- Altersempfehlung: ab 14 Jahren
- ISBN: 978-3-948904-79-1
- Erscheinungstermin: 16.03.2026
- Seiten: 88
- Verlag: Jaja Verlag
Covertext
Selten hat mich ein Buch so wütend gemacht und gleichzeitig so berührt wie dieses.
Die Graphic Novel erzählt nicht die eigentliche Gewaltsituation, sondern das Danach. Und genau das macht sie so unfassbar stark. Poppy ist seit sechs Monaten aus einer gewalttätigen Beziehung raus und versucht jetzt irgendwie wieder normal zu leben. Aber nichts fühlt sich normal an. Selbst kleine Alltagssituationen können Panik auslösen. Menschen, Geräusche, Gespräche oder Erinnerungen werfen sie sofort wieder zurück. Dieses ständige Schwanken zwischen „Mir geht’s gerade okay“ und komplettem Kontrollverlust wurde unglaublich realistisch dargestellt.
Was ich besonders wichtig fand: Das Buch gibt endlich mal nicht dem Täter die Bühne. Kein „Aber warum war er so?“ oder „Er hatte bestimmt auch Probleme“. Nein. Es geht um Poppy. Um ihre Gefühle, ihre Wut, ihre Angst und ihre Heilung. Und ehrlich? Genau solche Geschichten brauchen wir viel öfter.
Die Farben und Zeichnungen transportieren die Emotionen extrem gut. Dieses grelle Pink, das plötzlich auftaucht, wenn Erinnerungen oder Selbstzweifel zurückkommen, hat sich beim Lesen fast wie ein Trigger angefühlt. Gleichzeitig gibt es aber auch diese ruhigen, hoffnungsvollen Momente in Blau, die zeigen, dass Heilung möglich ist, auch wenn sie niemals perfekt oder abgeschlossen sein wird.
Während des Lesens musste ich ständig daran denken, wie viele Betroffene wahrscheinlich genau solche Gefühle kennen und trotzdem schweigen. Nicht weil sie lügen, sondern weil unsere Gesellschaft es Opfern immer noch so unfassbar schwer macht, über Gewalt zu sprechen. Die Scham liegt fast immer bei den Betroffenen, obwohl sie dort absolut nicht hingehört.
Besonders erschreckend fand ich die realen Zahlen zu häuslicher Gewalt. 2024 wurden in Deutschland über 265.000 Betroffene registriert und trotzdem wird oft noch so getan, als wären das Einzelfälle. Sind sie nicht.
Das Buch ist emotional wirklich heavy und kann definitiv triggern, vor allem für Betroffene. Aber genau deshalb finde ich Triggerwarnungen auch wichtig. Niemand verliert etwas dadurch, dass andere vorbereitet werden.
Ich glaube, dieses Buch kann Betroffenen helfen, sich verstanden zu fühlen. Gleichzeitig kann es Menschen, die so etwas nie erlebt haben, zeigen, wie lange Gewalt nachwirkt und warum „geh doch einfach“ niemals eine hilfreiche Aussage ist.
Ein unglaublich wichtiges, ehrliches und feministisches Buch, das mehr Aufmerksamkeit verdient.
Für Euch gelesen und rezensiertKitty Myst
