Montag, 11. Mai 2026

Man weiß nie, womit jemand kämpft

Birk

Liv K. Schlett (Autor*in)
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • ISBN: 978-3423650472
  • Erscheinungstermin: 18.09.2025
  • Seiten: 304
  • Verlag: Magellan

Covertext

Rezension 

Das Buch Birk von Liv K. Schlett ist ein Jugendroman, der ein Thema behandelt, über das kaum einer spricht: Enuresis nocturna … Bettnässen. Ein Problem, das vielen peinlich ist, so auch unserem Protagonisten Birk, und genau deshalb oft verschwiegen wird.

Birk ist ein ganz normaler 16-jähriger Junge. Er steht auf Zocken, Skaten und Mädchen und eigentlich hatte sein „Problem“ schon längst aufgehört … aber dann kommt es plötzlich wieder zurück. Ab diesem Moment dreht sich für ihn alles nur noch darum. Er hat das Gefühl, alle können ihm sein Versagen ansehen … können es an ihm noch riechen. Es passieren gerade genau die Dinge, die er sich wünscht: der erste Kuss mit dem Mädchen seiner Träume, erste Erfahrungen, Verliebtsein … aber er kann das alles gar nicht richtig genießen, weil diese Angst sich in seinem Kopf so festgebissen hat.

Das Buch ist als Blog geschrieben und auch so designt, den er wie ein Tagebuch benutzt. Man liest seine Gedanken direkt mit, ungefiltert und aus seiner Sicht. Eine Erzählung der Dinge, wie sie geschehen sind. Und genau das macht es so intensiv, weil man merkt, wie sehr ihn das Ganze belastet. Wie er immer mehr darüber nachdenkt, sich reinsteigert, paranoid wird. Er will einfach ein normaler Teenager sein, aber dieses eine Problem überschattet alles.

Es ist beeindruckend, wie sensibel die Autorin dieses doch schwierige Thema behandelt. Es wird nicht nur erklärt, sondern man fühlt wirklich, wie es sein kann, selbst betroffen zu sein. Die Scham, die Angst, der Kontrollverlust. Und auch wenn es vielleicht nicht so viele betrifft, ist genau deshalb die Repräsentation so wichtig. Dass es Medien gibt, die zeigen: Du bist nicht allein damit.

Gleichzeitig geht es aber auch um viele andere Dinge, die zum Erwachsenwerden dazugehören: Familienkonflikte, Streit mit Freunden und Vergebung, Liebe und Selbstfindung. Aber auch schwerere Themen wie den Verlust von einst wichtigen Personen. Auch dieses Thema wurde wirklich sehr gut, einfühlsam und realistisch dargestellt.

Ich will hier nicht zu viel vorwegnehmen, aber er tut einige Sachen … auch manche, die mich vor die Frage gestellt haben, warum er sich das selbst nur antut … die unglaublich stark sind und von viel Mut zeugen, weil er sich seinen größten Ängsten stellt und sich selbst zeigt. Auch wenn das nicht nur positive Konsequenzen hat, macht es die Geschichte umso realistischer.

Der Schreibstil ist großartig. Die Jugendsprache ist nicht so aufdringlich, sondern subtil eingebaut. Damit ist es angenehm zu lesen und wirkt nicht so künstlich jung. Manchmal ist es etwas lang und sehr ausführlich, aber gleichzeitig wollte ich immer wissen, wie es weitergeht.

Es ist dieses Gefühl von „es könnte jederzeit wieder passieren“, das mich sehr berührt und getroffen hat. Selbst kleine Erfahrungen mit Kontrollverlust können einem im Kopf bleiben, und bei ihm ist es etwas, das immer wieder passiert … das sein Leben verändert und auch Zukunftsängste hervorruft. Ist es nie vorbei?

Das Buch ist meiner Meinung nach besonders für Jugendliche ab 14 geeignet, weil es nicht nur einem unbekannten Thema Sichtbarkeit schenkt, sondern auch zeigt, wie wichtig es ist, respektvoll miteinander umzugehen. Man weiß nie, womit jemand kämpft.

Am Ende geht es für mich vor allem darum, sich zu akzeptieren, Hilfe zuzulassen und zu verstehen, dass man nicht allein ist … auch wenn es sich oft so anfühlt.

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Luzifer Reads

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