Altersempfehlung: ab 10 Jahren- ISBN: 978-3-458-64534-4
- Erscheinungstermin: 01.10.2025
- Seiten: 400
- Verlag: Insel
Covertext
Das Mädchen Birdie zieht zu ihrer Großtante und ihrem Großonkel aufs Land. Sie ist aufgeregt, was sie dort erwartet. Doch ihre Adoptivfamilie ist kühl und auch die Dorfgemeinschaft abweisend. Als einziges Schwarzes Mädchen im Dorf ist Birdie einsam. Bis sie eines Tages einen Freund findet: ein Pony. Doch das schwebt in großer Gefahr. So fasst Birdie einen gewagten Plan, um es zu retten.
Rezension
Der Roman „Birdie“ von J. P. Rose nimmt die Lesenden mit nach Großbritannien, wo der Zweite Weltkrieg zwar vorbei ist, seine Folgen jedoch noch lange nicht überwunden sind: Die Kohleindustrie wird verstaatlicht, Arbeitslosigkeit und Armut erschweren das Leben, und viele Familien leiden noch immer unter dem Verlust ihrer Angehörigen im Krieg.
Auch die Hauptfigur Birdie ist eine „Folge“ des Krieges. Als uneheliches Kind einer Britin und eines afroamerikanischen Soldaten lebt sie in einem Kinderheim, bis sie eines Tages von entfernten Verwandten adoptiert wird. Hier beginnt die Geschichte, und die Autorin lässt das Lesepublikum unmittelbar in Birdies Leben eintauchen. Der schwere Abschied aus dem Heim, in dem das Mädchen bisher liebevoll umsorgt wurde, fällt ihr schwer, und auch die Ankunft in ihrem neuen Zuhause gestaltet sich alles andere als einfach. Birdie wird seltsam behandelt, teilweise erschrocken angesehen und ausgegrenzt. Warum dies geschieht, ist ihr zunächst nicht klar. Doch langsam erkennt sie, dass ihre Hautfarbe der Grund dafür ist.
Zutiefst traurig über ihr Schicksal und voller Sehnsucht nach ihrem alten Leben gerät Birdie zufällig in ein Bergwerk. Dort trifft sie auf ein Grubenpony, das unter Tage schwere Arbeit verrichten muss. Sofort schließt Birdie das arme Tier in ihr Herz und ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es eines Tages ihr bester Freund und Lebensretter werden wird.
Das Buch hat mich durch seinen spannenden und zugleich einfühlsamen Schreibstil sofort gefesselt. Es liest sich zügig, da die Kapitel kurz sind und die Handlung abwechslungsreich gestaltet ist. Der Autorin gelingt es, spannende und ruhigere Passagen ausgewogen miteinander zu verknüpfen, sodass keine Langeweile aufkommt.
Auch thematisch überzeugt der Roman, da zahlreiche historische Aspekte verarbeitet werden: Kinderheime für uneheliche Kinder afroamerikanischer Soldaten, eine von Rassismus geprägte Gesellschaft, der Bergbau sowie das schwere Leben der Grubenponys. Da J. P. Rose eigene Erfahrungen aus ihrer Kindheit einfließen lässt, wirkt die Geschichte besonders authentisch. Die Protagonistin ist mir sehr ans Herz gewachsen, da sie mutig, stark und selbstlos handelt.
Der Roman ist in seinem Handlungsverlauf stellenweise etwas vorhersehbar und endet erwartungsgemäß mit einem Happy End. Gerade dies dürfte jedoch der Zielgruppe ab etwa zehn Jahren entgegenkommen: eine berührende Geschichte über ein Mädchen und ein Pferd, verbunden mit wichtigen und bewegenden Themen vor historischem Hintergrund. Der Roman regt zum Nachdenken an, ohne seine jungen Leser*innen zu überfordern.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die ein Herz für Pferde haben.

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