Sonntag, 11. Oktober 2026

Oxford, Märchen und Slow-Burn-Romance

Footnotes of Fairytales


Merit Niemeitz

  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • ISBN: 978-3736326743
  • Erscheinungstermin: 17.08.2026
  • Seiten: 512
  • Verlag: LYX

Covertext

Es war einmal in Oxford ...

Die einzigen Liebesgeschichten, die für Brielle zählen, sind die in den Märchen, denen sie sich in ihrer Doktorarbeit in Oxford widmet. Sie meidet jede Ablenkung von ihrer Promotion, insbesondere Coben Bronte. Coben ist beliebt, von sich selbst überzeugt und der Doktorand, mit dem sich Brielle einen Bibliothekstisch teilt - und sonst nichts. Bis sie dringend Geld benötigt und mit Coben um die Leitung eines Seminars konkurriert. Als aus dem Wettstreit plötzlich ein unerwarteter Deal wird, lernen die beiden neue Seiten aneinander kennen und kommen sich immer näher. Doch so sehr Brielle Coben auch vertrauen will, sie weiß nur zu gut: Ein Happy End gibt es nur im Märchen. Oder?

Rezension 

Footnotes of Fairytales von Merit Niemeitz hat mich vor allem wegen des Oxford-Settings und der Märchenthematik neugierig gemacht. Eine Romance zwischen zwei Doktoranden, die sich eigentlich nicht ausstehen können? Das klang nach einer richtig guten Academic Romance.

Leider bin ich ziemlich schwer in die Geschichte hineingekommen. Der Schreibstil ist zwar wunderschön und poetisch, aber für meinen Geschmack auch viel zu langsam. Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, dass irgendwie der rote Faden fehlt. Es werden viele Gedanken, Gefühle und kleine Details beschrieben, aber die eigentliche Handlung kommt kaum voran. Teilweise wusste ich gar nicht so richtig, worauf die Geschichte hinauswill.

Was mir dagegen richtig gut gefallen hat, war die Atmosphäre. Oxford mit seinen Bibliotheken, dem Campus und den vielen Märchenbezügen hatte definitiv Cozy Vibes. Besonders schön fand ich, wie Brielle selbst in alltäglichen Dingen etwas Magisches entdeckt. Gleichzeitig konnte ich ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen. Sie zieht sich sehr zurück und macht es einem dadurch nicht gerade leicht, sie kennenzulernen.

Coben mochte ich dagegen ziemlich schnell. Er ist ehrgeizig, aber auch aufmerksam, und gerade seine kleinen Gesten fand ich süß. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich als Slow Burn, was grundsätzlich gut zu ihnen passt. Trotzdem hätte ich mir zwischendurch einfach etwas mehr Handlung gewünscht.

Und dann kommt dieses Ende! Nachdem sich die Geschichte so viel Zeit gelassen hat, passiert plötzlich unglaublich viel Drama. Das wirkte auf mich etwas erzwungen und passte nicht richtig zur vorherigen Entwicklung.

Insgesamt mochte ich die märchenhafte Atmosphäre und die Idee hinter dem Buch. Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht vollständig packen. Für mich war es einfach zu viel Slow und zu wenig Burn.

Für Euch gelesen und rezensiert

Kitty Myst

Dienstag, 29. September 2026

Interessantes, unterhaltendes und wichtiges Buch

Stunden wie Tage

Shelly Kupferberg
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • ISBN: 978-3257073485
  • Erscheinungstermin: 25.03.2026
  • Seiten: 172
  • Verlag: Diogenes

Covertext

Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.

Rezension  

Ein altes Mietshaus in Berlin-Schöneberg und alte, oft auf wahren Tatsachen beruhende Geschichten aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts veranlassten Autorin Shelly Kupferberg zu ihrem Roman Stunden wie Tage. Sie beschreibt die Lebensgeschichte von Martha, die auch im hohen Alter noch dieses Haus bewohnt, durch den Kiez streift und um die sich viele Erzählungen ranken. Sie soll angeblich Millionärin sein und ihr Reichtum auf Beziehungen zu den Nazis beruhen. Doch war es tatsächlich so?

