Donnerstag, 13. August 2026

Ein spannendes Setting und überraschende Twists

Strange Familiars

Keshe Chow

  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • ISBN: 978-3-96976-083-3
  • Erscheinungstermin: 15.05.2026
  • Seiten: 496
  • Verlag: Moon Notes

Covertext

Rezension 

Strange Familiars nimmt uns mit ans Seamere College, wo wir die beiden Rivalen Gwen und Briggs hautnah erleben dürfen. Die beiden liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, um das College als Jahrgangsbeste/r zu verlassen. Bis magische Entladungen die Welt erschüttern und sie dazu zwingen, der Sache - gemeinsam - nachzugehen.

Von der Storyline her war es wirklich super interessant. Am Ende gab es sogar noch ein paar Twists, die ich null habe kommen sehen.

Auch das Setting konnte mich durchaus überzeugen, ebenso wie die beiden Hauptprotas und ihre Interaktion, die sich von arktischer Kälte zu warmer Nähe entwickelt. Es war auch überhaupt nicht überstürzt, wie es scheinbar immer mehr zur Normalität in manchen Büchern wird. Nein, ich fand die Entwicklung der beiden wirklich sehr angenehm und absolut nachvollziehbar.

Bonuspunkt gibt es auch für die Seelentiere, die alles andere als basic waren, und für das Hintergrundwissen der Autorin im Bereich Tiermedizin – man merkt einfach, dass sie das studiert hat. Denn es war überhaupt nicht trocken, und an der ein oder anderen Stelle sogar richtig lehrreich.

Leider gibt es einen Punkt, der mir das Schöne ein bisschen nimmt. Schon auf den ersten Seiten wird ein sehr schwerwiegendes Thema aufgegriffen und sehr explizit dargestellt, wobei mir die TW dafür einfach zu klein gehalten war. Leider wird das Thema auch im weiteren Verlauf nicht wirklich aufgearbeitet. Erst am Ende wird es noch einmal kurz angesprochen, aber nicht wirklich abgearbeitet. Und gerade bei so einem Thema muss meiner Meinung nach mehr passieren. Deshalb konnte mich das Buch leider nicht ganz überzeugen.

Für Euch gelesen, rezensiert und empfohlen

Zeilenflüsterin / @plot.tweety

Mittwoch, 12. August 2026

Leseempfehlung für alle, die ein Herz für Pferde haben

Birdie

J. P. Rose


  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • ISBN: 978-3-458-64534-4
  • Erscheinungstermin: 01.10.2025
  • Seiten: 400
  • Verlag:  Insel

Covertext

Das Mädchen Birdie zieht zu ihrer Großtante und ihrem Großonkel aufs Land. Sie ist aufgeregt, was sie dort erwartet. Doch ihre Adoptivfamilie ist kühl und auch die Dorfgemeinschaft abweisend. Als einziges Schwarzes Mädchen im Dorf ist Birdie einsam. Bis sie eines Tages einen Freund findet: ein Pony. Doch das schwebt in großer Gefahr. So fasst Birdie einen gewagten Plan, um es zu retten.

Rezension  

Der Roman „Birdie“ von J. P. Rose nimmt die Lesenden mit nach Großbritannien, wo der Zweite Weltkrieg zwar vorbei ist, seine Folgen jedoch noch lange nicht überwunden sind: Die Kohleindustrie wird verstaatlicht, Arbeitslosigkeit und Armut erschweren das Leben, und viele Familien leiden noch immer unter dem Verlust ihrer Angehörigen im Krieg.

Auch die Hauptfigur Birdie ist eine „Folge“ des Krieges. Als uneheliches Kind einer Britin und eines afroamerikanischen Soldaten lebt sie in einem Kinderheim, bis sie eines Tages von entfernten Verwandten adoptiert wird. Hier beginnt die Geschichte, und die Autorin lässt das Lesepublikum unmittelbar in Birdies Leben eintauchen. Der schwere Abschied aus dem Heim, in dem das Mädchen bisher liebevoll umsorgt wurde, fällt ihr schwer, und auch die Ankunft in ihrem neuen Zuhause gestaltet sich alles andere als einfach. Birdie wird seltsam behandelt, teilweise erschrocken angesehen und ausgegrenzt. Warum dies geschieht, ist ihr zunächst nicht klar. Doch langsam erkennt sie, dass ihre Hautfarbe der Grund dafür ist.

Zutiefst traurig über ihr Schicksal und voller Sehnsucht nach ihrem alten Leben gerät Birdie zufällig in ein Bergwerk. Dort trifft sie auf ein Grubenpony, das unter Tage schwere Arbeit verrichten muss. Sofort schließt Birdie das arme Tier in ihr Herz und ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es eines Tages ihr bester Freund und Lebensretter werden wird.

Das Buch hat mich durch seinen spannenden und zugleich einfühlsamen Schreibstil sofort gefesselt. Es liest sich zügig, da die Kapitel kurz sind und die Handlung abwechslungsreich gestaltet ist. Der Autorin gelingt es, spannende und ruhigere Passagen ausgewogen miteinander zu verknüpfen, sodass keine Langeweile aufkommt.

