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Dienstag, 29. September 2026

Bildhaft, poetisch, märchenhaft

Sie flogen einen Sommer lang

Penelope Farmer /  Barbara Yelin
  • Altersempfehlung: ab 9 Jahren
  • ISBN: 978-3458645931
  • Erscheinungstermin: 19.05.2026
  • Seiten: 156
  • Verlag: Insel Verlag

Covertext

Charlotte und ihre kleine Schwester Emma träumen davon, fliegen zu können. Und tatsächlich wird ihr Wunsch wahr, als sie eines Tages auf dem Schulweg einem Jungen begegnen, der ihnen das Fliegen beibringt. Die beiden sind begeistert, denn mit ein wenig Übung können sie ebenso am Himmel schweben wie die Vögel. Als der Junge sogar ihrer ganzen Klasse das Fliegen lehrt, nimmt der Sommer eine außergewöhnliche Wendung: Gemeinsam fliegen sie alle ans Meer, veranstalten Picknicks und gleiten im Mondlicht über die Wälder. Doch die nachdenkliche Charlotte ahnt, dass der Junge etwas verbirgt. Denn keiner der Erwachsenen kann ihn sehen. Und als der Sommer sich dem Ende neigt, enthüllt der Junge ein Geheimnis, das alles verändern wird …

Rezension  

Den Traum vom Fliegen hat wohl jeder Mensch schon einmal verspürt. Für die Kinder eines kleinen britischen Dorfes wird er in diesem Sommer wahr. Die Schwestern Charlotte und Emma leben mit ihrem Großvater, einer Haushälterin und dem Gärtner in einer alten Villa. Eines Tages begegnen sie einem seltsamen Jungen ohne Namen, den nur die Mädchen sehen können. Er verspricht den Schwestern, dass er ihnen das Fliegen lehrt.

Nachdem Charlotte und Emma tatsächlich durch die Lüfte schweben können, bringt der Junge es auch allen Kindern des Dorfes bei. Eine Bedingung gilt jedoch: Niemand darf von dem Geheimnis des Fliegens erfahren! Bald haben die Kinder nichts anderes mehr im Kopf. Sie tricksen die Erwachsenen aus, treffen sich heimlich und genießen ihre neu erlernte Fähigkeit. Schier endlos liegen die Sommerferien vor ihnen.

Doch schon bald entsteht eine erste Konkurrenz, die Dynamik der Kindergruppe verändert sich und zwei Lager bilden sich. Ein Duell in der Luft soll entscheiden, ob der unbekannte, geheimnisvolle Junge oder ein Junge aus dem Dorf der Anführer der Kinder wird. Gleichzeitig geht es darum, das Geheimnis des fliegenden Jungen zu lüften. Wie wird der Sommer enden?

Dieser Klassiker der britischen Kinderliteratur wurde 1962 von Penelope Farmer geschrieben und nun von Claudia Feldmann neu übersetzt. Der Klappentext sowie das in sommerlichen Farben aquarellartig gestaltete Cover machten mich neugierig und ich wollte gern erfahren, was es mit dieser Geschichte auf sich hat. Das Buch ist in drei Teile mit unterschiedlicher Kapitelanzahl gegliedert, wobei der zweite Teil am umfänglichsten ist.

Der bildhafte Schreibstil der Autorin, welcher sich einer gewählten, teilweise poetisch beschreibenden Ausdrucksweise bedient, erzeugt ab der ersten Seite eine magische Stimmung, ohne zu übertreiben. Die Bilder, welche Penelope Farmer mit ihren Worten erzeugt, transportieren die Stimmung der Personen und Orte sowie die Weite des unendlich scheinenden Sommers und der Freiheit des Fliegens auf eine wunderschöne Weise. Obwohl sich die Geschichte fantastischer Elemente in Form des Fliegens und der Unsichtbarkeit des Jungen bedient, wirkt sie nicht unrealistisch, sondern eher märchenhaft.

Unterschwellig gelingt es der Autorin, eine sich dezent steigernde Spannung aufzubauen, welche Neugier auf den Ausgang der Geschichte weckt. Dabei schreitet die Handlung nicht rasant voran, sondern lässt Gelegenheit für ein Innehalten und das Entstehen eigener Gedankenbilder. Die wenigen, schwarz-weiß und grau schattierten und nicht in allen Einzelheiten dargestellten Illustrationen von Barbara Yelin nehmen den magischen Charakter der Geschichte auf und lassen ebenso Spielraum für die eigene Fantasie. Die Bilder geben dafür passende Impulse.

