Sonntag, 23. August 2026

Geschichte mit humorvollen Details für Kinder und Erwachsene

Ein Pokal für den Schakal 

Jule Wellerdiek


  • Altersempfehlung: ab 4 Jahren
  • ISBN: 978-3-314-10749-8
  • Erscheinungstermin: 11.02.2026
  • Seiten: 32
  • Verlag:  Nord Süd

Covertext

Der Schakal träumt von einem Pokal. Nur blöd, räumt die Gans den Preis für die schönste Frisur ab. Kurzerhand veranstaltet der Schakal eine neue Preisverleihung mit der Auszeichnung für »den besten Schakal«, die er natürlich gewinnt. Kein Wunder, dass sich nun ein Tier nach dem anderen seinen eigenen Preis verleiht! Das passt dem Schakal gar nicht, denn er verdient doch die größte aller Auszeichnungen…

Rezension  

Betrachtet man den Schakal mit seinem verschlagenen Blick, der auf einem goldglänzenden Pokal thront und vom Cover des Bilderbuches herabschaut, so ahnt man sofort: Er akzeptiert nur das oberste Siegertreppchen. Bereits im bunt bedruckten Vorsatz beginnt die Geschichte in Bildern: In der Stadt findet ein Frisurenwettbewerb statt! Siegessicher wartet der Schakal gemeinsam mit den anderen Tieren auf die Preisverleihung. Doch was für eine Enttäuschung: Die Gans gewinnt. Für den ehrgeizigen Schakal ist Verlieren keine Option. Kurzerhand verleiht er sich am nächsten Tag selbst einen Preis.

Diese Idee finden die anderen Tiere so genial, dass von nun an täglich Pokale gewonnen, Preise verliehen und Sieger gekürt werden. Das ärgert den Schakal ganz gewaltig, sodass er zu unlauteren Mitteln greift, um endgültig die Nummer eins zu sein.

Autorin und Illustratorin Jule Wellerdiek hat mit dem Schakal erneut einen schrägen, unkonventionellen und nicht unbedingt sympathischen Charakter geschaffen, der sich für die Umsetzung eines Bilderbuches über Sieg und Niederlage hervorragend eignet. Der Schakal gilt gemeinhin als hinterhältig, eigensinnig und auf den eigenen Vorteil bedacht – Eigenschaften, die auch in der Geschichte deutlich zum Tragen kommen. Er kann und will seine Niederlage nicht akzeptieren und versucht erneut, sein Ego durch eine selbst inszenierte Preisverleihung aufzupolieren. Dabei muss der Schakal erkennen, dass ein ungerechtfertigter Erfolg ohne entsprechende Leistung wenig bedeutet und dass auch andere Tiere in ihrer jeweiligen Disziplin die Besten sein können. Aus lauter Neid stiehlt er schließlich sämtliche Pokale der Stadt. Ob er den anderen Tieren sein Verhalten erklären kann und am Ende einsieht, dass man sich auch über die Erfolge anderer freuen kann?

Dieses Bilderbuch eignet sich hervorragend, um mit Kindern ab etwa fünf Jahren ein alltagsnahes Thema in den Mittelpunkt zu stellen, das nicht nur unter Kindern immer wieder Anlass zu Konflikten bietet: der Wunsch, der oder die Erste zu sein. Durch das Verhalten des Schakals werden die Kinder moralisch herausgefordert und zu Gesprächen angeregt. Wie weit darf man gehen, um zu gewinnen? Ist es überhaupt wichtig, immer die oder der Beste zu sein?

Inhaltlich eröffnet das Bilderbuch zahlreiche Gesprächsanlässe rund um Wettbewerb, Fairness und den Umgang mit Niederlagen. Der leicht verständliche und zugleich prägnante Text bringt die Geschichte überzeugend auf den Punkt. Besonders gelungen sind die Illustrationen der Autorin. Die farbigen Bilder in unterschiedlichen Größen erweitern den Text auf visuelle Weise und lassen die Betrachtenden tief in das Geschehen eintauchen. Gestik und Mimik der Figuren sind detailreich und nachvollziehbar ausgearbeitet, sodass nicht nur der Text, sondern auch die Illustrationen zu Gesprächen und eigenen Überlegungen anregen. Darüber hinaus entdecken sowohl Kinder als auch Erwachsene zahlreiche kleine, humorvolle Details, die die Geschichte bereichern.

Ich empfehle das Buch gern für den pädagogischen Einsatz in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sowie zum gemeinsamen Vorlesen zu Hause.

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