Auch thematisch überzeugt der Roman, da zahlreiche historische Aspekte verarbeitet werden: Kinderheime für uneheliche Kinder afroamerikanischer Soldaten, eine von Rassismus geprägte Gesellschaft, der Bergbau sowie das schwere Leben der Grubenponys. Da J. P. Rose eigene Erfahrungen aus ihrer Kindheit einfließen lässt, wirkt die Geschichte besonders authentisch. Die Protagonistin ist mir sehr ans Herz gewachsen, da sie mutig, stark und selbstlos handelt.

Der Roman ist in seinem Handlungsverlauf stellenweise etwas vorhersehbar und endet erwartungsgemäß mit einem Happy End. Gerade dies dürfte jedoch der Zielgruppe ab etwa zehn Jahren entgegenkommen: eine berührende Geschichte über ein Mädchen und ein Pferd, verbunden mit wichtigen und bewegenden Themen vor historischem Hintergrund. Der Roman regt zum Nachdenken an, ohne seine jungen Leser*innen zu überfordern.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die ein Herz für Pferde haben.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Samstag, 8. August 2026

Epische Geschichte mit Tiefgang

Spiegelland

Rebekka Frank


  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • ISBN: 978-3758700439
  • Erscheinungstermin: 22.02.2026
  • Seiten: 560
  • Verlag:  Fischer

Covertext

Wie tief musst du graben, um die Wahrheit zu finden?

Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt ...

Ein unendlich weiter Sommer, ein Vierteljahrhundert zuvor: Nach Jahren der Angst findet Catharina endlich den Mut, aus ihrer Ehe auszubrechen. Mit ihrer Tochter flieht sie in ein altes Haus im Moor. Während der Sonnentau im ersten Licht des Morgens leuchtet und die Rauchschwalben rufen, spürt sie sich zum ersten Mal wieder. Doch nichts ist wirklich sicher. Erst recht nicht, als Catharina im Moor eine Entdeckung macht, die ihren Mann auf ihre Spur bringen könnte.

Rezension  

Moorlandschaften üben mit ihrem mystischen Zauber eine besondere Faszination auf Menschen aus, die einerseits von der Begeisterung für dieses Ökosystem, andererseits von geheimnisvollen Begebenheiten geprägt ist. Dies hat sich Rebekka Frank zunutze gemacht und für ihren zweiten Roman „Spiegelland“ das Teufelsmoor nahe der Künstlerkolonie Worpswede als Schauplatz gewählt.

Vor der Kulisse der Moorlandschaft erzählt die Autorin auf drei Zeitebenen die Geschichte starker Frauen, die sich vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Zeit mit den Herausforderungen einer stark männerdominierten Lebenswelt auseinandersetzen. Zunächst geht es um Cato, die 1999 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttätigen Ehemann ins Moor flieht, wodurch nicht nur der Kampf um ihre Freiheit, sondern auch der um ihre Tochter Kira beginnt. Catos Geschichte spielt auch auf der zweiten Zeitebene im Jahr 2025 eine Rolle, als sie zur Zuflucht für ihren Enkel Elias wird, der körperlich übergriffig geworden ist und nun nicht mehr weiterweiß. Was Aletta, die im Jahr 1756 im Teufelsmoor um ihr Leben kämpft, mit Cato und ihrer Familie verbindet, verknüpft die Autorin so spannend, dass das Buch zeitweise zu einem echten Pageturner wird. Als dann auch noch der Fund zweier Moorleichen das Geschehen verdichtet, wird das nächste Kapitel zum Muss.

Rebekka Frank ist es auch in diesem Roman durch ihre bildhafte Sprache gelungen, eine authentische Atmosphäre zu schaffen und ihre Leserschaft unmittelbar in das Geschehen sowie die Emotionalität ihrer Figuren hineinzuziehen. Szenen und Charaktere werden detailliert dargestellt, die Zeitebenen und Erlebnisse der Protagonist*innen interessant miteinander verknüpft und unterschiedliche Themen geschickt in die Handlung integriert. So arbeitet die Autorin Inhalte wie patriarchale Strukturen, Misogynie, Gewalt gegen Frauen, Erwachsenwerden, Vergangenheitsbewältigung, Schuld, aber auch Naturverbundenheit, Umweltschutz und Kunstkritik so in ihre Geschichte ein, dass man auch nach der Lektüre zum Nachdenken und zur eigenen Positionierung angeregt wird.

Die Handlungen, Gedanken und Emotionen der weiblichen Hauptfiguren stellt Rebekka Frank mitreißend, aber nie überzeichnet dar, wodurch die Geschichte ausgesprochen glaubwürdig wirkt. Besonders beeindruckt hat mich Cato, die gemeinsam mit ihrer Tochter ihrem Martyrium entflieht, sich ihrer eigenen Stärke bewusst wird und trotz aller Widerstände konsequent ihren Weg geht.

Das Buch empfiehlt sich für alle thematisch interessierten Leser*innen, die epische Geschichten mit Tiefgang schätzen.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Dr. Jekyll

Von Rassismus, Zugehörigkeit und der schwierigen Suche nach einer Heimat zwischen zwei Welten

Girls like me Bibi Fatima Musavi   (Autor*in) Altersempfehlung: ab 14 Jahren ISBN: 978-3-551-58692-...