Beim Lesen waren die Emotionen innerhalb der Handlung für mich gut nachvollziehbar und schnell zeichnete sich eine leichte Melancholie ab, welche bis zum Ende anhielt. Diese bildet mit dem Inhalt der Geschichte in meinen Augen eine perfekte Einheit, da es thematisch um die kindliche Freiheit und Unbeschwertheit sowie das Erwachsenwerden geht. Das Buch ist ein wunderbares Sinnbild für den Übertritt vom träumerischen Kindsein hin zur Ernsthaftigkeit der Erwachsenenwelt und den damit verbundenen Schmerz bzw. die Vergänglichkeit, die der scheidende Sommer widerspiegelt.

Da vieles nicht ausformuliert ist und Interpretationsspielraum lässt, empfehle ich das Buch erst ab frühestens 10 Jahren und halte es auch für Erwachsene sowie als Klassenlektüre für geeignet.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Mittwoch, 12. August 2026

Leseempfehlung für alle, die ein Herz für Pferde haben

Birdie

J. P. Rose


  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • ISBN: 978-3-458-64534-4
  • Erscheinungstermin: 01.10.2025
  • Seiten: 400
  • Verlag:  Insel

Covertext

Das Mädchen Birdie zieht zu ihrer Großtante und ihrem Großonkel aufs Land. Sie ist aufgeregt, was sie dort erwartet. Doch ihre Adoptivfamilie ist kühl und auch die Dorfgemeinschaft abweisend. Als einziges Schwarzes Mädchen im Dorf ist Birdie einsam. Bis sie eines Tages einen Freund findet: ein Pony. Doch das schwebt in großer Gefahr. So fasst Birdie einen gewagten Plan, um es zu retten.

Rezension  

Der Roman „Birdie“ von J. P. Rose nimmt die Lesenden mit nach Großbritannien, wo der Zweite Weltkrieg zwar vorbei ist, seine Folgen jedoch noch lange nicht überwunden sind: Die Kohleindustrie wird verstaatlicht, Arbeitslosigkeit und Armut erschweren das Leben, und viele Familien leiden noch immer unter dem Verlust ihrer Angehörigen im Krieg.

Auch die Hauptfigur Birdie ist eine „Folge“ des Krieges. Als uneheliches Kind einer Britin und eines afroamerikanischen Soldaten lebt sie in einem Kinderheim, bis sie eines Tages von entfernten Verwandten adoptiert wird. Hier beginnt die Geschichte, und die Autorin lässt das Lesepublikum unmittelbar in Birdies Leben eintauchen. Der schwere Abschied aus dem Heim, in dem das Mädchen bisher liebevoll umsorgt wurde, fällt ihr schwer, und auch die Ankunft in ihrem neuen Zuhause gestaltet sich alles andere als einfach. Birdie wird seltsam behandelt, teilweise erschrocken angesehen und ausgegrenzt. Warum dies geschieht, ist ihr zunächst nicht klar. Doch langsam erkennt sie, dass ihre Hautfarbe der Grund dafür ist.

Zutiefst traurig über ihr Schicksal und voller Sehnsucht nach ihrem alten Leben gerät Birdie zufällig in ein Bergwerk. Dort trifft sie auf ein Grubenpony, das unter Tage schwere Arbeit verrichten muss. Sofort schließt Birdie das arme Tier in ihr Herz und ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es eines Tages ihr bester Freund und Lebensretter werden wird.

Das Buch hat mich durch seinen spannenden und zugleich einfühlsamen Schreibstil sofort gefesselt. Es liest sich zügig, da die Kapitel kurz sind und die Handlung abwechslungsreich gestaltet ist. Der Autorin gelingt es, spannende und ruhigere Passagen ausgewogen miteinander zu verknüpfen, sodass keine Langeweile aufkommt.