Ihre etwas eigene, jedoch stringente Art bringt der jungen Martha weit vor dem Zweiten Weltkrieg eine Stelle als Hausbesorgerin in dem Haus ein, welchem sie sich lebenslang verbunden fühlt. Sie kümmert sich fortan um alle Belange der Mieter und baut auch eine Beziehung zu den Hausbesitzern Berkowitz auf, einem jüdischen Geschäftsmann mit Familie. Mit dem Erstarken der Nationalsozialisten werden die Lebensumstände für alle anders, aber für Herrn Berkowitz wird die Lage lebensbedrohlich. Gelingt eine rechtzeitige Flucht?

Seine Adoptivtochter Liane, die für Martha wie eine Tochter und nicht jüdischen Glaubens ist, schließt sich dem Widerstand an. Trotz des tobenden Krieges erlebt Liane ihre erste Liebe und Martha unterstützt sie stets. Immer schlimmer ziehen der Krieg und die Schikanen der Nazis ihre Kreise, sodass Martha Entscheidungen treffen, Emotionen und Verluste verarbeiten sowie im Nachhinein Dinge akzeptieren muss. Dieser Roman umfasst ein ganzes, langes Leben mit all seinen Dramen und Höhenflügen, die nachdenklich, betroffen, einsichtig und ein Stück weit auch demütig machen.

Shelly Kupferberg beschreibt in 56 Kapiteln sehr unterschiedlicher Länge nicht nur das Leben der Protagonistin Martha, sondern in wechselnder Intensität auch das ihrer Mitmenschen. Gleichzeitig ist der Roman ein Zeugnis der Zeit, in der er hauptsächlich spielt (vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg). Dabei geht Kupferberg nicht immer chronologisch vor, sondern bedient sich vor allem im zweiten Teil des Buches auch Rückblenden. Dadurch werden einige Ereignisse der Handlung deutlicher und nachvollziehbarer.

Die Kapitel erzählen nicht durchweg die Handlung, sondern sind mitunter kleine Geschichten von Begebenheiten mit größerem Zeitabstand, die zum Verständnis des großen Ganzen beitragen oder einzelne Details bzw. Geschehnisse beschreiben, durch welche die Leserschaft einen intensiven Eindruck von den Emotionen und Beziehungen einzelner Personen bekommt.

Der Schreibstil Kupferbergs sowie ihre Art, die Handlung aus den einzelnen Geschichten der Kapitel zusammenzusetzen, haben mir sehr gefallen. Die Profilierung der Hauptcharaktere ist gelungen und ihre Gefühle, Stimmungen sowie Beweggründe sind gut nachvollziehbar. Der Roman wartet mit einer sich stetig steigernden Spannung und einigen unerwarteten Wendungen auf, wodurch er sich rasch lesen ließ.

Es ist nicht unbedingt ein außergewöhnliches, aber dennoch interessantes, unterhaltendes und auch wichtiges Buch, welches einmal mehr verdeutlicht, welche Höhen und Tiefen in der Biografie jedes Einzelnen stecken und wie schwer die Last von Entscheidungen wiegen kann. Ich empfehle das Buch allen interessierten Lesenden ab ca. 16 Jahren.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Rundum gelungen, vor allem zum Vorlesen

Wir Kinder vom Bolzi

Veronika Wiggert / Susanne Göhlich
  • Altersempfehlung: ab 5 Jahren
  • ISBN: 978-3458645931
  • Erscheinungstermin: 27.04.2026
  • Seiten: 128
  • Verlag: Thienemann

Covertext

Jeden Tag treffen sich Mika, Cem, die Zwillinge Lilli und Sophie, Samira, Luis, Tafari, Yael, Timon, Milan und Ella auf ihrem geliebten Bolzplatz. Hier sind sie ein Team – auch wenn sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch als Oskar und seine Bande auftauchen und die Jüngeren vertreiben wollen, ist klar: Jetzt zählt nur noch Zusammenhalt! In einem großen Match zeigen die Kinder vom Bolzi, was echte Freundschaft und Fairness bedeuten – und dass ihr Bolzplatz für alle da ist.

Rezension  

Für viele Kinder, die Fußball mögen, ist der Bolzplatz ein beliebter Treffpunkt und Zentrum eines gemeinsamen Miteinanders. Doch nicht nur die Liebe zum Spiel wird hier geteilt, sondern auch Zwischenmenschliches spielt sich auf dem „Bolzi“ ab. Da werden Freundschaften geschlossen, sportliche Kämpfe ausgetragen, Erfolge gefeiert, aber auch Niederlagen verkraftet und Streitereien geschlichtet.

