Altersempfehlung: ab 5 Jahren- ISBN: 978-3836963305
- Erscheinungstermin: 30.06.2025
- Seiten: 40
- Verlag: Gerstenberg
Covertext
Das Eichhörnchen und sein bester Freund Pok lieben es, der Amsel beim Singen zuzuhören. Aber eines Tages liegt der Vogel auf dem Weg und bewegt sich nicht. Ob er schläft? Zusammen mit Günther überlegen sie, was passiert ist. Irgendwann wird ihnen klar, dass die Amsel tot ist. Die Freunde machen das, was man machen muss, wenn jemand tot ist. Aber was muss man eigentlich machen? Auf jeden Fall braucht die Amsel weiter Schutz. Also bauen die drei einen großen Blätterhaufen mit einem Zapfen ganz oben. Aber reicht das? Nach und nach finden die Freunde ihren ganz eigenen Weg, den Tod des Lieblingsvogels zu bewältigen. Tallec erzählt mit Respekt, Witz und Leichtigkeit – realistisch und ermutigend.
Rezension
Bei jedem Kind kommt irgendwann die Frage nach dem Tod auf, sei es durch ein Erlebnis im Umfeld oder aus reiner Neugier. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle, zum Beispiel die Fragen, woran man erkennt, dass ein Lebewesen tot ist, oder wie man sich angesichts eines Todesfalls verhält.
Im Bilderbuch „Ist Amsel tot?“ tastet sich Autor Olivier Tallec behutsam und überaus einfühlsam über sympathische Charaktere an dieses sensible Themengebiet heran. Das kleine Eichhörnchen, dessen Name nicht genannt wird, durchstreift gemeinsam mit seinem Freund Pok, einem niedlichen kleinen Pilz, gern den Wald. Am liebsten sitzen die beiden auf der Wiese und lauschen dem bezaubernden Gesang der Amsel. Als sie dies eines Tages wieder tun möchten, finden sie den Vogel nicht. Sie suchen überall und entdecken die Amsel schließlich reglos am Boden liegend.
Zunächst gehen sie davon aus, dass die Amsel schläft. Doch weder langes Warten noch Berührungen oder laute Ansprache helfen, den Vogel zu wecken. Daraufhin holen Eichhörnchen und Pok die Maus Günther zur Hilfe, doch auch sie weiß keinen Rat. Die Freunde erkennen schließlich: Amsel ist tot. Ratlos stehen die drei beisammen und wissen nicht, was sie tun sollen. Jeder von ihnen erlebt andere Emotionen und entwickelt eigene Ideen, wie sie mit der Situation umgehen könnten. Trauer, Wut, Unverständnis und warme Erinnerungen wechseln sich ab, und es bleibt die Frage: Was ist richtig, was ist falsch?
Die Freunde bauen der Amsel eine Art Grab, sprechen ein Gedicht, erinnern sich an den schönen Gesang und benennen schließlich sogar die Wiese, auf der sie ihr einst lauschten, nach dem Vogel. Gern treffen sie sich dort, erinnern sich gemeinsam und lauschen bald darauf dem Gesang eines anderen Vogels.
Bei der Lektüre dieses Buches wird einem ganz warm ums Herz, denn Tränen und Lächeln liegen hier nahe beieinander. Olivier Tallec gelingt es mit wenigen Worten und reduzierten, aber dennoch ausdrucksstarken Illustrationen, ein sensibles Thema kindgerecht für Kinder ab etwa vier Jahren aufzubereiten. Viele Kinder in diesem Alter haben vermutlich schon einmal ein totes Tier am Straßenrand entdeckt und sich Fragen dazu gestellt. Mit der Wahl seiner Protagonisten greift Tallec somit ein Phänomen auf, das Kindern aus ihrer Lebenswelt vertraut ist.
Durch das langsame Erkennen des Todes der Amsel und den behutsamen Umgang der Freunde wird deutlich: Dem toten Tier gebührt Respekt, und alle Gefühle, die im Trauerprozess entstehen, sind erlaubt. Die Erkenntnis, dass es im emotionalen Umgang mit dem Tod eines geliebten Wesens weder richtig noch falsch gibt und jeder Mensch anders mit Verlust umgeht, wird in diesem Buch sehr gelungen vermittelt. Ohne zu erschrecken, mit einer Prise Humor und einem hoffnungsvollen Ausblick vermag es Tallec, die Scheu vor dem Tod ein Stück weit zu nehmen und ihn als Teil des Lebens begreifbar zu machen. Die großformatigen Bilder in warmen, herbstlich anmutenden Farben veranschaulichen Situationen und Emotionen eindrucksvoll. Ich mag dieses Buch sehr und empfehle es allen Eltern und Pädagoginnen, die mit Kindern sensibel und achtsam das Thema Tod behandeln möchten.
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