Jetzt und für immer wir drei
Chiara Lorenzoni / Marco Somá
Altersempfehlung: ab 6 Jahren- ISBN: 978-3968430645
- Erscheinungstermin: 09.09.2025
- Seiten: 32
- Verlag: Carl Auer Kids
Covertext
Sie müssen sich einen neuen Ort aufbauen, um neue Worte zu finden. Und das Gefühl zu haben, trotzdem zu dritt zu sein. Jetzt und für immer.
Rezension
Das berührende und zutiefst emotionale Bilderbuch „Jetzt und für immer wir drei“ hat mich sehr bewegt. Im Kern geht es um Trauerbewältigung. Diese wird hier in Wort und Bild zart und sensibel, aber dennoch treffend vermittelt, sodass es vor allem die leisen Zwischentöne sind, die die Lesenden mitten ins Herz treffen.
Zu Beginn der Geschichte begegnen wir den beiden Füchsen Olivo und seinem Vater, deren Lebenswelt unserer eigenen angepasst ist. Die beiden leben allein, doch schnell ahnt man, dass dies früher einmal anders war. Dieses „Früher“ wird aus kindlicher Perspektive mit metaphorischen Worten beschrieben und immer wieder mit Szenen aus dem „Jetzt“ verglichen. Dabei geht es um die Zeit vor und nach dem Tod von Olivos Mutter, der im Buch jedoch nicht explizit benannt wird.
Olivos anfängliche Wut und seine Trauer, die in Form vieler trauriger und wütender Worte sowie Handlungen Ausdruck finden, werden einfühlsam beschrieben. Auch die Hilflosigkeit und Behutsamkeit des Vaters, der selbst trauert, werden subtil und bildhaft thematisiert. Im Laufe der Zeit findet der Vater einen Weg, seinem Sohn in der Trauer zu helfen: Immer wenn Wut und Ohnmacht überhandnehmen, soll Olivo Holz sägen. So entstehen nach und nach ansehnliche Stapel, die der Vater heimlich zu einem Baumhaus verarbeitet. Als er Olivo dieses schließlich zeigt, markiert dies einen vorsichtigen Neubeginn für Vater und Sohn. Das Baumhaus wird zu einem Ort für schöne, warme Worte, an dem Olivo lernt, dass die Familie für immer zu dritt bleibt und die Mama einen ewigen Platz im Herzen der beiden haben wird.
Das harmonische Zusammenspiel von Text und Bildern trägt maßgeblich zur besonderen Atmosphäre des Buches bei. Als Lesende spürt man die Emotionen der Figuren sehr deutlich und kann die Entwicklung von einer tiefen Traurigkeit hin zu einer leisen, hoffnungsvollen Stimmung gut nachvollziehen. Chiara Lorenzoni erzählt dabei sehr bildhaft, und das, was im Text unausgesprochen bleibt, bringen die zauberhaften Illustrationen von Marco Somà zum Ausdruck. Seine naturnahen, detailreichen Zeichnungen sind wunderschön anzusehen und vermitteln durch unterschiedliche Farbgebungen und fantasievolle Bildideen vielfältige Emotionen. So regnen Olivos Tränen zunächst wie aus einer Wolke im Zimmer herab, und der Raum wird von einem Fluss durchzogen. Diese Symbolik unterstreicht Olivos Gefühlswelt auf eindrucksvolle Weise.
Ich empfinde dieses Buch als absolut gelungen und wertvoll, wenn es darum geht, Trauer und den Verlust eines Elternteils gemeinsam mit Kindern zu thematisieren. Text und Bilder laden zum Erzählen ein und geben Gefühlen Ausdruck, die betroffene Kinder möglicherweise noch nicht selbst verbalisieren können. Sie lernen, dass Traurigkeit, Wut und Hilflosigkeit, aber auch Akzeptanz und Hoffnung, zur Trauerbewältigung gehören, normal sind und sein dürfen. Für die Trauerarbeit mit Kindern ab etwa sechs Jahren möchte ich dieses Buch von Herzen empfehlen. 💛📚

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