Auch thematisch überzeugt der Roman, da zahlreiche historische Aspekte verarbeitet werden: Kinderheime für uneheliche Kinder afroamerikanischer Soldaten, eine von Rassismus geprägte Gesellschaft, der Bergbau sowie das schwere Leben der Grubenponys. Da J. P. Rose eigene Erfahrungen aus ihrer Kindheit einfließen lässt, wirkt die Geschichte besonders authentisch. Die Protagonistin ist mir sehr ans Herz gewachsen, da sie mutig, stark und selbstlos handelt.

Der Roman ist in seinem Handlungsverlauf stellenweise etwas vorhersehbar und endet erwartungsgemäß mit einem Happy End. Gerade dies dürfte jedoch der Zielgruppe ab etwa zehn Jahren entgegenkommen: eine berührende Geschichte über ein Mädchen und ein Pferd, verbunden mit wichtigen und bewegenden Themen vor historischem Hintergrund. Der Roman regt zum Nachdenken an, ohne seine jungen Leser*innen zu überfordern.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die ein Herz für Pferde haben.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Dienstag, 7. April 2026

Spannendes Finale voller Abenteuer, Mut und echter Gefühle

Aliya und der Laden der  zweiten Chance



Laila Rifaat  (Autor*in)
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • ISBN: 978-3-458-64596-2
  • Erscheinungstermin: 18.02.2026
  • Seiten: 312
  • Verlag: Insel

Covertext

In der Zitadelle steht das Ereignis des Jahres an: das legendäre Wettrennen mit fliegenden Teppichen durch die Zeit. Aliya ist schon ganz aufgeregt und fiebert mit ihren Freunden dem Start entgegen. Doch noch bevor das Turnier beginnen kann, verschwinden plötzlich alle Schlosser spurlos. Nur Aliya bleibt zurück, die doch gerade erst ihre Ausbildung begonnen hat. Jetzt liegt es an ihr, der letzten Schlosserin, die rätselhafte Energiequelle der Zeitreisewelt zu schützen. Auf die hat es Dorian Darke, ihr alter Widersacher, nämlich abgesehen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Aliya bleiben nur wenige Tage, um das Leben der Schlosser zu retten.

Die Suche nach den Vermissten führt Aliya und ihr Zeitreise-Team in gefährliche Parallelwelten, in denen sie sich Gegenspielern aus Vergangenheit und Zukunft stellen müssen, um dem finsteren Magier endlich das Handwerk zu legen.

Rezension 

Aliya und ihre Freunde sind sehr aufgeregt. Endlich steht das große letzte Teppich-Wettrennen bevor – eine Strecke, die sie quer durch die Zeit führen wird. Wenn sie es schaffen, haben sie ihre Schulzeit bestanden. Doch wie so oft geht etwas schief.

Plötzlich beginnen die Lehrer der Schule zu verschwinden. Doch nicht nur sie – auch Aliyas Freunde sind auf einmal weg. Zu allem Unglück spielt ausgerechnet jetzt ihr Nadim Simli verrückt. Dabei braucht Aliya gerade jetzt jede Unterstützung, die sie bekommen kann. Denn Dorian Darke ist zurück – mit einem noch viel schlimmeren Plan als zuvor. Ein Plan, der die gesamte Zeitreisewelt für immer zerstören könnte.

Wird es Aliya schaffen, ein letztes Mal zu gewinnen? Oder ist diesmal alles verloren?

Das Buch hat mich wieder sehr abgeholt, und ich konnte sofort in die Geschichte eintauchen. Es hat Spaß gemacht, die liebgewonnenen Charaktere auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Besonders gut finde ich, dass trotz der Bedrohung durch Dorian Darke auch gezeigt wird, warum er so handelt und wie viel Schmerz in ihm steckt.

Die Geschichte macht deutlich, wie wichtig es ist, wie man mit schwierigen Situationen umgeht. Mir hat das Buch wieder sehr gefallen und ich kann es nur empfehlen. Wer die vorherigen Bände mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen.

Eine tolle, spannende Geschichte über Mut, Freundschaft und Zusammenhalt – empfohlen ab etwa 10 Jahren.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Henry Rumbelle

Interessantes, unterhaltendes und wichtiges Buch

Stunden wie Tage Shelly Kupferberg Altersempfehlung: ab 16 Jahren ISBN:   978-3257073485 Erscheinungst...