(Autor*in)
- Altersempfehlung: ab 14 Jahren
- ISBN: 978-3-423-74119-4
- Erscheinungstermin: 17.04.2025
- Seiten: 384
- Verlag: dtv
Covertext
In Something Happened to Ally bringt Haley Krischer das Innere eines jungen Mädchens, das vergewaltigt wurde, sehr eindringlich auf den Punkt. Es ist kein Buch, das sich langsam aufbaut oder einen vorsichtig heranführt … es trifft einen schnell und hart.
Die Geschichte erzählt von Ally, sie ist jung, naiv und total verknallt in Sean, den coolen, hübschen Fußballer. Er lädt sie zu einer Party ein, füllt sie ab und führt sie hoch in ein Schlafzimmer. Aber als Sean ihr endlich die Aufmerksamkeit schenkt, die sie sich schon so lange wünscht, geht er übers Küssen hinaus, überschreitet Grenzen, ignoriert ihr Nein und vergewaltigt sie. Dadurch raubt er ihr erstes Mal, ihre Unschuld und ihre Naivität.
Ally verlässt die Party verwirrt, ängstlich und panisch. Sean weiß, was er getan hat, und bittet deshalb Blythe, seine beste Freundin und das beliebteste Mädchen der Schule, mit Ally zu reden und die Situation wieder geradezubiegen. Blythe will sich nicht vorstellen, dass er ihr mit Absicht weh getan hat und freundet sich deshalb mit Ally an, um sie zu manipulieren. Doch es stellt sich raus, dass sie vieles gemeinsam haben und Blythes Fassade bröckelt langsam.
Die Geschichte ist aus den Perspektiven der beiden Mädchen erzählt. Die Sichtweisen wechseln sehr schnell, manchmal kaum 10 Sätze, damit ist es super dynamisch und schnelllebig…man hat kaum eine Atempause.
Es ist unfassbar beeindruckend, wie die Autorin es schafft das einzufangen, was nach der Tat noch bleit. Dieses Durcheinander aus Angst, Schuld, Verwirrung und dem Versuch, so zu tun, als wäre nichts gewesen. Ally wirkt dabei unglaublich echt. Ihre Gedanken sind chaotisch, widersprüchlich und manchmal auch schwer auszuhalten. Gerade dieses Nicht-Aussprechen-Können, dieses Wegschieben-Wollen, fand ich sehr nachvollziehbar, realistisch. Dieses Gefühl von: Solange ich es nicht erzähle, ist es nicht passiert.
So ein Erlebnis zeigt sich nicht nur in großen Momenten, sondern auch in kleinen Dingen. In Gedanken, die sich festsetzen. In Verhaltensweisen, die sich plötzlich ändern. In diesem ständigen Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Und gleichzeitig versucht Ally genau diese Kontrolle irgendwie wieder zurückzubekommen, auch wenn das oft eher nach außen gerichtet ist … als Fassade, weil in ihr noch alles zerrissen und wund ist.
Es ist beängstigend, wie schnell jemand Macht über einen bekommt, weil man noch so unerfahren ist. Und wie schwer es ist, sich daraus wieder zu lösen… beängstigend wie leicht Grenzen verschoben werden können und wie schwierig es ist, das überhaupt zu erkennen. Es geht nicht nur um „richtig“ oder „falsch“, sondern darum, wie Menschen mit Schuld, Loyalität, Angst, Einfluss und der eigenen Hilflosigkeit umgehen.
Das scheint noch nicht genug für ein Buch zu sein also werden auch noch Themen wie Bipolarität, Alkoholismus, Drogenmissbrauch und toxische Beziehungen behandelt. Es ist brutal ehrlich und sehr intensiv.
Something Happened to Ally beschönigt nichts und versucht auch nicht, einfache Antworten zu geben. Stattdessen zeigt es, wie widersprüchlich Gefühle sein können und wie lange so etwas nachwirkt. Es ist kein Buch, das man einfach so nebenbei liest. Es nimmt einen mit. Es bleibt lange im Kopf. Es ist schwer auszuhalten, aber genau deshalb so wichtig.
Für
Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen
Luzifer Reads

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen