. Auch eine Eichel kommt hinzu und Stock und Stein freuen sich über den neuen Besuch mit dem interessanten Hut. Als auch noch Tannenzapfen, Ahornpropeller, Bucheckern, Hagebutten und Blätter dazukommen, wird es Stock und Stein zu eng. Mit heimeliger Gemütlichkeit hat das nicht mehr viel zu tun.

Zum Glück leert jemand die Tasche und nur die beiden „Hausherren“ bleiben zurück. Und obwohl sich die Ruhe und der Freiraum toll anfühlen, machen sich Stock und Stein Sorgen um all die anderen. Was wohl aus ihnen geworden ist?

Mit dieser tollen Bildergeschichte hat Autorin Anne-Kathrin Behl ein lustiges, kreatives Herbstbuch geschaffen, welches die Fantasie beflügelt und nicht nur kleine Leute zum Lachen bringt. Obwohl die bunten Illustrationen einerseits wie im klassischen Bilderbuch ein bis zwei Seiten in Anspruch nehmen, erinnert die Aufmachung andererseits sehr an einen simpel gehaltenen Comic mit wenigen, übersichtlichen Panels auf einer Seite und den typischen Sprechblasen, die je nach Figur eine andere Farbe haben.

Die Geschichte lebt vom Dialog der Figuren und den einfachen, aber wirkungsvollen farbigen Zeichnungen. Der Text innerhalb der Sprechblasen besteht oft nur aus wenigen Wörtern und bildet mitunter keinen vollständigen Satz. Dies sehe ich allerdings nicht als Kritikpunkt, denn das kindliche Lesepublikum bzw. die Zuhörenden bekommen so selbst Gelegenheit, sich zur abgebildeten Situation zu äußern.

Während des Lesens ergeben sich daher nicht nur einige Gesprächsanlässe, sondern auch Ideen für herbstliche Basteleien. Das Buch eignet sich prima zum Einstieg in dieses Thema. Bereits im Vorsatz sowie im Verlauf der Geschichte werden immer wieder Vorschläge eingeflochten, was man aus den gefundenen Naturmaterialien kreieren kann. Auch der im Anhang befindliche QR-Code liefert hierfür zusätzlichen Input. So steht dem kreativen Gestalten mit den Kindern nichts mehr im Weg.

Das Buch bietet zudem den vorlesenden Erwachsenen die Möglichkeit, während des Lesens viel mit Betonung und Mimik zu arbeiten und der Geschichte dadurch noch etwas mehr theatralischen Pepp zu verleihen. Unsere Familie ist inzwischen zur absoluten Fangemeinde der sympathischen Charaktere geworden und freut sich schon auf weitere Bücher mit Stock und Stein.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Interessantes, unterhaltendes und wichtiges Buch

Stunden wie Tage Shelly Kupferberg Altersempfehlung: ab 16 Jahren ISBN:   978-3257073485 Erscheinungst...