Diese Themen hat Autorin Veronika Wiggert in ihrem Buch aufgegriffen und erzählt in 12 Kapiteln die Geschichten der Kinder vom Bolzi. Dabei ist jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen Kindes geschrieben. Da ist z. B. Mika, der super gut spielen, aber schlecht verlieren kann und oft Stress mit seinem Bruder hat. Oder die Zwillinge Sophie und Lilli, die sich in Geheimsprache verständigen und ihr Umfeld auch gern mal mit ihrem ähnlichen Aussehen verwirren. Muska ist erst seit Kurzem in Deutschland und noch etwas schüchtern, doch schnell wird sie, wie in ihrer Heimat Afghanistan, Teil des Fußballteams.

Mit jedem Kapitel lernen die Lesenden bzw. Zuhörenden die Bolzi-Bande näher kennen und auch die übergeordnete Handlung schreitet weiter voran. Nachdem sich die Gruppe der fußballbegeisterten Kids vergrößert hat und noch ein bellendes Maskottchen namens Pepe dazugekommen ist, bahnt sich Ärger an. Die älteren Jungs machen den Kindern vom Bolzi ihren Platz streitig und ein alles entscheidendes Match steht an. Wer wohl den Bolzi für sich gewinnen kann?

Alle interessierten Fußballfans ab ca. fünf Jahren werden mit diesem tollen Buch zum Vor- und Selbstlesen große Freude haben. Veronika Wiggert hat mit unterschiedlichen, sympathischen Charakteren und lebensnahen Begebenheiten eine authentische Story rund um den Bolzplatz geschaffen, die sich aber nicht ausschließlich auf diesen beschränkt. Auch die Schule, verschiedene familiäre Situationen und eine Menge Emotionen sind zentrale Themen, die im Buch bearbeitet werden. Erfolg und Misserfolg, Angst und Mut, Begeisterung und Traurigkeit sowie viele weitere Gefühlslagen finden sich altersentsprechend formuliert in den Geschichten wieder.

Der Text beschreibt das Geschehen gut verständlich aus einer allwissenden Erzählerperspektive im Präsens, wodurch Handlungen und Emotionen von der jungen Leserschaft angemessen nachvollzogen werden können. Die Kapitel sind mit ca. 8–10 Seiten Text für die Zielgruppe recht umfassend, wobei die farbigen Illustrationen eher sparsam eingesetzt sind und sich daher zurücknehmen.

Die Bilder von Susanne Göhlich erstrecken sich mitunter über eine ganze Seite, oft sind sie jedoch als auflockerndes Element in kleinerer Form zu entdecken. Die Kinder vom Bolzi werden im Vorsatz bildlich und namentlich in Action beim Fußballspiel vorgestellt, sodass man immer wieder nachschauen kann, um wen es im jeweiligen Kapitel geht. Die Illustrationen greifen Szenen aus dem Text auf und sind insgesamt freundlich und bunt gestaltet.

Positiv hervorzuheben ist die Bandbreite an verschiedenen Charakteren, die Wiggert hier erschaffen hat. Kinder mit unterschiedlicher Herkunft, Persönlichkeit und familiärem Umfeld sind auf dem Bolzi anzutreffen und gehen gemeinsam durch dick und dünn. Die bunte Mischung aus Jungen und Mädchen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen macht das Buch besonders, da viele Bücher zum Thema Fußball oft eher für Jungs konzipiert werden.

Ich empfinde Die Kinder vom Bolzi als rundum gelungen, vor allem zum Vorlesen.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Bildhaft, poetisch, märchenhaft

Sie flogen einen Sommer lang

Penelope Farmer /  Barbara Yelin
  • Altersempfehlung: ab 9 Jahren
  • ISBN: 978-3458645931
  • Erscheinungstermin: 19.05.2026
  • Seiten: 156
  • Verlag: Insel Verlag

