Dienstag, 11. November 2025

Meine Erwartungen an diesen Roman wurden leider enttäuscht

Die Assistentin

Caroline Wahl (Autor*in) 


  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren
  • ISBN: 978-3498007706
  • Erscheinungstermin: 28.08.2025
  • Seiten: 368
  • Verlag: Rowohlt

Covertext

Eine Karriere als Musikerin – das war eigentlich Charlottes größter Wunsch. Aber jetzt ist es ja eh zu spät, und sie muss sich um einen vernünftigen Job kümmern, schon wegen der Eltern. Sie findet eine Stelle in einem Verlag, auch nicht schlecht, und München ist eine schöne Stadt, vor allem im Sommer.

Im Vorzimmer des Verlegers sitzt Charlotte ganz nah am Zentrum der Macht. Dass der seine Assistentinnen oft auswechselt, kriegt sie schnell mit. Aber sie entwickelt ein gutes Verhältnis zu ihrem Chef, der ihre Stärken erkennt, ihr vertraut. Und dafür muss sie eben viel in Kauf nehmen, sehr viel, vielleicht auch selbst mit harten Bandagen kämpfen, vielleicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Vielleicht sogar Bo verlieren, in den sie sich doch gerade erst verliebt hat …

In wunderbar lakonischem Tonfall, mit Humor und Tiefgang erzählt Caroline Wahls neuer Roman von einer jungen Frau, die sich nicht zum Opfer machen lassen will und doch in eine Lage gerät, die viele Menschen kennen: wenn einem der Beruf zur Hölle wird. Eine ganz alltägliche Leidensgeschichte, ein Roman über Resilienz und Überleben.   

Rezension  

Auf den dritten Roman von Caroline Wahl habe ich mich sehr gefreut, da ich die beiden bisher erschienenen Bücher sehr mochte. Im Zentrum von „Die Assistentin“ steht wieder eine junge, ungewöhnliche Frau: Charlotte. Rückblickend wird die Geschichte ihres Jobs als Assistentin eines namhaften Verlegers erzählt – wobei bereits zu Beginn klar wird, dass es sich um ein toxisches (Charlotte hasst dieses Wort) Arbeitsverhältnis handelt und das Ganze nicht gut enden wird.

Doch zurück zum Anfang: Charlotte bewirbt sich um die Stelle als Assistentin und wird zu ihrer Überraschung eingestellt. Dafür muss sie nach München ziehen, wo sie sich allerdings nicht wohlfühlt. Auch die Arbeit im Verlag ist nicht einfach, denn einerseits leidet Charlotte unter den Eskapaden ihres narzisstischen Chefs, andererseits sonnt sie sich in dessen Anerkennung, wenn sie gelobt wird.

Neben ihrem Job ist Charlotte meist allein. Sie läuft viel und widmet sich ihrem Hobby – dem Komponieren und Singen. Charlottes oftmals düstere Emotionen werden von Autorin Caroline Wahl ebenso eindrücklich beschrieben wie das zunehmend schwieriger werdende Verhältnis zum Verleger. Die Protagonistin gleitet in ein Burnout, ohne dies wirklich wahrzunehmen. Noch nicht einmal, als die zarte Liaison zu Bo zerbricht – der gerade erst in ihrem Leben aufgetaucht ist –, realisiert Charlotte, dass etwas schiefläuft. Erst als ihr Körper streikt, gelingt es ihr, sich zu befreien und mit ihrer Musik durchzustarten.

Wie bereits erwähnt, ist das Buch eine gelungene Darstellung davon, wie Menschen an ihrem Job zugrunde gehen können und wie exzentrische Vorgesetzte oder Kolleg:innen das Arbeitsleben zur Hölle machen. Mehr vermag der Roman jedoch nicht zu transportieren. Charlotte war mir nicht besonders sympathisch und tat mir meistens leid.

Auch die Handlung präsentierte sich nicht sehr spannend, da – abgesehen von der Beschreibung verschiedener skurriler Situationen im Job – nicht viel passierte. Insgesamt wirkte das Buch daher eher deprimierend. An einigen wenigen Stellen gab es schöne Momente, bei denen ich einen Wendepunkt erwartet hatte, der aber leider ausblieb.

