- Altersempfehlung: ab 9 Jahren
- ISBN: 978-3458645931
- Erscheinungstermin: 19.05.2026
- Seiten: 156
- Verlag: Insel Verlag
Covertext
Rezension
Den Traum vom Fliegen hat wohl jeder Mensch schon einmal verspürt. Für die Kinder eines kleinen britischen Dorfes wird er in diesem Sommer wahr. Die Schwestern Charlotte und Emma leben mit ihrem Großvater, einer Haushälterin und dem Gärtner in einer alten Villa. Eines Tages begegnen sie einem seltsamen Jungen ohne Namen, den nur die Mädchen sehen können. Er verspricht den Schwestern, dass er ihnen das Fliegen lehrt.
Nachdem Charlotte und Emma tatsächlich durch die Lüfte schweben können, bringt der Junge es auch allen Kindern des Dorfes bei. Eine Bedingung gilt jedoch: Niemand darf von dem Geheimnis des Fliegens erfahren! Bald haben die Kinder nichts anderes mehr im Kopf. Sie tricksen die Erwachsenen aus, treffen sich heimlich und genießen ihre neu erlernte Fähigkeit. Schier endlos liegen die Sommerferien vor ihnen.
Doch schon bald entsteht eine erste Konkurrenz, die Dynamik der Kindergruppe verändert sich und zwei Lager bilden sich. Ein Duell in der Luft soll entscheiden, ob der unbekannte, geheimnisvolle Junge oder ein Junge aus dem Dorf der Anführer der Kinder wird. Gleichzeitig geht es darum, das Geheimnis des fliegenden Jungen zu lüften. Wie wird der Sommer enden?
Dieser Klassiker der britischen Kinderliteratur wurde 1962 von Penelope Farmer geschrieben und nun von Claudia Feldmann neu übersetzt. Der Klappentext sowie das in sommerlichen Farben aquarellartig gestaltete Cover machten mich neugierig und ich wollte gern erfahren, was es mit dieser Geschichte auf sich hat. Das Buch ist in drei Teile mit unterschiedlicher Kapitelanzahl gegliedert, wobei der zweite Teil am umfänglichsten ist.
Der bildhafte Schreibstil der Autorin, welcher sich einer gewählten, teilweise poetisch beschreibenden Ausdrucksweise bedient, erzeugt ab der ersten Seite eine magische Stimmung, ohne zu übertreiben. Die Bilder, welche Penelope Farmer mit ihren Worten erzeugt, transportieren die Stimmung der Personen und Orte sowie die Weite des unendlich scheinenden Sommers und der Freiheit des Fliegens auf eine wunderschöne Weise. Obwohl sich die Geschichte fantastischer Elemente in Form des Fliegens und der Unsichtbarkeit des Jungen bedient, wirkt sie nicht unrealistisch, sondern eher märchenhaft.
Unterschwellig gelingt es der Autorin, eine sich dezent steigernde Spannung aufzubauen, welche Neugier auf den Ausgang der Geschichte weckt. Dabei schreitet die Handlung nicht rasant voran, sondern lässt Gelegenheit für ein Innehalten und das Entstehen eigener Gedankenbilder. Die wenigen, schwarz-weiß und grau schattierten und nicht in allen Einzelheiten dargestellten Illustrationen von Barbara Yelin nehmen den magischen Charakter der Geschichte auf und lassen ebenso Spielraum für die eigene Fantasie. Die Bilder geben dafür passende Impulse.
Beim Lesen waren die Emotionen innerhalb der Handlung für mich gut nachvollziehbar und schnell zeichnete sich eine leichte Melancholie ab, welche bis zum Ende anhielt. Diese bildet mit dem Inhalt der Geschichte in meinen Augen eine perfekte Einheit, da es thematisch um die kindliche Freiheit und Unbeschwertheit sowie das Erwachsenwerden geht. Das Buch ist ein wunderbares Sinnbild für den Übertritt vom träumerischen Kindsein hin zur Ernsthaftigkeit der Erwachsenenwelt und den damit verbundenen Schmerz bzw. die Vergänglichkeit, die der scheidende Sommer widerspiegelt.
Da vieles nicht ausformuliert ist und Interpretationsspielraum lässt, empfehle ich das Buch erst ab frühestens 10 Jahren und halte es auch für Erwachsene sowie als Klassenlektüre für geeignet.

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