Covertext

Charlotte und ihre kleine Schwester Emma träumen davon, fliegen zu können. Und tatsächlich wird ihr Wunsch wahr, als sie eines Tages auf dem Schulweg einem Jungen begegnen, der ihnen das Fliegen beibringt. Die beiden sind begeistert, denn mit ein wenig Übung können sie ebenso am Himmel schweben wie die Vögel. Als der Junge sogar ihrer ganzen Klasse das Fliegen lehrt, nimmt der Sommer eine außergewöhnliche Wendung: Gemeinsam fliegen sie alle ans Meer, veranstalten Picknicks und gleiten im Mondlicht über die Wälder. Doch die nachdenkliche Charlotte ahnt, dass der Junge etwas verbirgt. Denn keiner der Erwachsenen kann ihn sehen. Und als der Sommer sich dem Ende neigt, enthüllt der Junge ein Geheimnis, das alles verändern wird …

Rezension  

Den Traum vom Fliegen hat wohl jeder Mensch schon einmal verspürt. Für die Kinder eines kleinen britischen Dorfes wird er in diesem Sommer wahr. Die Schwestern Charlotte und Emma leben mit ihrem Großvater, einer Haushälterin und dem Gärtner in einer alten Villa. Eines Tages begegnen sie einem seltsamen Jungen ohne Namen, den nur die Mädchen sehen können. Er verspricht den Schwestern, dass er ihnen das Fliegen lehrt.

Nachdem Charlotte und Emma tatsächlich durch die Lüfte schweben können, bringt der Junge es auch allen Kindern des Dorfes bei. Eine Bedingung gilt jedoch: Niemand darf von dem Geheimnis des Fliegens erfahren! Bald haben die Kinder nichts anderes mehr im Kopf. Sie tricksen die Erwachsenen aus, treffen sich heimlich und genießen ihre neu erlernte Fähigkeit. Schier endlos liegen die Sommerferien vor ihnen.

Doch schon bald entsteht eine erste Konkurrenz, die Dynamik der Kindergruppe verändert sich und zwei Lager bilden sich. Ein Duell in der Luft soll entscheiden, ob der unbekannte, geheimnisvolle Junge oder ein Junge aus dem Dorf der Anführer der Kinder wird. Gleichzeitig geht es darum, das Geheimnis des fliegenden Jungen zu lüften. Wie wird der Sommer enden?

Dieser Klassiker der britischen Kinderliteratur wurde 1962 von Penelope Farmer geschrieben und nun von Claudia Feldmann neu übersetzt. Der Klappentext sowie das in sommerlichen Farben aquarellartig gestaltete Cover machten mich neugierig und ich wollte gern erfahren, was es mit dieser Geschichte auf sich hat. Das Buch ist in drei Teile mit unterschiedlicher Kapitelanzahl gegliedert, wobei der zweite Teil am umfänglichsten ist.

Der bildhafte Schreibstil der Autorin, welcher sich einer gewählten, teilweise poetisch beschreibenden Ausdrucksweise bedient, erzeugt ab der ersten Seite eine magische Stimmung, ohne zu übertreiben. Die Bilder, welche Penelope Farmer mit ihren Worten erzeugt, transportieren die Stimmung der Personen und Orte sowie die Weite des unendlich scheinenden Sommers und der Freiheit des Fliegens auf eine wunderschöne Weise. Obwohl sich die Geschichte fantastischer Elemente in Form des Fliegens und der Unsichtbarkeit des Jungen bedient, wirkt sie nicht unrealistisch, sondern eher märchenhaft.

Unterschwellig gelingt es der Autorin, eine sich dezent steigernde Spannung aufzubauen, welche Neugier auf den Ausgang der Geschichte weckt. Dabei schreitet die Handlung nicht rasant voran, sondern lässt Gelegenheit für ein Innehalten und das Entstehen eigener Gedankenbilder. Die wenigen, schwarz-weiß und grau schattierten und nicht in allen Einzelheiten dargestellten Illustrationen von Barbara Yelin nehmen den magischen Charakter der Geschichte auf und lassen ebenso Spielraum für die eigene Fantasie. Die Bilder geben dafür passende Impulse.

Beim Lesen waren die Emotionen innerhalb der Handlung für mich gut nachvollziehbar und schnell zeichnete sich eine leichte Melancholie ab, welche bis zum Ende anhielt. Diese bildet mit dem Inhalt der Geschichte in meinen Augen eine perfekte Einheit, da es thematisch um die kindliche Freiheit und Unbeschwertheit sowie das Erwachsenwerden geht. Das Buch ist ein wunderbares Sinnbild für den Übertritt vom träumerischen Kindsein hin zur Ernsthaftigkeit der Erwachsenenwelt und den damit verbundenen Schmerz bzw. die Vergänglichkeit, die der scheidende Sommer widerspiegelt.