Zunächst gefiel mir der Schreibstil richtig gut, da er aus der Perspektive des Erzählers teilweise sogar witzig war. Doch nach etwa einem Drittel störte mich das ständige Teasern des weiteren Verlaufs. Meine Erwartungen an diesen Roman wurden leider enttäuscht, und ich hoffe, dass das nächste Buch von Caroline Wahl wieder an ihre bisherigen Erfolge anknüpft.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Eine gute Coming-of-Age-Geschichte

Himmel ohne Ende

Julia Engelmann (Autor*in) 


  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • ISBN: 978-3257073232
  • Erscheinungstermin: 23.07.2025
  • Seiten: 336
  • Verlag: Diogenes

Covertext

Charlie ist fünfzehn und vermisst ihren Vater, besonders seit ihre Mutter wieder einen Mann hat. Und als ob das nicht genug wäre, hat ihre beste Freundin gerade den Jungen geküsst, in den Charlie verknallt ist. Seitdem hat es den Anschein, als befinde sich zwischen ihr und der Welt eine Glasscheibe. Und dann kommt Pommes, der eigentlich Kornelius heißt und der aus der Glasscheibe ein Autofenster macht, das man runterkurbeln und durch das Charlie ihre Hand endlich wieder in den Himmel strecken kann.

Rezension  

Das Romandebüt von Julia Engelmann ist eine gelungene Coming-of-Age-Story, die ich gern und auch recht schnell gelesen habe. Wir begleiten die fünfzehnjährige Charlotte ein Jahr lang durch ihr junges Leben, tauchen ein in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und betrachten ihr Erwachsenwerden. Charlotte lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einfachen, aber stabilen Verhältnissen. Das Geld ist immer ein bisschen knapp, und in ihrer Klasse ist das Mädchen eine Außenseiterin. Sie tritt nach außen hin eher still auf, doch Charlottes Innenleben ist oft chaotisch, grüblerisch, etwas düster und vor allem voller Fragen.

Julia Engelmann lässt Charlotte alles erleben, was vielen Menschen im Laufe ihres Erwachsenwerdens begegnet: zerbrechende und neu entstehende Freundschaften, heimliche Liebe, erste Partys, Streit mit der Mutter, schmerzende Verluste, Selbstzweifel, große Träume und den Hunger nach Freiheit.

Zunächst beginnt das Buch mit einer eher gedämpften, negativen Stimmung, denn Charlotte fühlt sich allein, unverstanden und wird auch noch maßlos von ihrer besten Freundin enttäuscht. Sie weiß nichts mit sich anzufangen und ist außerdem hoffnungslos in einen Mitschüler verliebt. Als ob das alles nicht schon genug wäre, präsentiert Charlottes Mutter ihr auch noch ihren neuen Freund.

Das deprimierende Chaos lichtet sich jedoch mit Beginn des neuen Schuljahres, denn ein neuer Schüler kommt in die Klasse und zeigt Charlotte, dass in ihr eine wundervolle Persönlichkeit steckt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, durch die Charlotte zu sich selbst findet und lernt, ihren eigenen Weg zu gehen.

Mit poetisch formulierten Emotionen und Gedankenbildern gelingt es Julia Engelmann, ihren Figuren Tiefe zu verleihen, Empathie zu erzeugen und somit ein kurzweiliges Leseerlebnis zu schaffen. Für mich beinhaltet der Roman alles, was eine gute Coming-of-Age-Geschichte ausmacht, sodass ich mich prima in meine eigene Pubertät zurückversetzt fühlte.

Der Himmel ohne Ende eignet sich für interessierte Leser:innen bereits ab etwa 14 Jahren, da auf jugendgefährdende Inhalte (Liebesszenen, Gewalt o. Ä.) komplett verzichtet wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Roman auch im Unterricht der Sekundarstufe gelesen werden kann, wenn es um Themen wie das Finden der eigenen Identität, das Erwachsenwerden, die Auseinandersetzung mit Gedanken und Emotionen und vor allem um Freundschaft geht.

Fazit: ein rundum gelungenes Buch. 🌸

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Unsere Erde ist voller Geheimnisse und erstaunlicher Verwandlungen

Aali muss los

Finn Ole Heinrich / Dita Zipfel (Autor*in) 

Nele Brönner (Ill.) 


  • Altersempfehlung: ab 7 Jahren
  • ISBN: 978-3948722487
  • Erscheinungstermin: 30.09.2025
  • Seiten: 64
  • Verlag: mairisch

