Altersempfehlung: ab 84 Jahren- ISBN: 978-3690380034
- Erscheinungstermin: 11.02.2026
- Seiten: 40
- Verlag: Nord Süd
Covertext
Eine Geschichte über das miteinander Reden und aufeinander Zugehen
Oh nein, vor der Stadt liegt ein riesiges Tier! Es versperrt den Weg. Eieiei, tönt der Wompf. Oje, stöhnt die Timpe-Ma. Da muss etwas gemacht werden! Und dann machen sie etwas. Sie decken das Tier zu, bauen eine Brücke drüber und eine Straße drum herum. Problem erkannt, Problem gebannt! Nur das Mienchen schüttelt den Kopf, ihm gefällt das gar nicht. Aber wer hört schon auf Mienchen? Da nimmt es sich ein Herz und spricht das Tier einfach an …
Kerstin Hau und Stella Dreis haben ein Bilderbuch geschaffen, das zeitlos und zugleich zeitgeistig ist. Mit Tempo, Humor und klaren Worten zeigen sie, wie wir Unbekanntem begegnen können. Die reduzierten Illustrationen ermöglichen Projektionen: Jede:r kann Mienchen oder Stadtbewohner:in sein. Eine Geschichte über das miteinander Reden, aufeinander Zugehen und voneinander Lernen.
Alles ist unbekannt, bis du es kennenlernst
Rezension
Der Titel dieses Bilderbuches von Kerstin Hau spricht das aus, was viele von uns angesichts einer unerwarteten Veränderung oder neuen Situation instinktiv denken: Obacht! Jetzt ist Vorsicht geboten, am besten bleibt man erst einmal misstrauisch. Dieses Verhalten kann uns zwar einerseits vor Schaden bewahren, hindert uns gleichzeitig jedoch daran, offen auf Neues und Unbekanntes zuzugehen.
So ergeht es auch den lustigen Bewohnern eines kleinen Ortes, als eines Tages ein riesiges Tier vor den Toren der Stadt liegt und schläft. Sofort sind alle in Alarmbereitschaft und überlegen fieberhaft, was zu tun ist. Es wird eine Decke über das Tier gelegt, eine Brücke darüber gebaut und schließlich sogar eine Straße um das Tier herum angelegt. Doch keine dieser Lösungen stellt die Bewohner zufrieden, denn sie löst sich sprichwörtlich in Luft auf, sobald das Tier sich bewegt. Dadurch erscheint es den Stadtbewohnern zunehmend bedrohlicher.
Währenddessen beachtet niemand das kleine Mienchen, das immer wieder schüchtern vorschlägt, einfach mit dem Tier zu sprechen. Ob dies letztlich die Lösung ist und das Tier sich vielleicht sogar einen anderen Schlafplatz sucht?
Der Umgang mit Neuem und Unbekanntem, also dem „Anderen“ und „Fremden“, der Mut eines vermeintlich kleinen Mitglieds der Gesellschaft sowie die wunderbare Kraft der Kommunikation bilden die zentralen Themen dieses gelungenen Buches.
Mittels eines einfach strukturierten Textes, der sich auf das Wesentliche beschränkt und dadurch leicht verständlich bleibt, wird der Inhalt nachvollziehbar und eindrücklich transportiert. Der Text arbeitet mit Wiederholungen und kurzen Ausrufen der Protagonisten, wodurch deren Emotionen ohne viele Worte verdeutlicht werden. Ähnlich wie in einem Comic werden zudem Geräusche verschriftlicht („Peng“, „Kling“, „Kawumms“), die die jeweiligen Situationen besonders prägnant vermitteln.
In perfekter Ergänzung zur Geschichte hat Stella Dreis künstlerisch anspruchsvolle, humorvolle und zugleich aussagekräftige Illustrationen geschaffen. Die Bilder sind vor allem in Mimik und Gestik der Figuren sehr detailreich gestaltet, verzichten jedoch auf unnötige Elemente und überfordern die Betrachtenden dadurch nicht.
Besonders gelungen finde ich die Farbgebung, die sich auf Schwarz-, Weiß- und Grautöne, Cremeweiß sowie kräftiges Orange beschränkt. Die Figuren sind allesamt sehr individuell gestaltet, wobei die Grenze zwischen Mensch und Tier teilweise verschwimmt und keine Figur der anderen gleicht. Darüber hinaus lässt sich in der bildlichen Darstellung keine klare Trennung zwischen Fantasie und Wirklichkeit erkennen, da surreale Elemente mit realistisch wirkenden Situationen verschmelzen.
Die weich gezeichneten Illustrationen umfassen teilweise ganze Doppelseiten, während sich an anderen Stellen mehrere Bilder auf einer Seite befinden. Sowohl thematisch als auch gestalterisch empfinde ich dieses Buch als sehr gelungen.
Ich empfehle es sowohl für zu Hause als auch für den pädagogischen Bereich, insbesondere wenn Themen wie der Umgang mit neuen Situationen, der Mut des Einzelnen sowie das Potenzial eines kommunikativen Miteinanders im Mittelpunkt stehen sollen.
Die Geschichte eignet sich durch ihre Aufbereitung bereits ab einem (Vor-)Lesealter von etwa vier Jahren, wobei an einigen Stellen möglicherweise noch zusätzliche Lesebegleitung sinnvoll ist. Umfangreiche Impulse zur Arbeit mit dem Buch bietet zudem der NordSüd Verlag auf seiner Homepage an, die über einen im Buch enthaltenen QR-Code erreichbar ist.

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