Da vieles nicht ausformuliert ist und Interpretationsspielraum lässt, empfehle ich das Buch erst ab frühestens 10 Jahren und halte es auch für Erwachsene sowie als Klassenlektüre für geeignet.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Für alle kleinen und großen Schnüffelnasen

Kommissar Pfote ermittelt


Katja Reider / Dirk Hennig
  • Altersempfehlung: ab 7 Jahren
  • ISBN: 978-3743221758
  • Erscheinungstermin: 12.03.2026
  • Seiten: 144
  • Verlag: Loewe

Covertext

Was macht ein Polizeihund nach Feierabend?
Ganz klar: Pepper und seine Kollegen lösen als Privatdetektive weitere Fälle. Natürlich auf eigene Faust, äh Pfote. Gerechtigkeit endet schließlich nicht nach Dienstschluss!

Warum trägt Rosies Herrchen seine kleine Zwergpudeldame plötzlich nur noch auf dem Arm herum? Da stimmt doch was nicht. Der alte Charlie, seines Zeichens Polizeihund im Ruhestand und Chef der Detektei mit Wau, pfeift sein Team zusammen. Ob Pepper, Lulu und Harras herausfinden, was da los ist?

Rezension  

Nach 9 erfolgreichen Bänden über Polizeihund Pepper alias „Kommissar Pfote“, in denen dieser mit seinem menschlichen Kollegen Paul Kriminalfälle löst, hat Autorin Katja Reider nun eine weitere Reihe mit dem beliebten Hund ins Leben gerufen. In Kommissar Pfote ermittelt erfahren die jungen Lesenden, was Pepper nach Dienstschluss so treibt. Er arbeitet nämlich mit anderen Polizeihunden gemeinsam an weiteren Fällen in einer eigenen Detektei.

In Band 1 Schnüffler mit Schnauze gehen die lesenden Kinder mit Pepper, Lulu, Harras und Charlie auf Spurensuche. Die vier Hunde haben erfahren, dass in ihrem Viertel einige Hundehalter kaum noch mit ihren Lieblingen rausgehen, sie nicht mehr von der Leine lassen und mit Argusaugen bewachen. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu! Dank ihrer trickreichen Ermittlungen kommen die Hunde einem fiesen Erpresser auf die Spur. Wird es Pepper und seinen Freunden gelingen, ihn zu stellen, damit ihre Freunde wieder frei im Park herumtoben können?

Das Buch unterscheidet sich optisch von den bisherigen Bänden, ist etwas kleiner, dafür aber umfangreicher. Auch der Aufbau ist anders gestaltet, da es weder Kapitel noch einen fortlaufenden Text gibt. Wie bisher werden zunächst die Hauptcharaktere (hier ausschließlich Hunde) steckbriefartig vorgestellt, bevor sich die Lesenden direkt ins Geschehen stürzen.

Kommissar Pfote erzählt die Geschichte wie üblich aus seiner Perspektive, die Beschreibung der Handlung durch ihn erfolgt jedoch nur flankierend. In der Hauptsache besteht der Text nämlich aus den Dialogen der Figuren, was sehr an einen Comic erinnert. Dabei wird zwar nicht mit Sprechblasen und einzelnen Panels gearbeitet, wohl aber mit Schriftart, -größe, Denkblasen, Soundwords und einer lustigen Bildsprache.

Meist erstreckt sich eine Szene über eine Doppelseite, auf welcher die Handlung durch eine gelungene Kombination aus Text und Bild verständlich und mit erkennbarem Spannungsbogen vorangetrieben wird. Mir persönlich fiel es teilweise schwer, die einzelnen, von den handelnden Hunden gesprochenen Texte in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Hier könnte es eventuell zu Orientierungs- oder Verständnisproblemen seitens der Lesenden kommen.

Die Illustrationen von Dirk Hennig dominieren das Buch und verdeutlichen das Geschehen auf gewohnt witzige Weise. Für Kinder ab etwa acht Jahren, die vielleicht nicht gern lesen oder sich von kompakten Volltexten überfordert fühlen, ist dieses motivierende Detektivabenteuer genau richtig. Der Text ist kurzweilig und überschaubar, die Bilder laden zum Suchen und Entdecken ein und letztendlich gilt es für alle kleinen und großen Schnüffelnasen, einen spannenden Fall zu lösen.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

 

Jeder Mensch ist einzigartig

Toto


Hyewon Yum
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3968260648
  • Erscheinungstermin: 11.02.2026
  • Seiten: 48
  • Verlag: von Hacht

Covertext

Was macht man mit einem seltsamen Ding, das einfach so im Wald liegt? Die kleine Maus und ihre Freunde wissen es sofort: Man spielt damit! Aus einem einfachen Karton wird ein Schiff, ein Flugzeug, ein Haus – und noch so viel mehr. Mit Fantasie und Neugier entdecken die Tiere, was alles möglich ist, wenn man gemeinsam träumt. Dieses liebevoll illustrierte Bilderbuch feiert die Kreativität und zeigt, wie aus Alltäglichem große Abenteuer entstehen. Perfekt zum Vorlesen, Staunen und Immer-wieder-Anschauen!

Rezension  

Jeder Mensch ist einzigartig, sowohl in seinem Wesen als auch hinsichtlich seines Äußeren. Kleine oder größere „Special Effects“ machen uns individuell und zu etwas Besonderem, sei es ein Leberfleck, eine spezielle Haar- oder Augenfarbe, eine Pigmentstörung oder ein abstehendes Ohr.

Doch wie gehen Kinder damit um, wenn sie an sich selbst ein körperliches Extra wahrnehmen, das auch anderen auffällt? Dieses Thema greift die Autorin Hyewon Yum aufgrund persönlicher Erfahrungen in ihrem Bilderbuch Toto auf. Der Titel ist dabei nicht etwa der Name der Protagonistin, sondern der ihres Muttermals. Das namenlos bleibende kleine Mädchen trägt das pink leuchtende, große Mal auf ihrer Stirn und teilt mit den Lesenden ihre Gedanken und Gefühle dazu.

Oft fühlt sich das Mädchen unsicher, teils sogar beschämt angesichts der Reaktionen ihres Umfeldes. Warum starren die Leute sie immer so an? Wieso schauen manche nur auf Toto statt auf sie? Wie sie wohl ohne Toto aussehen würde? Ihre Familie gibt ihr Halt, denn viele vertraute Personen haben wundervolle Erklärungen und Beschreibungen für Toto.

Als das Mädchen eingeschult wird, kaschiert Mama Toto mittels einer neuen Frisur. Dadurch gewinnt die Kleine an Selbstvertrauen und lernt schnell eine Freundin kennen. Die Kinder werden unzertrennlich, doch als die Freundin beim Spielen zufällig Toto entdeckt, kommen Unsicherheit, Angst, Wut und Scham plötzlich zurück. Die Macht der Freundschaft ist jedoch groß und anhand der freundlichen, wohlwollenden und annehmenden Haltung der Freundin wird dem Mädchen klar: Toto gehört zu ihr und macht sie nicht nur besonders, sondern als Mensch unverwechselbar und einzigartig perfekt.

Mit einer interessanten, zum sensiblen Thema passenden Kombination aus einem reduzierten, klar verständlichen Text und ausdrucksstarken Bildern gelingt es der Autorin, eine emotionale Verbindung zur Protagonistin aufzubauen und sich in sie hineinzuversetzen. Obwohl auf jeder Seite nur wenige Sätze oder Fragen zu finden sind, können die Handlung sowie die Gedanken und Befindlichkeiten der Figuren sehr gut nachvollzogen werden. Dies liegt vor allem an den grafischen, in Schwarz-, Weiß- und Grautönen gehaltenen Illustrationen von Hyewon Yum.

Lediglich Toto, das Muttermal, tritt leuchtend pink deutlich in den Vordergrund. Die Bilder transportieren die leisen Zwischentöne, die im Text ungesagt bleiben, und geben viel Spielraum für eigene Gedanken zum Thema. In der schlichten Schönheit des Buches steckt viel Potenzial zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Kindern ab einem Alter von etwa vier Jahren.

Die jungen Menschen erfahren, dass Äußerlichkeiten zuweilen auffällig sein können, eine Person aber nicht ausschließlich definieren. Betroffene Kinder werden dadurch in ihrer Individualität sowie ihrem Selbstbild gestärkt. Das Bilderbuch macht Mut, sich so anzunehmen, wie man ist, und verdeutlicht wunderbar, dass Äußerlichkeiten vor allem in den Augen unserer Lieblingsmenschen keine Rolle spielen.

Ich empfehle dieses behutsame und gleichzeitig starkmachende Buch für alle Kinder, die aufgrund eines vermeintlichen Makels manchmal an sich zweifeln und eine kleine Extraportion Selbstvertrauen brauchen. Zudem können gruppendynamische Prozesse innerhalb einer Kindergruppe (z. B. Hänseleien o. Ä.) sehr gut thematisiert und bearbeitet werden.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Was kann alles aus einem Kraton entstehen

Was ist denn ein Kattonk?


Brigitte Sidjanski /  Bernadette
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN:978-3522462846
  • Erscheinungstermin: 25.02.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag: Thienemann

Covertext

Was macht man mit einem seltsamen Ding, das einfach so im Wald liegt? Die kleine Maus und ihre Freunde wissen es sofort: Man spielt damit! Aus einem einfachen Karton wird ein Schiff, ein Flugzeug, ein Haus – und noch so viel mehr. Mit Fantasie und Neugier entdecken die Tiere, was alles möglich ist, wenn man gemeinsam träumt. Dieses liebevoll illustrierte Bilderbuch feiert die Kreativität und zeigt, wie aus Alltäglichem große Abenteuer entstehen. Perfekt zum Vorlesen, Staunen und Immer-wieder-Anschauen!

Rezension  

Für viele Kinder ist ein leerer Karton oft mehr als das: Sie haben tausend Ideen, was man daraus alles bauen oder womit man spielen kann. Da entstehen Fahrzeuge, Gebäude, Möbel, Tiere und viele weitere kreative Dinge. Ein Karton ist auch zentraler Gegenstand in diesem Bilderbuch, welches von Erfolgsautorin Sabine Bohlmann geschrieben und von Emilia Dziubak illustriert wurde.

Nur wissen die Tiere, die den Karton entdecken, gar nicht, dass es sich bei ihrem Fundstück um einen Karton handelt. Ob Maus, Opossum, Frosch oder Bär: Jedes Tier hat eine andere, ganz eigene Vorstellung davon, was da vor ihm steht. So verwandelt sich der Karton in den Augen der Tiere spielerisch in ein Schiff, ein Flugzeug oder ein Haus. Mit genug Fantasie ist eben alles möglich und das gemeinsame Spiel macht richtig Spaß. Doch dann kommt die kluge Großstadttaube und klärt die Tiere über die wahre Bedeutung des pappigen Gegenstands auf. Wird damit das fantasievolle Spiel der Tiere etwa beendet? Oder lässt sich die Taube davon mitreißen?

Die Idee der Autorin, das kindliche Spiel mit einem leeren Karton thematisch aufzugreifen und auf die Welt der Tiere zu übertragen, finde ich witzig und sehr gut umgesetzt. Der Text vermittelt dem jungen Lesepublikum verständlich die Handlung, wobei vor allem die tierische Diskussion um den nicht ganz einfachen Begriff „Karton“ sehr lustig gestaltet ist. Dieser wird nämlich als Kattonk oder Kattakatong bis hin zum Kawas(?) bezeichnet, während die Taube den Tieren den korrekten Begriff beibringen will. Hier kann man als Vorlesender super mit Stimme und Mimik spielen, um die Kinder zu begeistern.

Durch die Erklärung der Taube wird deutlich, dass ein Karton an sich unspektakulär und in seiner eigentlichen Funktion eingeschränkt, wenn nicht sogar fragwürdig ist (er dient dem Transport von Dingen von A nach B und wird dann weggeworfen). Darüber zeigen sich die Tiere enttäuscht. Schließlich stellt die tierische Gemeinschaft fest: Mit Fantasie und kreativem Spiel macht das Leben gleich viel mehr Spaß.

Das Lesen bzw. Vorlesen des Bilderbuches macht viel Spaß und lädt die Kinder ein, selbst einmal darüber nachzudenken, was alles aus einem Karton entstehen kann. Unterstützt wird die Geschichte durch die freundlichen, farbigen Illustrationen. Sie umfassen ein bis zwei Seiten, umrahmen meist den Text und geben den Hauptinhalt bildlich wieder. Text und Bild harmonieren sehr gut miteinander.

Ich empfehle das Buch für ein vergnügliches Lesen zu Hause oder in Kita und Grundschule ab einem Alter von vier Jahren.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Ruhiges, harmonisches Buch

Der Fluß


Brigitte Sidjanski /  Bernadette
  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3314107672
  • Erscheinungstermin: 08.04.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag: Nord Süd

Covertext

Manchmal findet sich eine neue Heimat am Wegesrand

Hoch oben in den Bergen plätschert Wasser aus einer Quelle. Aus dem Rinnsal wird ein Bach, der munter zu Tal fließt und fünf Lärchenzapfen auf eine abenteuerliche Reise mitnimmt. Sie überwinden Wasserfälle, durchqueren Täler und Städte, und immer wieder entdeckt einer der Zapfen einen Ort, wo es ihm gefällt und er ein Zuhause findet. Bevor der letzte Zapfen auf das endlose Meer hinaustreibt, spült ihn eine Welle ans Ufer. Was wird er dort erleben?

Rezension  

Als kleines, dünnes Rinnsal entspringt das Wasser zwischen den Felsen im Gebirge und begibt sich auf seine weite Reise talabwärts. Mit jedem Kilometer wird das Wasser mehr, verändert sich, wird vom Bach zum Fluss und mündet schließlich ins Meer. Doch nicht nur das Wasser ist unterwegs: Im Fluss treiben auch fünf Lärchenzapfen. Interessiert folgen sie dem Flusslauf, staunen über die sich wandelnde Landschaft und suchen einen Platz zum Verweilen. Nach und nach findet jeder Zapfen einen Ort, an dem er sich wohlfühlt und bleiben möchte. Ob die Reise für alle Zapfen glücklich endet und sie ein Zuhause finden?

Mit feinfühligen, ausgewählten und gleichzeitig ausdrucksstarken Worten erzählt die Autorin Brigitte Sidjanski von der Reise der Lärchenzapfen im Fluss, die sowohl Aufbruch als auch Ankommen symbolisiert. Dabei zeichnet sie nicht nur die Entstehung und den Verlauf eines Flusses bis zur Mündung ins Meer nach, sondern verleiht dem Ganzen durch die Präsenz der Lärchenzapfen eine dezente Spannung. Einer der Zapfen bleibt z. B. am Bachufer zurück, ein anderer macht es sich am Wasserfall gemütlich.

Poetisch, aber trotzdem altersentsprechend, ermöglicht die Autorin Kindern ab etwa vier Jahren, den scheinbar banalen Vorgang der dahintreibenden Zapfen zu einem Ereignis zu machen. Diese wirken fast ein wenig menschlich, wenn beschrieben wird, dass sie sich an einem Ort wohl oder verloren fühlen. Das Bilderbuch vermag es, den Blick auf die kleinen, nichtig wirkenden Dinge zu richten und darin das zu entdecken, was sie eigentlich sind: wahre Wunder der Natur.

Gegenüber dem Text nehmen die feingliedrigen, detailverliebten und in sanften Farben kolorierten Illustrationen von Bernadette Watts einen großen Raum ein. Die sanft wirkenden, naturnahen Bilder ergänzen harmonisch den Text und lassen viel Spielraum zum Betrachten, Suchen, Entdecken und Träumen. Sogar der Vorsatz gehört bildlich mit zur Erzählung und bildet dadurch eine gelungene Einstimmung bzw. den passenden Ausklang. Auch die Stimmungen, welche Brigitte Sidjanski mit ihren Worten erzeugt, werden in den ein- bis zweiseitigen Illustrationen lebendig.

Inhaltlich bietet das Buch verschiedene Ansätze, mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Einerseits kann das Sachthema Fluss damit begleitet werden, andererseits entstehen Möglichkeiten des Philosophierens über Herkunft, Unterwegssein, Ankommen und Heimat bzw. darüber, ein Zuhause zu finden. Das offen gestaltete Ende lädt besonders dazu ein.

Daher ist dieses schöne Bilderbuch, das bereits 2008 erstmalig erschien, sowohl für den pädagogischen Bereich als auch zum Vorlesen zu Hause geeignet. Mir gefällt dieses ruhige, harmonische Buch sehr gut und ich lese es immer wieder gern.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Oxford, Märchen und Slow-Burn-Romance

Footnotes of Fairytales Merit Niemeitz Altersempfehlung: ab 16 Jahren ISBN:  978-3736326743 Erscheinungstermin: 17.08.2026 Seiten: 512 Ver...