Covertext

Aali hat fast sein ganzes Leben in einem sehr schönen Kanal verbracht, gemeinsam mit seinem Freund Frank hat er glücklich seine Runden gedreht. Doch plötzlich wird Aali klar, dass er sich verwandelt, dass er sich verabschieden und den Sprung in neue Gewässer wagen muss: Eine lange, aufregende und abenteuerreiche Reise beginnt. Es ist eine Geschichte über eines der ältesten Geheimnisse des Meeres: die rätselhafte Wanderung der Aale. Aber auch über den Mut, seinem Herzen zu folgen, über eine ungewöhnliche Freundschaft, und darüber, warum es im Leben Momente gibt, in denen man seiner inneren Stimme vertrauen muss. Poetisch und voller Humor führen uns Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich in die verborgenen Welten der Ozeane. Ihr warmherziger, kluger Erzählton macht die jahrmillionenalte Wanderung der Aale für junge Leser*innen erfahrbar und zeigt, wie kostbar und schützenswert diese Naturräume sind. Die Illustratorin Nele Brönner setzt diese außergewöhnliche Geschichte in Bilder um, die das Buch zu einem künstlerischen Gesamtwerk machen ― und zu einer Einladung, die Wunder der Natur mit neuen Augen zu sehen.

Rezension  

Zugegebenermaßen gehörten Aale für mich bisher nicht unbedingt zur Kategorie Tiere, die ich mit Worten wie „faszinierend“ oder „unglaublich“ beschrieben hätte. Nach der Lektüre von „Aali muss los“ hat sich das jedoch grundlegend geändert, denn ich hatte keine Ahnung von der spektakulären Reise, die diese Fische zurücklegen. Der Klappentext machte mich neugierig, und auch die Illustrationen von Nele Brönner haben mir auf den ersten Blick gut gefallen.

Bereits die ersten Seiten, auf denen der Geschichtenerzähler als „Ich“ Aali vorstellt und in die Geschichte einführt, konnten mich mit Witz sowie einer frischen, modernen und dennoch einfühlsamen Sprache begeistern. Auch das immer wieder in separaten Abschnitten eingestreute Faktenwissen fügt sich harmonisch in die Story ein, sodass ein äußerst gelungener Erzählfluss entsteht. Emotionale Szenen wechseln sich mit lustigen und spannenden Gegebenheiten ab.

Aali verspürt tief in seinem Inneren einen Drang, ein Ziehen, als er eines Morgens erwacht. Ein Streben in die Ferne, das Aali nicht beschreiben kann, erfasst ihn und er verlässt den Nord-Ostsee-Kanal, seine Heimat. Der Abschied von seinem besten Freund Frank naht, und Aali hört sogar auf zu fressen. Immer weiter schwimmt er seinem inneren Kompass nach, quer durch viele Gewässer bis in die Nordsee. Von dort aus geht es weiter: Aali schwimmt monatelang durch den Atlantik, bis er in der Sargassosee vor der Küste Nordamerikas landet. Dort liegt das eigentliche Geheimnis seiner Reise, und Aali spürt: Er ist am Ziel.

Noch keinem Menschen ist es trotz modernster Technik gelungen, das Mysterium der Wanderung der Aale vollständig zu entschlüsseln, was sie umso faszinierender macht. Auf seinem abenteuerlichen Trip begegnet Aali vielen verschiedenen Tieren, die in den unterschiedlichen Gewässern leben und es mal mehr, mal weniger gut mit ihm meinen. Jedes Tier wird von den Autoren mit passenden, individuellen Charaktereigenschaften versehen, sodass ein lustiges, spannendes und abwechslungsreiches Sammelsurium an Figuren entsteht, die Aali jeweils ein Stück seines Weges begleiten.

Aali hat unsere ganze Familie mit seiner einzigartigen Reise enorm fasziniert. Dieses Buch ist eine gelungene Kombination aus Sachwissen und imaginärer Erzählung, die durch die Bilder perfekt ergänzt wird. Diese bedienen sich ausschließlich einer Farbpalette aus Grün- und Gelbtönen sowie Schwarz und Weiß, wodurch die Unterwasserwelt sehr eindrucksvoll repräsentiert und mit starken Kontrasten dargestellt wird.

Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich haben mit zeitgemäßer, frecher und gleichzeitig emotionaler Sprache ein unterhaltsames, fesselndes Buch geschaffen, das Kindern und Erwachsenen ein unglaubliches Wunder unserer Natur nahebringt. Wer „Aali muss los“ gelesen hat, dem wird klar: Unsere Erde ist voller Geheimnisse und erstaunlicher Verwandlungen, die sich kein Mensch je ausdenken könnte. Darum gilt es, Verantwortung zu übernehmen und unsere Welt zu schützen – nicht nur für uns, sondern vor allem für faszinierende Lebewesen wie Aali.

Für Euch gelesen, zusammengefasst und empfohlen

Vampir-Love-Story

In the Shadows we wait Alessia Gold (Autor*in) Altersempfehlung: ab 16 Jahren ISBN:  978-3-426-56571-1 Erscheinungstermin: 01.10.2025 Seite...